Duisburg: Emscherkunst in Duisburg: Aus Alt mach Neu

Duisburg : Emscherkunst in Duisburg: Aus Alt mach Neu

13 "Performer" um die Künstlerin Anna Witt produzieren aus Sperrmüll Möbel nach schwedischem Design.

In diesen Monaten sind 13 Künstler, Schreiner, Lackierer und andere handwerklich begabte Menschen vorzugsweise im Duisburger Norden unterwegs, um Sperrmüll und andere weggeworfene Materialien in "funktionale Objekte" zu verwandeln, insbesondere in Sitzmöbel oder Tische. Das Ganze geschieht innerhalb des Projekts "Emscherkunst.2013", einer Nachfolge-Initiative des Kulturhauptstadtjahres 2010. Mit im Boot sitzen dabei u.a. das Landesministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport und der Regionalverband Ruhr. Die aus Bayern stammende und nun meist in Wien lebende junge, bereits mehrfach ausgezeichnete Künstlerin Anna Witt und die schwedische Designergruppe Uglycute (=hässlich-reizend) sind für die Realisierung der ungewöhnlichen Kunstaktion verantwortlich, die offiziell vom 22. Juni bis 6. Oktober unter dem Motto "Breaking New" läuft.

"Hauptquartier" des Projekts ist die ehemalige Diskothek "Club American" an der Wiesenstraße/ Ecke Dahlstraße in Marxloh. Dort trifft sich Anna Witt regelmäßig mit ihrem Team. Und dort kann man sich vom 22. Juni bis 6. Oktober täglich, jeweils von 10 bis 18 Uhr, über den aktuellen Stand von "Breaking New" informieren. Prof. Florian Matzner, der bereits für die erste Ausgabe der "Emscherkunst" im Kulturhauptstadtjahr 2010 verantwortlich war, hat die in Fachkreisen bereits bekannte Künstlerin Anna Witt von Wien ins Ruhrgebiet geholt. Matzner möchte Kunst auf die Straße bringen. Anna Witt hatte die Idee zu der ungewöhnlichen Aktion und bekam die Chance, die in Stockholm beheimatete Designergruppe Uglycute zu engagieren.

Der schwedische Designer Jonas Nobel gestaltete nicht nur das Marxloher Hauptquartier, er schult auch die 13 Künstler und Handwerker, die demnächst mit einem Bollerwagen voll Handwerkszeug durch die Straßen im Duisburger Norden radeln, um — nach Absprache mit den Wirtschaftsbetrieben und Anwohnern — Sperrmüll zu brauchbaren Sofas, Stühlen, Sesseln oder Tischen umzuarbeiten. Zum einheitlichen Design gehört, dass alle Möbelstücke, die nach der Devise aus Alt mach Neu gestaltet werden, am Schluss einen kupferfarbenen, glänzenden Bezug aus Lycra bekommen. Lycra ist ein Stoff, der häufig für Badekleidung verwendet wird. Jonas Nobel: "Das Design ist inspiriert von der Marxloher Ästhetik; es ist eine Kollision zwischen der glitzernden Hochzeitsindustrie und der rostenden Industrie." Anna Witt schätzt, dass vom 22. Juni bis 6. Oktober etwa 130 Objekte aus Sperrmüll entstehen werden. Die meisten sollen vorerst dort stehen bleiben, wo der Sperrmüll gefunden wurde. Einige neue Möbel nach "schwedischem Design" wird man später vielleicht auch in Privatwohnungen wiederfinden. Anna Witt und Jonas Nobel hätten jedenfalls nichts dagegen.

(RP/ac)
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