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Duisburg: Ein Garten voller Symbolik

Duisburg : Ein Garten voller Symbolik

Die Evangelische Gemeinde Rumeln-Kaldenhausen unterhält den zweitältesten Bibelgarten Deutschlands (nach Hamburg). 36 Pflanzenarten, die im Heiligen Land heimisch sind, befinden sich hier. Ein Rundgang mit Pfarrer Andreas Stötzel, der im Jahr 2006 die Pflege übernahm.

Pfarrer Andreas Stötzel ist in seinem Element, als er uns über das rund 400 Quadratmeter große Areal hinter dem Kaldenhausener Gemeindezentrum am Bremweg, Ecke Ulmenstraße führt. Er übernahm 2006 die Pflege für den Bibelgarten der Evangelischen Gemeinde Rumeln-Kaldenhausen. Seit jenem Jahr gehört Stötzel auch dem Netzwerk der Bibelgärtner an. Eine Woche im Jahr reist er durch die Bibelgärten der Republik, sieht sich alles genau an und macht Fotos. Auch im eigenen Garten fotografiert er. Ein Heft mit Beschreibungen und Fotografien hat er 2007 zusammengestellt.

Mittlerweile hat sich Stötzel ein umfassendes Fachwissen angeeignet. Mehr als 2600 Pflanzenarten gedeihten in Israel, erzählt er, obwohl die Hälfte des Landes aus Wüste bestehe. Die Bibel erwähne 110 Pflanzennamen. Diese bezögen sich auf etwa 127 verschiedene Arten, weil damals häufig ein Oberbegriff für verschiedene Pflanzen verwendet worden sei. Darunter seien Bäume, Sträucher, Feld-, Garten- und Wüstenpflanzen sowie essbare Pflanzen, Zier- und Heilpflanzen, färbende Pflanzen und solche, die im religiösen Brauchtum Verwendung fanden.

"Mit viel ehrenamtlichem Engagement wurde dieser Biblische Garten im Sommer 1987 angelegt", erzählt Stötzel. 36 Pflanzenarten, die im Heiligen Land heimisch sind, befinden sich im Kaldenhausener Bibelgarten, der frei zugänglich ist. Bei 26 von ihnen lässt sich ein biblisch-religiöser Bezug herstellen. Weitere zehn Pflanzenarten sind ein Hinweis auf die reichhaltige Flora des Heiligen Landes. Dazu kommen Raritäten wie die Mispel, die nicht aus Israel stammt, sondern von den Römern nach Mitteleuropa gebracht wurde und damals ein beliebtes Obst darstellte.

Im Sommer 1987 angelegt

"Einige der biblischen Pflanzen können wir in Deutschland nicht anbauen", erklärt Stötzel. Beispielsweise ersetzen im Bibelgarten in Rumeln-Kaldenhausen Steinlinde, Duftblüte und Fontanesie als Substiturate den in der Bibel erwähnten Ölbaum.

Der Garten ist voller Symbolik. Ein Teich steht als "Quelle des Lebens" für den Ursprung allen Seins und erzählt mit Schilf, Rohrkolben, Flechtbinse und Papyrus die Geschichte des Mose. Eine "Sitzschnecke", die die Form einer Spirale andeutet, gehört zum Zentrum des Biblischen Gartens. "Sie ist ein Gleichnis für den Lebensweg, der sich auf ein Ziel zubewegt", so Pfarrer Stötzel.

Am Boden des Gartens befindet sich ein Pentagramm, das schon für Kritik gesorgt hat. Der fünfzackige Stern ist in vielen Kulturen verbreitet und im Lauf der Geschichte mit sehr unterschiedlichen Bedeutungen belegt worden. Im Judentum erinnerte er an die fünf Bücher Mose und war Zeichen der göttlichen Wahrheit. Im Christentum galt er bis ins hohe Mittelalter als Heilszeichen, weil er an die fünf Wunden Jesu erinnerte, denen das Heil der Welt entströmt. "Auf den Kopf gestellt gilt er in der okkulten Szene als Teufelssymbol", erklärt Stötzel. "Aber wir haben uns trotz Kritik dazu entschieden, das Pentagramm da zu lassen. So können wir den Konfirmanden erklären, was es damit auf sich hat."

Seit kurzem ist auch ein so genannter "Geocache" auf dem Gelände versteckt. Die elektronische Schatzsuche mit GPS-Daten, die derzeit groß in Mode ist, wird dem Garten wohl künftig noch in paar zusätzliche Besucher bescheren. Es gibt zudem einen Kasten mit Erklärungen zur Bedeutung der Pflanzen. Ein Besuch auf eigene Faust lohnt sich also.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der Bibelgarten in Rumeln-Kaldenhausen

(son)