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Duisburg: Ein Turm für den Wandel

Duisburg : Ein Turm für den Wandel

Der Beirat für Stadtgestaltung ist von den Plänen für das Landesarchiv am Innenhafen sehr angetan. Er hätte sich allerdings mehr öffentliche Beteiligung gewünscht

Mit Begeisterung hat der Beirat für Stadtgestaltung (BEST) das Wettbewerbsergebnis für das NRW-Landesarchiv aufgenommen. Aus städtebaulicher, architektonischer und baugeschichtlicher Sicht sei die Lösung von Ortner+Ortner überzeugend. Sie stelle einen wichtigen innovativen Beitrag für den Umgang mit der Stadtgeschichte dar und fördere den Strukturwandel in Duisburg, urteilten die Experten, unter ihnen etliche Architekten. „Die Grundidee des aus dem alten Speicher herausragenden Turmes als ’Speicher der Erinnerung’ oder auch ’Gedächtnis des Landes’ ist mit dem alten Speichergebäude als Basis überraschend einfach und überzeugend.“

Wie berichtet wird das Landesarchiv in den Speicher am Schwanentor einziehen. Noch in diesem Jahr sollen die Umbauarbeiten beginnen. Im Kulturhauptstadt-Jahr 2010 soll das Projekt dann eines der herausragenden Exponate sein, mit denen die Stadt Duisburg antritt.

Die Maßstäblichkeit des kompakten und statischen historischen Speichergebäudes werde durch die dynamische Kraft des nach oben strebenden Turmes überhöht, urteilt der Beirat für Stadtgestaltung.. Dagegen manifestiere sich als zweite dynamische Bewegung das unmittelbar angebundene wellenförmige Bürogebäude, das gleichsam aus dem Speicher herauszufließen scheint. Alle drei Bauglieder – der historische Speicher, der eingepflanzte Turm und die angefügte Welle – seien einerseits als Einzelgebäude deutlich erkennbar, andererseits ergäben sie ein einheitliches Gebäudeensemble. Der Standort scheine in Ergänzung der Türme von Rathaus, Salvatorkirche und Stadtwerke mit einem weiteren Turm, der ganz deutlich den Strukturwandel versinnbildlicht, richtig und gut zu sein. Somit manifestiere sich an den Türmen nach Jahrhunderte langer Vorherrschaft der Kirchtürme, der Türme der Zechen und Stahlindustrie des 19. Jahrhunderts, der Türme von Wirtschafts- und Energie-Unternehmen von heute dieser besondere Turm als Zeichen einer neuen kultur- und wissenschaftsorientierten Gesellschaft. Auch die Fassadentextur des Turmes in ähnlicher Materialität wie der alte Speicher, aber anderer Oberflächenstruktur, überzeugt den Beirat mit einem Raster kleiner Fenster .

Doch kein Lob ohne Kritik: Der Beirat für Stadtgestaltung hat kein Verständnis dafür, dass ein solches Wettbewerbsverfahren mit renommierten und zum Teil internationalen Büros nicht veröffentlicht wurde. Auch wenn der Wettbewerb formal unabhängig vom Investor KölblKruse, jedoch in enger Kooperation mit dem Land NRW und der Stadt Duisburg durchgeführt wurde, sei es – so BEST – unabdingbar, dem Bürger sämtliche Wettbewerbsarbeiten in einer öffentlich zugänglichen Ausstellung zu präsentieren.

(RP)