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Gesundheit Eine Aktion der RP und des Evangelischen Klinikums Niederrhein: Eine ganz ruhige Hand ist hier gefragt

Gesundheit Eine Aktion der RP und des Evangelischen Klinikums Niederrhein : Eine ganz ruhige Hand ist hier gefragt

Schwerpunkte des Teams der Klinik für Neurochirurgie um Prof. Dr. Michael Zimmermann sind die Wirbelsäule und der Schädel. Fast alle operativen Eingriffe an Hirntumoren werden mit Hilfe mikrochirurgischer Methoden vorgenommen.

Historisch gesehen operiert und behandelt man in der Klinik für Neurochirurgie im Klinik-Verbund des Evangelischen Klinikums Niederrhein seit etwa 70 Jahren Bandscheibenvorfälle und Störungen des peripheren Nervensystems. Seit Beginn der 80er Jahre änderten sich allerdings die Schwerpunkte. Mit der Gründung der Kernbereiche Neurologie, Neuroradiologie und Neurochirurgie erweiterte man die Bandbreite des Behandlungsfeldes. Als neuer Chefarzt der Klinik begann Prof. Dr. Michael Zimmermann 2004, den Bereich Hirnchirurgie kontinuierlich weiter auszubauen. In drei Operationssälen werden jetzt rund 1800 Eingriffe pro Jahr vorgenommen. Etwa 2200 Patienten werden jährlich stationär betreut.

"Ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist nach wie vor die Behandlung der Wirbelsäule", so Zimmermann. "Wir kümmern uns um Bandscheibenvorfälle, Verengungen des Wirbelkanals, rückenmarksnahe Tumore, Frakturen und Verletzungen der Wirbelsäule und nicht zuletzt um Patienten mit Querschnittslähmung."

Der zweite Schwerpunkt ist für Zimmermann und sein Team die sogenannte kraniale (griechisch: den Schädel betreffend) Neurochirurgie. "Hier stehen besonders Hirntumore und Hirnblutungen im Fokus, aber auch Gefäßmissbildungen und Erkrankungen des Zentralnervensystems", erläutert der Mediziner.

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Nach eingehenden Untersuchungen unter Berücksichtigung des Allgemeinzustandes des Patienten, seines Alters, der Schwere seiner Erkrankung und seiner Vorgeschichte wird die weitere Vorgehensweise der Behandlung abgewogen: Ist eine Operation sinnvoll? Verbessert sie seine Lebensqualität entscheidend? Verlängert sie sein Leben, oder lassen sich durch eine medikamentöse Behandlung weitgehende Erfolge erzielen? Nicht nur die medizinischen, sondern auch und vor allem die menschlichen Aspekte sind zu berücksichtigen.

Nahezu 100 Prozent der operativen Eingriffe an Hirntumoren werden mit Hilfe mikrochirurgischer Methoden vorgenommen, um das Operationsfeld möglichst klein zu halten. Zimmermann erklärt: "Von entscheidender Bedeutung beim Operieren ist das sichere Finden der zu versorgenden Stelle im Gehirn mittels Neuronavigation - dem GPS im Operationssaal." Die graue Hirnmasse bietet für das Auge des Neurochirurgen nur sehr wenige Orientierungsmöglichkeiten. "Bei bösartigen Tumoren bedienen wir uns zunächst der Pharmakologie", erläutert Zimmermann. "Der Patient bekommt vor dem Eingriff ein Medikament, nach dessen Einnahme sich das Tumorgewebe verfärbt und später auf dem Monitor blau sichtbar wird. So kann der Chirurg bei der Entnahme des Tumorgewebes genauer arbeiten."

Wenn der Tumor sich nicht direkt an der Oberfläche, sondern tief im Hirngewebe befindet, kann der Operateur mit Hilfe der Neuronavigation das zu behandelnde Gebiet einfacher und schneller erreichen. So wird eine möglichst sichere und schonende Entfernung des Tumors gewährleistet.

Die rasante Entwicklung der Computer-Technologie ermöglicht eine immer präzisere Lokalisierung des Tumorgewebes und ist von entscheidender Bedeutung für den Erfolg einer solchen Operation. "Die OP-Zugänge werden immer kleiner, der Eingriff wird genauer. Die Belastung für den Patienten wird geringer. Er verlässt früher das Krankenhaus und kann sein tägliches Leben wieder aufnehmen", erläutert Zimmermann.

Was den medizinischen Nachwuchs betrifft, so steht ihm ein langer, steiniger Weg bis hin zur Facharzt-Prüfung bevor. Die Facharzt-Ausbildung auf neurochirurgischem Gebiet dauert sechs Jahre. Ständiges Lernen immer neuer Techniken und handwerklicher Fertigkeiten ist unabdingbar. Nach vier bis sechs weiteren Jahren ist der junge Kollege oder die junge Kollegin sicher bei großen Eingriffen wie Tumor-Operationen oder der Behandlung von Gefäßmissbildungen.

Nicht nur handwerkliche Fähigkeiten, Leidenschaft, Erfahrung und die ständige Bereitschaft, neueste technische und wissenschaftliche Fortschritte im Fokus zu behalten und umzusetzen, sondern auch die enge Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen, wie zum Beispiel der Intensivmedizin und der Neuroradiologie, sind unverzichtbar für die erfolgreiche Arbeit des Neurochirurgen.

(RP)