Duisburg: Einschnitte beim Diakoniewerk Duisburg

Duisburg : Einschnitte beim Diakoniewerk Duisburg

Am Dienstag stellte Sieghard Schilling, Geschäftsführer des Diakoniewerks Duisburg, seinen aktuellen Geschäftsbericht vor. Ein Schwerpunkt bildet dabei der Bereich Arbeit und Ausbildung. Schilling redete nicht lange drum rum: "Die arbeitsmarktpolitischen Entwicklungen, insbesondere die Situation von arbeitslosen Jugendlichen, sind desaströs!"

Der Hauptgrund für diese Einschätzung versuchte Schilling mit Zahlen zu belegen: Im Jahr 2010 hätten dem Jobcenter Duisburg noch 66 Millionen Euro zur Verfügung gestanden, um arbeitslose Menschen in eine Vollbeschäftigung zu vermitteln. Diese Mittel seien Jahr für Jahr zurückgefahren worden. In diesem Jahr betrage der "Eingliederungstitel", so der Fachausdruck, im Jobcenter Duisburg nur noch 32 Millionen Euro.

Diese Reduzierung, für die Schilling die Bundespolitik verantwortlich macht, hat unmittelbare Auswirkungen auf die Arbeit des Diakoniewerks Duisburg, wo man sich unter anderem um die Ausbildung von Jugendlichen kümmert, die Unterstützung brauchen, um eine Lehre erfolgreich absolvieren zu können. So wurde im vergangenen Jahr die Ausbildungswerkstatt Sanitär-, Heizung und Klima des Diakoniewerks geschlossen, da das Jobcenter und die Agentur für Arbeit die integrative Ausbildung in diesem Bereich nicht mehr ausgeschrieben hätten — so Schilling. Zuvor durchliefen hier 50 Jugendliche eine Ausbildung, erläuterte er. Das nun leerstehende Qualifizierungszentrum wurde inzwischen von der Schweißtechnischen Lehr- und Versuchsanstalt angemietet, einem langjährigen Partner des Diakoniewerks.

Die integrative Ausbildung, also die Ausbildung aus einer Hand, werde, so Schilling, immer weiter zurückgefahren. An ihrer Stelle trete die so genannte kooperative Ausbildung. Dabei findet die Ausbildung in einem Unternehmen statt, während die pädagogische Betreuung über andere Träger geleistet werde.

Das, so Michael Richard-Sommer, stellvertretender Fachbereichsleiter Arbeit und Ausbildung, höre sich nur in der Theorie gut an. Die Zweiteilung führe dazu, dass sich die Träger der pädagogischen Betreuung in einen "ruinösen Konkurrenzkampf" begeben müssten. Sprich: Freie Träger, die sozialpädagogische Betreuung anbieten, zahlten ihren Leuten Löhne, die weit unter dem Tarif liegen, an den sich das Diakoniewerk halte.

Das will Diakonie-Geschäftsführer Sieghard Schilling, der, wie er am Dienstag erläuterte, ein Sterben der freien Träger befürchtet, nicht mitmachen und sucht mit anderen etablierten Trägern, wie zum Beispiel der katholischen Werkkiste, das Gespräch mit der Politik, die allerdings im kommunalen Bereich wenig ausrichten könne. Schilling fordert deshalb einen kommunalen Arbeitslosenfinanzausgleich, der auf die Situation der jeweiligen Stadt zugeschnitten ist und bei dem nicht bundeseinheitlich alles über einen Kamm geschoren wird. Duisburg, so Schilling, brauche beispielsweise spezielle Programme für die osteuropäische Zuwanderungsproblematik.

Zurzeit beschäftigt das Diakoniewerk Duisburg 456 Mitarbeiter, die in fünf Fachbereichen beschäftigt sind: Wohnungslosenhilfe, Suchtkrankenhilfe, Arbeit und Ausbildung, Sozialpsychiatrie sowie Kinder, Jugend und Familie. Betriebsbedingte Kündigungen habe es bislang beim Diakoniewerk Duisburg noch nicht gegeben.

(RP/ac)
Mehr von RP ONLINE