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Duisburg: Ein bald 30 Jahre altes "dickes Dingen"

Duisburg : Ein bald 30 Jahre altes "dickes Dingen"

Im April feiert das renovierte Lehrerhaus in Friemersheim seinen 30. Geburtstag. Wir haben das Jubiläum zu einer Besichtigung mit Günter Pfeiffer und Uwe Victor vom Freundeskreis lebendige Grafschaft genutzt.

Wir befinden uns gerade in der Lehrer-Küche. Der große stämmige, antike Herd, Marke Küppersbusch, fällt sofort ins Auge. "Das ist der VW unter den Herden", adelt Uwe Victor das Schätzchen. Und noch eine Besonderheit ist ein Blickfang. Enorm groß und vor allem lang, dunkel, rund. "Günter, dat wollte ich dich immer schon mal fragen. Wat is dat dicke Dingen hier?", fragt Victor mit sympathischem niederrheinischen Akzent. Günter Pfeiffer kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen und antwortet trocken: "Das ist eine Zervelatwurst!" Der Fragesteller staunt. Und lacht.

Es war eine sehr amüsante Besichtigungstour durch das Friemersheimer Lehrerhaus. Pfeiffer (Vorsitzender) und Victor (Geschäftsführer) aus dem Vorstand des Freundeskreises lebendige Grafschaft waren ebenso kompetente wie amüsante Museumsführer. Das Duo kennt sich seit Kindesbeinen und ist ein eingespieltes Team. All die gemeinsamen Jahre schweißen natürlich zusammen.

Die Führung beginnt in der "Guten Stube", wo die Schüler früher anfangs unterrichtet wurden. Ein toller Raum. Es riecht historisch und alt, aber wohlgemerkt nicht muffig. Zwei lebensgroße Puppen präsentieren die typischen Grafschafter Trachten aus der Vergangenheit. "Es wurde für Freud und für Leid immer schwarz getragen", erklärt Pfeiffer. Sie trägt eine "Schwatte Kapp", er einen Schappo-Klapp-Zylinder. In einem Schrank steht Geschirr aus dem 19. Jahrhundert. Ein ganz feines Relikt ist auch dabei. Eine Tonschale aus der Römerzeit, die 1987 beim Garagenbau gefunden wurde. "Terra Sigillata" heißt das gute Stück, das sehr edel ausschaut. "Das ist unser ganzer Stolz", sagt der Vorsitzende.

Weiter geht's in das Schlafzimmer, die "Schlopkammer". Ein fantastisches Bett füllt einen Großteil des Raumes ein. Große Kissen und Decken, eine weiße, flauschige Bettwäsche. Das lädt förmlich zum Probeliegen ein.

"Das ist aber nur 1,90 Meter lang", schildert Uwe Victor. Bei seiner Größe wäre das schwierig. Für die Kleineren unter uns hingegen kein Problem. Aber es soll verständlicherweise nichts angefasst werden. Auch nicht die große Truhe, in der früher die Wertgegenstände aufbewahrt wurden.

In der Waschkammer hat das neue Jahrtausend, wie im gesamten Lehrerhaus, noch nicht begonnen. Das "Design" verlangt einem ein Lächeln ab. Diverses Getreide (Roggen, Dinkel, Weizen) sowie eine Heugabel stehen auch bereit. Günter Pfeiffer lässt es sich nicht nehmen, auch auf das ungewöhnliche Waschbrett hinzuweisen: "Herkömmliche Bretter waren aus Zink, dieses hier ist aber aus Glas. Ein Novum der besonderen Art." Es sollte wohl die Fingernägel der Damen schonen.

Beim Gang in das Schulzimmer bleiben Besucher automatisch an dem Ofen stehen, den der Verein 1999 zufällig bei Bauarbeiten entdeckt hat. Alte Löschblätter haben sie damals drin gefunden. Die originale Ofenklappe lässt sich leider nicht öffnen. Pfeiffer: "Sonst hat man sie direkt in der Hand."

Der schönste Raum ist das Schulzimmer, da besteht kein Zweifel. Hier wurde unterrichtet, als die Kapazitäten der "Guten Stube" nicht mehr ausreichten. Alte Bänke und Tische, Schiefertafeln, Feder und Tinte, eine schönes Glöckchen — herrlich! Friedrich Wilhelm grüßt von der Wand. Die älteren Generationen werden sich unmittelbar in ihre Kindheit zurückversetzt fühlen. So wie Victor und Pfeiffer. Die beiden Friemersheimer Urgesteine schnappen sich einen Kartenstock und zeigen den Rheinverlauf auf einer nicht mehr ganz so aktuellen Karte nach. Sie machen als Lehrer eine gute Figur. Besonders schön sind die Schätze, die sich in einer Vitrine befinden. Auf dem Stundenplan standen Fächer wie Schreiben, Französisch und Zoologie. Das Abgangszeugnis war auch goldig. Ein kleiner Auszug: "Sein Betragen war gut, sein Fleiß im Verhältnis zu seinen Anlagen nicht ausreichend."

Das Lehrerhaus hat unzählige Geschichten zu erzählen. Ein Besuch lohnt sich allemal. Und zur Erinnerung: "Dat dicke Dingen" ist eine Zervelatwurst.

(RP)