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Kolumne: Unsere Woche: Eine echte Blamage

Kolumne: Unsere Woche : Eine echte Blamage

Das war zu erwarten: Mit dem Zeltdorf in Walsum hat die Stadt bundesweit so viel Aufmerksamkeit erregt, dass sich gestern die Grünen-Vorsitzende Simone Peter aus Berlin zu Wort gemeldet hat. Traumatisierte Flüchtlinge in Zelten unterzubringen, das sei unwürdig, stellt sie fest und fordert Bund und Länder zum Handeln auf.

Wenn Duisburgs Sozialdezernent Reinhold Spaniel mit der Zelt-Lösung genau das hätte bewirken wollte, dass nämlich Bund und Länder stärker in die Finanzverantwortung gedrängt werden, dann wäre das ein sehr kluger Schachzug gewesen, wenn auch einer auf Kosten der Asylsuchenden. Doch danach hörte sich Spaniel nicht an, als er sich mutig und mit zerknirschtem Gesicht den Medienvertretern stellte. Er übte - ohne es zu sagen - deutlich Kritik an seinem Planungs-Kollegen Tum, als er erkennen ließ, dass Bauanträge für Asylanten-Unterkünfte hier offenbar nicht bevorzugt und mit Tempo bearbeitet werden. Als Baudezernent hätte sich Carsten Tum, der immer seltener mit Taten als mit schönen Worten und Nettigkeit glänzt, längst einschalten müssen. Auch in seiner Verantwortung liegt es, diese Blamage für Duisburg zu verhindern.

Und wenn weder er noch Spaniel dazu in der Lage waren, hätte sich der Oberbürgermeister einschalten müssen. Dass Sören Link es am Donnerstag seinem Stellvertreter überließ, die Zeltstadt, die keiner will, öffentlich zu "verkaufen", statt selbst vor den Fernsehkameras unsere Stadt zu verteidigen, ist mindestens ungeschickt. Der OB zog es an diesem Tag vor, gemeinsam mit seinem Kulturdezernten kostenlose Büchereiausweise an Kinderchen zu verteilen. Wenn zwei hoch-bezahlte Stadtmanager gemeinsam Zeit für einen solchen PR-Termin haben, dann muss es Duisburg ja wohl ziemlich gut gehen. hch

(RP)