Duisburg: Eine Wand für Kunst mit der Spraydose

Duisburg : Eine Wand für Kunst mit der Spraydose

Am Landschaftspark konnten sich Graffiti-Künstler austoben. Ihre Bilder auf Leinwand werden später in einer Ausstellung zu sehen sein.

Leuchtend bunte Schriftzüge, markante Konturen und das Geräusch von zischenden Sprühdosen lockten am Samstag sowohl Sprayer als auch begeisterte Kenner der Szene an den Grünpfad im Landschaftspark Nord. Die dort durch das Jugendamt betreuten Graffiti-Flächen, die etwa 2,50 Meter hoch und aus Beton sind, haben sich seit der Eröffnung im Mai 2010 für Graffiti-Sprayer, die die "Kunst aus der Dose" ausprobieren möchten, als ideal erwiesen.

Am Samstag wurde an diesem Ort ein außergewöhnliches Graffiti-Event fortgesetzt und die Sprayer gingen in die zweite Runde. Begleitet durch die Berliner Künstlerin Elke Molkethin wurden vor Beginn der Sprüharbeiten zum Thema "Raum" Leinwände an den weißen Betonwänden montiert. Diese wurden nach der Vollendung der Graffitis abgenommen und sollen nun in einer Ausstellung im Forum auf der Königstraße präsentiert und verkauft werden.

Etwa 20 Sprayer, Kenner der Graffiti-Szene und staunende Duisburger machten den Samstag zu einem ganz besonderen Tag und verwandelten die kühlen Betonwände in ein Meer des Farbenrausches. "Ich spraye bereits seit elf Jahren und liebe die Kunst mit der Dose", sagt Kai Niederhausen aus Solingen, der mit seiner ganzen "Sprayer-Crew" nach Meiderich gekommen war. "Ich bringe heute meinen Künstlernamen DVICE (Einheit) an die Wand und setze dabei lediglich die Farben lila, grau, pink und schwarz ein."

Kai sagt, dass er die Momente genieße, in denen er sich einfach fallen lassen kann und sich dem zischenden Geräusch und dem typischen beißenden Farbgeruch hingibt. "Ich finde die Aktion wirklich klasse und schätze die steigende Anzahl legaler Spraywände", sagt der 25-Jährige lächelnd und lässt dabei seinen Blick nicht von seinem entstehenden Kunstwerk ab.

Auch Eric Ventker liebt die bunten Farben aus den Dosen. Er verbindet die Kunst des Sprayens mit der Pinseltechnik. "Ich verwende bei fast allen Bildern sowohl Pinsel als auch Spraydose. Der Pinsel ermöglicht es mir, genauer zu malen und nicht so "dreckig" wie die anderen Graffiti-Künstler." Eric Ventker wich am Samstag beim Arbeiten nicht weiter als eine Pinsellänge von seinem Bild zurück und wirkte wie in Trance, als er seiner "Kunstfrau" Schatten ins Gesicht setzte.

Von der Seite blickt die Frau in die Ferne, und Erics Einsatz von Farbe sorgte für einen unbeschreiblichen Ausdruck in dem weiblichen Gesicht — Hoffnung und Sorge zugleich. "Dieses Bild ist wirklich faszinierend", kommentierte Hans-Jürgen Brüning, der sich auf Graffiti-Fotografie spezialisiert hat. "Ich komme oft mehrmals in der Woche an diese Wände und finde immer wieder neue Kunstwerke vor, die meine Fotosammlung bereichern."

Die Mitarbeiter des Jugendamtes waren auch anwesend und beobachten die Straßenkünstler bei ihrem Hobby. "Ich bin von den Jungs begeistert und freue mich, dass die Aktion so einen großen Zuspruch erfährt", sagte Streetworkerin Monika Jonischkat.

Die Sprayer belebten noch bis in den späten Nachmittag den Pfad im Landschaftspark. Und wer weiß, vielleicht beweisen heute schon wieder andere Künstler ihr Können. Ein Besuch der legalen Sprayfläche ist jeden Tag ein neues Erlebnis und zeigt, was es heißt, seinen Alltag mit Farbe zu bereichern — und zwar ganz legal:

(RP/EW)
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