Duisburg: Einen Beruf in Teilzeit erlernen

Duisburg: Einen Beruf in Teilzeit erlernen

Von einem besonderen Modell profitieren nicht nur Auszubildende, sondern auch Arbeitgeber.

In Duisburg sind noch über 1500 Lehrstellen unbesetzt. Der Personaldienstleister START NRW bietet ein innovatives Ausbildungsmodell mit dem Titel "Partnerschaftliche Ausbildung in Teilzeit" an. Das Projekt, das in Kooperation mit dem Jobcenter Duisburg durchgeführt wird, hilft dabei, Ausbildungsstellen zu besetzen. Mit dem Modell könnten Unternehmen aus jeder Branche neue Zielgruppen von potenziellen Auszubildenden erschließen - zum Beispiel junge Eltern oder Menschen mit Behinderung. Um etwa Arbeit und Familie vereinbaren zu können, beträgt die wöchentliche Ausbildungszeit je nach Betrieb zwischen 23 und 30 Stunden. Die Dauer der Ausbildung verlängert sich nur, wenn der Auszubildende weniger als 25 Stunden pro Woche arbeitet.

Auch für die Arbeitgeber bietet die besondere Form der Ausbildung einen Vorteil. Denn START NRW und das auszubildende Unternehmen teilen sich die Ausbildungskosten. Zudem kümmert sich der Personaldienstleister um alle Formalitäten. "Das ist besonders für Arbeitgeber, die nicht so viel Power im Bereich Human Ressources haben, hilfreich", berichtet Jörg Löbe, Geschäftsführer der Bürgerstiftung Duisburg, die erfolgreich in Teilzeit ausbildet.

Zu einem Problem kann der notwendige Gang zur Berufsschule werden. Dorota Witowksa hat 2017 ihren Abschluss gemacht und Kauffrau für Büromanagement bei der Bürgerstiftung gelernt. Sie erzählt: "Ich habe Fehlzeiten bekommen, weil ich mein Kind erst zum Kindergarten bringen konnte, als der Unterricht schon angefangen hat." Für Löbe ist das inakzeptabel. "Ich habe mir eine Tagesmutter besorgt, die meine Kinder zum Kindergarten bringt und auch wieder abholt", erklärt Denise Kempken, Teilzeit-Azubi bei START NRW, ihre Lösung für das Problem.

Die Zahlen zeigen, dass eine Ausbildung in Teilzeit noch die absolute Ausnahme ist. START NRW betreut beispielsweise landesweit zehn Auszubildende in Teilzeit. Insgesamt sind es knapp über 1200 in ganz Nordrhein-Westfalen. Umgerechnet werden nur rund 0,41 Prozent der Berufsausbildungsstellen in Teilzeit angeboten. Es sei aber nicht immer so, dass Unternehmen vor der Ausbildung in Teilzeit zurückschreckten, erklärt Borgstedt. "Diese Option ist einfach noch nicht bekannt genug."

Dabei spricht der Erfolg der Teilzeitausbildung für sich: "Die Abbrecher-Quote liegt bei zwei bis drei Prozent", berichtet Norbert Maul, Leiter Aktive Arbeitsmarktpolitik von START NRW. "In einer normalen Ausbildung beträgt diese Quote 25 Prozent."

Er erhofft sich ebenfalls, dass das Modell in Zukunft besser von den Unternehmen angenommen wird. Gute Bewerber, die nur in Teilzeit eine Ausbildung machen können, würden momentan "links liegen gelassen".

(RP)