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Duisburg: Ein Duisburger in der Stadt der Träume

Duisburg : Ein Duisburger in der Stadt der Träume

Stefan Nachmann kommt aus Duisburg, aber lebt seit einem Jahr in New York. Um seinen großen Traum vom Filmemachen zu verwirklichen, hat der 21-Jährige seine Heimat verlassen.

Es ist 20 Uhr abends in Duisburg, als Stefan Nachmann in New York gerade zu Mittag gegessen hat. Der 21-jährige Duisburger ist vor einem Jahr nach New York gezogen, um dort Film und Fernsehen zu studieren. Heute liegen 6000 Kilometer zwischen ihm und der Ruhrgebietsmetropole.

Schon bei der ersten Frage muss Nachmann lachen. Er erzählt, dass er Duisburg schon immer gemocht hat: "Aber wenn man nur noch zwei Mal im Jahr zu Hause ist, lernt man die Stadt vielmehr wertzuschätzen", sagt er. Für ihn sei das schönste die "typische Pottmentalität" der Leute. Sein Lieblingsort sei ganz klar der Dellplatz mit seinen vielen Kneipen. Hier habe er, bevor er nach Amerika gegangen sei, gearbeitet. Immer wenn er in seinen Semesterferien dorthin zurückkehren würde, würden ihn die Kneipenbesitzer und -mitarbeiter noch erkennen. Und dass man sich so gut kenne, das gebe es im großen New York nicht.

Nachmann erlebt, dass New York sich von Duisburg in vielerlei Hinsicht unterscheidet. "Die Möglichkeiten für Film sind hier einfach besser. Man kann viele Kontakte herstellen, und es werden sogar Student Oscars verliehen. Amerika ist vom Filmgebiet her einfach viel weiter als Europa", erklärt er. Deswegen wollte er nach dem Abitur auch unbedingt in Los Angeles oder New York studieren. Aber die Großstadt sei nicht das typische Amerika, in dem sich die Nachbarn gut kennen. Dafür sei die Stadt viel zu stressig. Er habe mittlerweile seine Rückzugsorte gefunden. Er schwärmt: "Ich habe mir hier meine eigene, kleine Subkultur aufgebaut. Hier gibt es eine deutsche Kneipe, ,Zum Schneider', da bin ich gerne", sagt er. Die New Yorker würden sich aber gar nicht so sehr von den Ruhrpottlern unterscheiden: "Sie sind hier genau so offen, herzlich und ehrlich wie in Duisburg", erklärt er "nur, dass New York viel internationaler, größer und schneller ist".

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New York wird oft als "Die Stadt der Träume" bezeichnet. Aber was ist der Traum des jungen Duisburgers? "Das ist eine große Frage", sagt Nachmann, nachdem er einige Sekunden nachgedacht hat. Er findet, es sei bei jeder Kunst schwierig, sie zum Beruf zu machen. Aber sein Traum sei dennoch, irgendwann von seiner Filmerei leben zu können: "Ich möchte die Projekte machen können, auf die ich Lust habe. Nicht die, die ich wegen des Geldes machen muss", erklärt er. Dann lacht er. "Und eine eigene deutsche Kneipe in New York, das wünsche ich mir!"

Wer Träume hat, hat auch ein Lebensmotto und Vorbilder. Nachmann erzählt, dass es für ihn am wichtigsten sei, das Vertrauen in sich selbst zu haben. "Alles, was im Leben passiert, ist für etwas gut. Und wenn es nicht gleich sinnvoll erscheint, die Dinge werden sich irgendwann zu einen großen Ganzen fügen", sagt er. Sein Vorbild sei Olli Schulz. Dafür hat er auch eine ganz simple Erklärung: "Weil ich das Gefühl habe, er hat immer das gemacht, was er richtig fand. Und alles hat sich am Ende gefügt und er ist zufrieden."

Seine ersten Schritte im Showgeschäft hat Nachmann in Duisburg gemacht. Er hat jahrelang im Jugendclub "Spieltrieb" im Duisburger Stadttheater gespielt. "Es ist schön gewesen, mit Leuten zusammen zu arbeiten, die die gleichen Interessen haben", sagt er. Seine Theaterfreunde haben ihm auch bei dem Dreh für seinen Bewerbungsfilm geholfen, den er an der Uni in New York einreichen musste. Dieser wurde auf einem amerikanischen Filmfestival als "best cinematography" ausgezeichnet. Momentan arbeitet er an sechs Projekten mit. Über eines freut er sich besonders, denn der Film handle über deutsche Charaktere in New York, die untereinander sogar deutsch reden: "Das wird dann später mit einem englischen Untertitel unterlegt", erklärt der Duisburger. Auch die Schauspieler seien Deutsche und die Crew habe deutsche Wurzeln.

Seine Heimat sieht Nachmann nach wie vor in Duisburg und nicht in New York. "Wenn ich hier Deutsche treffe, bin ich stolz zu sagen, dass ich aus Duisburch komme. Nicht aus Duisburg", sagt der Student für Film und Fernsehen.

(RP)