1. NRW
  2. Städte
  3. Duisburg

Eine Geschichte voller Skandale

Eine Geschichte voller Skandale

Mit der Grundsteinlegung für den Erweiterungsbau der Küppersmühle endet eine Entwicklung voller Skandale, die den beiden Ex-Gebag-Geschäftsführern Dietmar Cremer und Marianne Wolf-Kröger den Job kostete und ebenso wie dem damaligen Planungsdezernenten Dressler hohe Schadensersatzzahlungen vor Gericht einbrachte. Seit 2008 wurde in Duisburg über den Erweiterungsbau diskutiert und darüber, oben auf den Speicher eine Art beleuchteten Schuhkarten mit einem fetten Schriftzug des Sponsoren Evonik anzubringen. Von Leuchtturmprojekt war damals die Rede, von einem Museumsanbau, der es mit dem Guggenheim Museum im spanischen Bilbao aufnehmen könne. Doch Höhenflüge sind den Duisburgern ja noch nie gut bekommen. Und so war es auch mit dem Projekt nach den Plänen des renommierten Schweizer Architekturbüros Herzog und de Meuron. Denn als das stählerne Gerippe für diesen Schuhkarton am Boden zusammengeschweißt wurde, passierten folgenschwere Fehler. Die Nähte waren schadhaft, die Kiste konnte nicht aufs Dach gesetzt werden, ohne auseinanderzubrechen. Die anfangs auf 20 Millionen Euro geschätzten Kosten schossen in die Höhe und drohten das gesamte städtische Wohnungsbauunternehmen Gebag in den Ruin zu treiben. Die damals ausführende Stahlbaufirma mit Sitz in Osteuropa ging Konkurs, zahlte keinen Schadensersatz. Evonik wollte nicht länger mitmachen und sprang ab. Und auch das Sponsoren-Ehepaar Ströher, Eigentümer der Küppersmühle, war ungehalten, aber weiterhin grundsätzlich davon überzeugt, dass das Museum am Wasser ein wertvoller Diamant ist. Offenbar überdrüssig, mit überforderten Partnern aus der Stadt zusammenzuarbeiten, zog es die Reißleine und nahm vor gut zwei Jahren das Erweiterungsprojekt selbst in die Hand.

Was hat die Stadt daraus gelernt? Zum Beispiel, dass das Wohnungsunternehmen Gebag nicht mit Aufträgen blockiert werden sollte, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Mit Hilfe des eingesetzten Sanierers Dr. Utz Brömmekamp gelang es, die geldgebenden Banken zum Stillhalten zu bringen und so die akut-drohende Insolvenz abzuwenden und ein Finanzkonzept zu entwickeln, das unter dem aktuellen Geschäftsführer Bernd Wortmeyer konsequent umgesetzt wird. Inzwischen steht das Unternehmen wieder auf so festem finanziellen Boden, dass es zur Finanzierung seiner Neubau- und Sanierungsvorhaben Geld von den Banken bekommt.

Wie teuer der "Ausflug" letztlich für die Steuerzahler gewesen ist, darüber wird eisern geschwiegen. Es dürfte aber eine nennenswerte Summe "Lehrgeld" gewesen sein.

hildegard.chudobbarheinische.post.de

(RP)