Duisburg: Eine Nacht umsonst gewacht

Duisburg : Eine Nacht umsonst gewacht

Weder das Ausharren in eisiger Kälte, noch das Wachbleiben zu nachtschlafender Zeit stellte für die Hobby-Astronomen des Vereins „Rudolf-Römer-Sternwarte Rheinhausen“ ein Problem dar, über das sich zu mokieren lohnte. Ein kosmisches Phänomen, dass sich bei uns erst 2015 wiederholen wird, hat sie all die Entbehrungen in der kleinen schulsternwarte auf dem Dach des Krupp-Gymnasiums ertragen lassen. Die Mannen um den Vereinsvorsitzenden Rolf Hembach wollten, wie Millionen Menschen in Europa, Zeugen der totalen Mondfinsternis werden, die sich gestern zwischen zwei und sechs Uhr morgens ereignete. Petrus hatte jedoch anders entschieden.

„Immerhin haben wir eine halbe Stunde lang den Eintritt des Mondes in die Halbschattenphase beobachten können“, sagt Rolf Hembach. Doch der Hobby-Astronom ist sichtlich enttäuscht. Was man zu Gesicht bekommen habe, als der Erdtrabant halb verdeckt wurde, habe sich nicht wesentlich vom abnehmenden Mond, der sich allmonatlich zeige, unterschieden. Nein, er habe sich auf den Moment gefreut, in dem der Mond in den Kernschatten eintrete. „Dabei bilden Sonne, Erde und Mond eine Linie. Der Mond verschwindet im Schatten der Erde. Doch vollkommen schwarz ist er trotzdem nicht. Denn etwas Sonnenlicht strahlt durch die Erdatmosphäre, wird gebrochen und lässt den Mond tiefrot erscheinen“, erläutert Hembach. Zu sehen bekam der Rheinhauser leider nur einen indifferenten Grauschleier. Der Hauptakt des Himmelsschauspiels verbarg sich hinter einer dichten Wolkendecke.

Mit Apollo 11

Wenn der 54-jährige Autodidakt, der sich sein Fachwissen selbst angeeignet hat, über Himmelskunde spricht, blitzt in dem Spielwarenverkäufer die kindliche Begeisterungsfähigkeit auf, die er empfunden haben muss, als er mit 14 Jahren die erste Mondlandung im Fernsehen verfolgte. Seither ist der ehemalige Schüler des Krupp-Gymnasiums mit dem Astronomie-Virus unheilbar infiziert. Um die Sternwarte auf dem Dach seiner Schule nutzen zu können, rief der damals 17-Jährige, 1971, eigens einen gemeinnützigen Verein ins Leben, der nach Rudolf Römer, dem Physiklehrer, der sich für den Bau der Schulsternwarte einsetzte, benannt wurde.

Den Rheinhauser Freizeit-Astronomen blieb gestern zwar der Blick auf die totale Mondfinsternis verwehrt. Dennoch fiebern sie bereits dem nächsten kosmischen Ereignis entgegen. Morgen ist der Planet Saturn der Erde am nächsten und kann dementsprechend gut beobachtet werden – vorausgesetzt das Wetter spielt mit. Die aktuelle Vorhersage lässt hoffen.

(RP)
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