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Rückblick: Unser Jahr 2014: Entwicklung mit angezogener Handbremse

Rückblick: Unser Jahr 2014 : Entwicklung mit angezogener Handbremse

Duisburg krankte in diesem Jahr wirtschaftlich nicht nur unter der miserablen Haushaltslage, sondern schaffte es ein weiteres Mal nicht, Investoren hierher zu holen. Im Gegenteil: Mit Alltours ging ein wichtiger Arbeitgeber.

Auf der Gewerbeimmobilien-Messe Expo-Real in München war Duisburg wieder dabei. Doch atemberaubende Projekte vorstellen, das konnte die Stadt nicht. Denn Stadtentwicklung wird - wenn überhaupt - mit angezogener Handbremse "gefahren". Aufsehenerregende Projekte wie einst am Innenhafen oder ein Stadtumbau wie vor Jahren auf der Königstraße mit dem City-Palais und dem Forum - davon ist nichts zu sehen (gewesen).

 Nichts tat sich an der Baugrube an der Steinschen Gasse.
Nichts tat sich an der Baugrube an der Steinschen Gasse. Foto: reichwein

Dabei gibt es noch so einige Pläne, die 2014 längst hätten realisiert sein sollen. Das Factory Outlet Center (FOC) zum Beispiel hätte sein erstes Weihnachtsgeschäft schon hinter sich, wenn man von den ursprünglichen Zeitplanungen ausgeht. Stattdessen fällt auf dem Grundstück an der A 59-Abfahrt in Marxloh die Rhein-Ruhr-Halle in sich zusammen und sorgte ein Wechsel des Entwicklers in diesem Jahr dafür, dass sich "Douvil" immer noch im Reich der Träume befindet. Ob das Projekt jemals realisiert wird?

Daran zweifeln inzwischen ebenso viele wie daran, dass Kurt Krieger auf dem Güterbahnhofsgelände ein neues Höffner-Möbelzentrum bauen wird. Er konzentrierte sich in diesem Jahr wie gerade berichtet auf den Bau seiner Möbestadt in Neuss. Dass nun Duisburg folgt, ist damit nicht gesagt. In unserer Stadt gibt es durchaus Kreise, die sich freuen würden, wenn er seine Pläne in der Schublade verstauben lassen würde. Die IHK zum Beispiel.

 Hier sollte das Eurogate entstehen - auch 2014 Fehlanzeige!
Hier sollte das Eurogate entstehen - auch 2014 Fehlanzeige! Foto: apr
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Die Kammer hat in diesem Jahr ebenso wie der Einzelhandelsverband deutlich vor einer Realisierung gewarnt, weil in der neuen Möbelstadt zu viele innenstadtrelevante Waren verkauft werden sollen, kritisierten die beiden Organisationen. Das würde dem Handel in der City nachhaltig schaden. Klingt fast so wie die Störgeräusche seinerzeit bei "MultiCasa". Das Centro-ähnliche Gebilde auf dem Güterbahnhofsgelände erblickte niemals das Licht der Welt, wodurch der Weg frei wurde für eine Neugestaltung der Innenstadt mit dem Forum. Geschadet hat das Duisburg wahrlich nicht. Im Gegenteil!

Dass um die Stadt inzwischen große Investoren immer mehr einen Bogen machen, das ist das eine, dass aber namhafte Unternehmen die Stadt verlassen, das andere. Der Umzug von Alltours schockierte in diesem Jahr die ahnungslose Stadtspitze sehr. Und vermutlich zu gerne hätte sie zum Jahresende mal eine Erfolgsmeldung abgesetzt, zum Beispiel die, dass für das "Eurogate" ein Investor gefunden worden ist.

Doch der "Schlussstein" am Innenhafen kann nicht gesetzt werden, weil sich niemand auf die Ausschreibung meldete, keiner an der Treppenanlage bauen will. Auch für das Grundstück Steinsche Gasse gilt das. In der Baugrube wächst nun Unkraut. Zunächst war dort ein Ärztezentrum geplant, dann war von Studentenwohnungen die Rede. Und jetzt? Schweigen!

Unbeliebt bei Investoren macht sich Duisburg unter anderem wegen der Gewerbe- und der Grundsteuer. Für die Anhebung der letzteren musste sie sehr viel Kritik einstecken. Aber immerhin: An der Saarstraße hat in diesem Jahr die Targobank in einer Rekordzeit ein zweites Bürohaus in die Höhe gezogen. Und die Firma Krone Messtechnik ging im Spätherbst am Schnabelhuck an den Start und baut dort nun eine Erweiterung für die Konzernzentrale. Hiobsbotschaften gab es auch dem Duisburger Versorgungs- und Verkehrskonzern (DVV). Ein gesundes Unternehmen droht vor allem an der bundesdeutschen Energiepolitik zugrunde zu gehen.

Der Vorstand arbeitet derzeit daran, zu retten, was zu retten ist. Die anstehenden Einschnitte werden schmerzhaft sein, es sei denn - was keiner mehr glaubt - die Bundesregierung hilft den kommunalen Energieversorgern, die selber Strom produzieren.

Geld drucken kann der DVV-Konzern leider ebenso wenig wie die Duisburger Sparkasse, die in diesem Jahr mit einem Skandal auf sich aufmerksam machte. Die Pensionszahlungen für den ausgeschiedenen Vorstandschef Tomalak waren weit üppiger ausgefallen, als es der Sparkassen- und Giroverband empfiehlt. Das machte Ärger, auch wenn Empfehlungen keine Vorschriften sind. Tomalak stimmte schließlich einer Kürzung seiner "Rente" zu, und das aufgewühlte Sparkassenmeer beruhigt sich wieder. Wobei: Die ständigen Neiddiskussionen über Vorstandsgehälter, die werden das Geldinstitut (ebenso aber auch andere kommunale Unternehmen) wohl immer begleiten.

Gänzlich unbeeindruckt von Starkwinden und Stürmen schippert das Duisburger Vorzeigeboot durch die Meere: Duisport! Die Hafengesellschaft schreibt ein ums andere Jahr schwarze Zahlen und scheint auf immerwährendem Wachstumskurs zu sein.

Eigentümer sind zu zwei Teilen das Land und zu einem die Stadt Duisburg, die offensichtlich großes Vertrauen in die Fähigkeiten von Hafenchef Erich Staake haben. Auch wenn es in dieser Stadt immer wieder Diskussionen darüber gibt, dass Logistik nicht unproblematisch ist - das Thema Talke machte das in diesem Jahr mal wieder sehr deutlich - für Duisburg sind Duisport und die Logistik unverzichtbar geworden.

(RP)