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Duisburg: Ein Plädoyer für die Abgewiesenen

Duisburg : Ein Plädoyer für die Abgewiesenen

Ministerpräsidentin Hannelore Kraft war Gastrednerin bei der HKM-Barbarafeier. Diese befasste sich vor allem mit den Fremden, die bei uns eine neue Heimat suchen und keine Herberge finden.

Ein Altar aus drei Stahlbrammen, die zusammen fast 20 Tonnen wiegen, eine eindrucksvoll in Szene gesetzte Industriekulisse, eine Predigt und Lesungen, die unter die Haut gehen — bei HKM stand am Sonntagabend die Feier des Barbaratages an. Dass Arbeit und Glaube gut zusammenpassen, bewies der ökumenische Gottesdienst in der Werkshalle der Hüttenwerke.

Die Veranstaltung, die vor allem unter den Bürgern des Duisburger Südens sehr beliebt ist, jährte sich zum neunten Mal. Unter dem Motto "Macht hoch Tor 1" feierten die HKM-Mitarbeiter, der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt, die Katholische Arbeitnehmerbewegung und die Bewohner des Duisburger Südens zusammen den besonders gestalteten Gottesdienst. Der Barbaratag bietet sich als gute Gelegenheit zur gemeinsamen Besinnung an. Die Heilige Barbara ist Schutzpatronin für die Beschäftigten in vielen Branchen, allen voran für die Bergleute. Ihr Einsatz für andere und ihr starker Glaube kosteten sie das Leben. "Doch dass das Wort Barbara ursprünglich aus dem Griechischen stammt und die Fremde bedeutet, war wahrscheinlich noch nicht vielen bewusst", betonte Hannelore Kraft, NRW-Ministerpräsidentin, die mit ihren Worten an das Gewissen appellierte. Ihre Predigt "Raum in der Herberge" handelte von fremden, abgewiesenen, misshandelten und fliehenden Menschen. Sozialpolitische Themen, die besonders die Menschen im Ruhrgebiet bewegen. "Für viele von uns ist es Realität, zu wissen, wo unser Raum in der Herberge ist", so Kraft. "Doch viel zu viele Menschen klopfen an fremde Herbergen und werden abgewiesen. Kein Platz in der Herberge — wie es auch viele Menschen in Duisburg zu spüren bekommen."

Mit ihren ausdrucksstarken Worten bewegte die Ministerpräsidentin die knapp 1000 Besucher zutiefst. "Ich bin von dieser Predigt begeistert. Sie hat das ausgesprochen, was uns bewegt", sagte Marianna Plas. "Sie hat nicht versucht, die Situation zu entschärfen, sie hat an unser Gewissen appelliert und uns vor Augen geführt, wie gut es uns geht. Wir müssen Gott dankbar sein."

Hannelore Kraft zitierte die Worte des Papstes Franziskus: "Wir verpflichten uns, niemanden auszugrenzen, gar als Müll oder Abfall zu bezeichnen" und betonte "dass jeder Mensch einen Platz in der Herberge verdient hat."

Die Ministerpräsidentin erntete für ihre direkten Worte viel Applaus.

(kha)