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Duisburg: Eine kranke Katze kostet 15 Euro pro Tag

Duisburg : Eine kranke Katze kostet 15 Euro pro Tag

260 Katzen leben derzeit im Tierheim. Mehr als ein Drittel davon sind krank, können zunächst nicht vermittelt werden. Um der steigenden Population zu begegnen, sollten Halter ihre Tiere kastrieren lassen. Der Jagdverband ist skeptisch.

Wer eine gesunde Katze im Duisburger Tierheim abgegeben möchte, weil sie zum Beispiel in die Wohnung macht oder Mäuse fängt, hat keine Chance. "Diese Tiere nehmen wir nicht auf", sagt Leiterin Monika Lange. Nicht weil sie nicht will, sondern weil ihr der Platz fehlt. 260 Katzen leben derzeit an der Lehmstraße, 994 wurden seit Beginn des Jahres aufgenommen.

Die Lage sei dramatisch. Das liegt insbesondere daran, dass viele Fundtiere ansteckende Krankheiten haben. Mehr als ein Drittel (93) der 260 Katzen im Tierheim leiden an Schnupfen oder Pilzinfektionen.

Tiere stecken sich untereinander an

Weil zu wenig Platz zur Verfügung steht, sind die Katzen besonders anfällig. Lange: "Enge und Stress schlagen auf das Immunsystem, die Tiere stecken sich schnell untereinander an, viele sind nicht geimpft." Offenbar hilft auch die Unterbringung auf der Quarantänestation kaum dabei, das Problem in den Griff zu bekommen. Unterdessen explodieren die Kosten für tierärztliche Behandlung und Medikamente: Nach Angaben der Tierheimleiterin kostet die Versorgung einer kranken Katze rund 15 Euro pro Tag. Bei zweimonatiger Behandlung — laut Lange keine Seltenheit — entspricht das einer Summe von 915 Euro.

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"Es muss sich was tun, sonst geht uns die Luft aus", prophezeit Lange mit Blick auf die Finanzen. Etwa eine halbe Million Euro aus Spenden, städtischen Zuwendungen und Vermittlungsgebühren steht ihr im Jahr zur Verfügung. Fast die Hälfte davon (230 000 Euro) wird 2012 voraussichtlich benötigt, um die Ausgaben für Medikamente und Tierarztkosten zu bezahlen. Lange: "Dieses Jahr wird es so sein, dass wir mehr Geld ausgeben, als wir eingenommen haben." Das Defizit werde mit Rücklagen ausgeglichen.

Verantwortlich für die steigende Zahl an Fundkatzen sind offenbar die wildlebenden Tiere in Duisburg. Wie viele es sind, vermag niemand genau zu sagen. Auf eine sechsstellige Zahl würde man wohl kommen, schätzt der Duisburger Amtsveterinär Dr. Horst Wischner. Sie lebten auf Industriebrachen, in Kleingartenanlagen, in den Rheinwiesen. Damit sich die Katzen nicht weiter vermehren, fordern Tierschützer und Stadtverwaltung Halter dringend dazu auf, ihre Katzen kastrieren zu lassen (siehe Infobox). Damit gehen die Verantwortlichen noch nicht so weit wie die Tierschutzorganisation Peta, die eine Kastrationspflicht für alle Freigänger-Katzen fordert.

"Mit der Kastration wird den Katzen großes Leid erspart", betont auch Monika Lange. Der Landesjagdverband Nordrhein-Westfalen indes ist nicht völlig von der Maßnahme überzeugt. "Das ist ein Schritt in die richtige Richtung", sagt Sprecher Andreas Schneider, "der Erfolg sei aber dahingestellt." Aus Sicht der Jäger dezimieren verwilderte Katzen den Bestand aller wildlebenden Tierarten, darunter Singvögel. Inzwischen gebe es zahlreiche Arten, die auf der Roten Liste stehen. Schneider: "Katzenbesitzer sollten ehrlich zu sich sein und prüfen, wie oft ein Singvogel vor der Haustür liegt."

Und weiter: "Jäger schießen äußerst ungern Katzen und halten sich an die gesetzlichen Bestimmungen." Danach sind Jäger befugt, wildernde Katzen zu töten, die im Jagdbezirk in einer Entfernung von mehr als 200 Metern vom nächsten Haus angetroffen werden. "Wildlebende Tiere haben ebenso ein Recht auf Leben wie Katzen", stellt Schneider fest. Im Rahmen des Artenschutzes müsse abgewogen werden, "welches das höhere Gut ist".

(RP/rl/top)