Duisburg: Ein Streifzug durch die Jahrzehnte

Duisburg : Ein Streifzug durch die Jahrzehnte

Die Verbraucherzentrale in Duisburg feiert in diesem Monat ihren 40. Geburtstag. Leiterin Marina Steiner hat die Redaktion zu einem Streifzug durch die Geschichte und Themen der Beratungsstelle eingeladen.

70er Jahre

Wie funktioniert eine Wasch- und Spülmaschine?

Der Startschuss fällt im Februar 1975 an der Claubergstraße 32. Erste Leiterin ist Marina Steiners Vorgängerin Hedwig Gesterkamp, später Kersken, die 35 Jahre lang an der Spitze der Beratungsstelle steht. Die 70er Jahre sind geprägt durch das Thema Konsum. "Da ging es um Hilfe für Produktentscheidungen, um Fragen, wie eine Waschmaschine funktioniert, oder das effektive Einsortieren einer Spülmaschine - Beratung vor Ort inklusive", erzählt Steiner mit einem Schmunzeln.

Damals wie heute aktuell: Haustürgeschäfte. Statt zu Telefon- und Stromverträgen gibt es Beschwerden zum Verkauf von Lexika, Heilmitteln, Babyartikeln. "Das war zu dieser Zeit gar nicht so einfach, dagegen vorzugehen, denn es gab noch nicht die Möglichkeit zum Widerruf", so Steiner. "Das Gesetz dazu trat erst 1986 in Kraft."

Eines ist ihr in diesem Zusammenhang wichtig: "Es hält sich bis heute das Gerücht, dass man aus jedem Vertrag aussteigen kann", sagt die Leiterin. "Das stimmt aber nicht. Wenn ich aktiv, also bewusst, in ein Geschäft gehe und zum Beispiel einen Mobilfunkvertrag unterschreibe, habe ich kein Widerrufsrecht. Bei Haustürgeschäften ist das anders, weil der Überraschungseffekt hinzukommt und der Gesetzgeber den Verbraucher deshalb in diesen Situationen besonders schützen will."

80er Jahre

Wucherzinsen und erste Rechtsberatungen

In den 80ern erhält die Zentrale die Rechtsberatungsbefugnis, kann Kunden bei Streitfällen vertreten. Vorher durfte nur geschlichtet werden. Die Nachfrage steigt auf fast 20 000 Ratsuchende. In den Folgejahren geht die Beratungsstelle mit Hilfe von Anwälten erfolgreich gegen sittenwidrige Kreditverträge von Teilzeitbanken vor. "Es gab zahlreiche Beschwerden wegen Wucherzinsen", so Steiner. Später wird ein Arbeitskreis von Schuldner- und Kreditberatungsstellen initiiert.

90er Jahre

Mikrowellen und Beginn des Internetzeitalters

Die Mikrowelle ist der Hit. Mit oder ohne Drehteller? Was ist mit der Strahlenbelastung? Fragen, die die Verbraucher bewegen. Die Beratungsstelle führt extra eine Telefonaktion durch. 1993 ist sie vom Aus bedroht. Der Bund zieht sich immer mehr aus der Finanzierung zurück. Das Land will 50 Prozent der Kosten übernehmen, wenn die Kommune für den Rest gerade steht. Die ziert sich zunächst. 12 000 Unterschriften werden gesammelt. Die Geschäftsstelle bleibt, nimmt ab Februar 1994 aber Geld für die Beratungen, die sich Ende der 90er durch die Öffnung der Märkte immer stärker um Handy und Internet drehen.

2000er Jahre

Ärger mit 0190-Nummern und der Finanzkrise

BSE und Preiserhöhungen durch Einführung des Euro sind die Themen in den Anfangsjahren - gefolgt von der Bekämpfung des Missbrauchs von 0190er- und 0900er-Nummern: Viele fangen sich einen so genannten Dialer auf ihrem PC ein und beschweren sich über teils horrende Telefonrechnungen. 2008 suchen etliche Verbraucher Hilfe, die im Zuge der Finanzmarktkrise etwa durch Lehmann-Papiere viel Geld verloren haben.

2010er Jahre

Stromanbieter-Wechsel und Handy-Abzocke

Sie sind bis heute geprägt durch zwei große Themen: Telekommunikation und Energie. Probleme beim Anbieterwechsel oder Abzocke bei Mobilfunkverträgen beschäftigen die Beratungsstelle, die 2014 mit insgesamt 13 229 Anfragen und Kontakten bei zwei Planstellen maximal ausgelastet ist.

(RP)
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