Duisburg: Ein ganzes Berufsleben für den Stahl

Duisburg : Ein ganzes Berufsleben für den Stahl

Die Hüttenwerke Krupp Mannesmann verabschieden 100 Mitarbeiter in den Ruhestand. Die meisten sind sich einig: "Ich bereue keinen einzigen Tag auf der Hütte."

Ein ganzes Berufsleben lang Stahl. Tage, Wochen, Monate, Jahre, Jahrzehnte HKM: Dieser Abschied ist bestimmt kein leichter, für 100 Mitarbeiter der Hüttenwerke Krupp Mannesmann. Sie alle hatten ihren letzten Arbeitstag, allerdings schon im vergangenen Jahr. Jetzt wurden sie ganz offiziell während einer feierlichen Veranstaltung in den Ruhestand entlassen.

Lydia Laflör ist wie ihre HKM-Kollegen an diesem Nachmittag in die Hüttenschenke gekommen, um zu gehen - eben in den Ruhestand. Genau wie Harold Fröhlich und Horst Scholz. Doch die Drei, die seit mehreren Jahrzehnten immer nur die Hüttenwerke Krupp Mannesmann als ihren Arbeitgeber nannten, kennen sich nicht. Wie auch, bei rund 3000 Mitarbeitern, die derzeit bei HKM ihren Dienst leisten? Sie haben immer an anderen Stellen im Unternehmen gearbeitet: Harold Fröhlich, Elektriker, 66 Jahre alt, macht seit 51 Jahren in Stahl, 30 Jahre Kokerei liegen hinter ihm. Dort hat es ihm besonders gut gefallen, dort hat er sich am wohlsten gefühlt.

Horst Scholz, Schlosser in der Brammenanlage, erzählt mit Stolz seine Arbeitsgeschichte: 25 Jahre lang Stahl in Rheinhausen, seit dem 1. Februar 1990 war er in Hüttenheim, war einer der ersten Mitarbeiter der neu gegründeten Hüttenwerke Krupp Mannesmann GmbH. 4300 Mitarbeiter waren es damals, vier Millionen Tonnen Stahl sollten sie produzieren.

Mit dem Produkt "Stahl" an sich hatte Lydia Laflör eher selten zu tun als kaufmännische Angestellte im Betriebsrat, gelernte Bürokauffrau auf der Hütte. Die 60-Jährige ging vorzeitig in Rente und trotzdem nach 43 Dienstjahren. Für sie sind es "geschenkte Jahre". Schließlich sieht sie sich jetzt als "Dauerurlauberin" und nicht zu vergessen als Oma. Das große Loch, in das man fällt, nach dem Ende einer Arbeitszeit, es kam für sie nicht.

Harold Fröhlich und Horst Scholz erging es ganz ähnlich. Sie freuen sich auf den Nachmittag im Kreise ihrer Kollegen, sie freuen sich über die persönliche Verabschiedung, sie freuen sich aber auch über ein erfülltes Berufsleben, eben ein ganzes Berufsleben lang Stahl. Lydia Laflör spricht aus, was viele ihrer Kollegen ebenfalls denken: "Ich bereue keinen einzigen Tag auf der Hütte."

(RP)
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