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Duisburg: Ein turbulentes Jahr mit Baby

Duisburg : Ein turbulentes Jahr mit Baby

Melanie und Daniel Cretnik haben Anfang des Jahres ihr erstes Kind bekommen. Seitdem hat sich das Leben komplett geändert.

Mit leuchtenden Augen guckt Eva ihre Mutter Melanie an, die gerade versucht, einen weiteren Löffel Haferbrei in den kleinen Mund ihrer Tochter zu bugsieren. Eva lacht, sie ist ein glückliches und vor allem gesundes Kleinkind von elf Monaten. Dass sie einmal so unbeschwert am Tisch sitzen würden, war keineswegs von Anfang an klar. Eva war ein Frühchen, die Schwangerschaft von Beginn an eine risikobehaftete. Das Mädchen selbst weiß in ihrem jungen Alter noch nichts von den Strapazen, die hinter ihr und vor allem hinter ihren Eltern liegen. Melanie und ihr Mann Daniel allerdings blicken zurück auf ein aufregendes Jahr, das so ganz anders war als alles, was sie bisher kannten.

Am 7. Februar hatten Melanie und Daniel endlich die Gewissheit: Eva lebt und ist gesund. Mit 1,8 Kilo kam die Kleine zur Welt. Und als sie gleich anfing, selbstständig zu schreien und zu atmen, konnten auch ihre Eltern aufatmen. "Erst als sie gekommen ist, war klar, dass alles gut geht", sagt Melanie. Nachdem die 27-Jährige gleich zu Beginn ihrer Schwangerschaft erfuhr, dass sie eine Gebährmutterhalsschwäche hat und somit eine Risikoschwangerschaft haben werde, durfte sie die komplette Zeit bis zur Geburt nur im Bett verbringen. "Das hatten wir uns doch etwas anders vorgestellt", sagen die beiden und schmunzeln. Auch für Daniel begann zu diesem Zeitpunkt eine stressige Zeit. Er musste nicht nur arbeiten, sondern auch noch die Vorbereitungen fürs Baby alleine treffen, Melanie: "Also mit Babysachen einkaufen gehen war da nicht viel. Ich konnte höchstens im Internet gucken und ihm dann die Auftragsliste geben."

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Mit Evas Geburt trat zwar eine gewisse Erleichterung ein, die Angst aber blieb. "Vor dem, was jetzt noch kommen könnte", sagt die junge Mutter. Tief saßen die Erlebnisse der vergangenen Monate. Was vor allem Daniel half, war das Wissen, dass es noch schlimmer hätte kommen können. "Wenn man sein eigenes Schicksal betrachtet, ist es immer schrecklich, wir kamen aber um das Schlimmste herum, das hat geholfen", sagt der 36-Jährige. Hier treffe das Motto "Geteiltes Leid ist halbes Leid" zu - und halbes Leid sei eben einfacher zu ertragen.

Allen Schwierigkeiten zum Trotz überwiegt aber die Freude über das neue Familienmitglied, das das Leben auf wunderbare Weise verändert hat. "Man freut sich über jeden Fortschritt, jedes Lächeln, oder darüber, dass sie mittlerweile durch die Wohnung robbt", sagt Melanie und fügt hinzu: "Es ist so schön, mit ihr zu kuscheln und zu sehen, dass man gebraucht wird." Die junge Mutter hat sich schnell - von Anfang an, wie sie sagt - in ihre neue Rolle als Mutter eingefunden, Daniel muss sich erst noch ans Vater sein gewöhnen: "Es ist manchmal noch sehr surreal, dass man plötzlich eine andere Art von Verantwortung trägt", sagt er. Er selbst würde jetzt anders auf sich aufpassen, das fange schon beim Fahrstil an. Dass er einfach rausgehen und mit Freunden "einen trinken" gehen kann, vermisse er schon ein bisschen. Das Leben habe sich komplett geändert. Melanie bemerkt, dass sie seit der Geburt ihre Pünktlichkeit eingebüßt hat. "Dabei habe ich immer größten Wert darauf gelegt. Aber es dauert jetzt einfach alles länger", sagt sie und lacht.

Sie hingegen empfindet Zeit, in der sie zum Fußball geht oder sich mit Freunden trifft, als bewusster. "Ich schaffe mir einfach diese Zeit, das habe ich vorher nicht getan." Und auch wenn der Schlafmangel groß ist und das Loch in der Kasse noch größer, blicken die beiden zufrieden und glücklich auf das Jahr zurück und in die Zukunft. Alles dreht sich jetzt um das noch junge Familienglück. Wie kann aus der Tochter ein guter, glücklicher und gesunder Mensch werden, wie können Werte vermittelt werden, wie Familiensinn und Dankbarkeit? Das sind die Fragen, die sie beschäftigen und dem Leben einen ganz neuen Inhalt geben.

(RP)