Eichenprozessionsspinner in Duisburg: Kritik am Hubschraubereinsatz

Eichenprozessionsspinner : Kritik am Hubschraubereinsatz in Duisburg

Naturschützer kritisieren die Wirtschaftsbetriebe für den Luftkampf gegen die Raupen des Eichenprozessionsspinners. Das Biozid tötet mehr Tiere, als es soll, sagen sie.

Hubschrauber gegen Raupe – das ist ein ungleicher Kampf. Allerdings war der Hubschrauber nur einer und seine Gegner deutlich in der Überzahl: Ungezählte Raupen des Eichenprozessionsspinners hat ein Hubschrauber über dem Ehinger Friedhof und dem Waldfriedhof mit einem Biozid bekämpft. Von Naturschützern kommt Kritik an diesem Vorgehen. Sie sorgen sich um Vögel und Schmetterlinge. Denn der Stoff tötet nicht nur die Raupen des Eichenprozessionsspinners.

Bacillus thuringiensis heißt der Wirkstoff, den der Hubschrauber am Mittwoch vergangener Woche über den beiden Friedhöfen versprüht hat. Wenn die Raupen sich über damit besprühte Blätter hermachen, durchlöchert der Stoff kurze Zeit später ihre Darmwand, und sie sterben. Nur: Es sterben nicht nur die Raupen, vor deren Haaren die Wirtschaftsbetriebe die Friedhofsbesucher schützen wollen, weil sie giftig sind und allergische Reaktionen auslösen können.

„Das wirkt auf alle Schmetterlingsraupen“, sagt Jürgen Hinke, der Vorsitzende des NABU-Stadtverbands Duisburg. Und noch mehr: „Es ist nicht klar, ob das nur auf Schmetterlingsraupen wirkt. Das ist nicht so selektiv, wie es immer dargestellt wird“, sagt der Naturschützer. Seine Befürchtung: Es könnte auf alle Insektenarten wirken, auch auf Käfer und Hautflügler – also das ganze Buffet, von dem sich insektenfressende Vogelarten ernähren.

Vögel haben ohnehin ein ganz anderes Problem mit dem Hubschraubereinsatz. Das Biozid gegen die Raupen schadet ihnen zwar nicht – der Einsatz gegen den Eichenprozessionsspinner führt aber auch bei ihnen zu Kollateralschäden. „Brutvögel werden bei der Brut gestört“, sagt Dr. Johannes Meßer, Vorsitzender des Beirats der Unteren Landschaftsbehörde (ULB). Der Hubschrauber kreise teilweise nur wenige Meter über den Baumkronen, dadurch würden Vögel wie Buchfink und Singdrossel, die in den Wipfeln nisten, von ihren Nestern verscheucht. Selbst wenn sie später zurückkehren, könnte es zu spät sein: „Wenn die Eier ein Grad zu kalt werden, sind sie tot.“ Dennoch brüteten die Vögel oft noch bis zu einer Woche lang weiter, bevor sie merken, dass keine Küken schlüpfen werden. Unter Umständen legen sie dann erst im nächsten Jahr wieder Eier.

Den Wirtschaftsbetrieben ist nicht bekannt, ob das Biozid nur den Eichenprozessionsspinner betrifft oder auch andere Arten. Sprecherin Silke Kersken erklärt, warum sich die Wirtschaftsbetriebe in diesem Jahr erstmals für die Bekämpfung per Hubschrauber entschieden haben: „Von den circa 6000 Bäumen, die auf dem Waldfriedhof stehen, sind circa 1000 Eichen.“ Die Anzahl der befallenen Bäume sei hoch, die Nester hoch gelegen. Sie betont, dass neben dem Waldfriedhof nur auf dem Ehinger Friedhof der Hubschrauber im Einsatz war. „Alle weiteren Stellen werden manuell bespritzt.“

Geht es nach den Naturschützern, wäre die manuelle Bekämpfung auch auf den beiden Friedhöfen das Mittel der Wahl. Dass der Mensch vor den giftigen Haaren der Raupen geschützt werden muss, räumen sie ein. „Da, wo Menschen sind, ist eine Bekämpfung sinnvoll“, sagt Hinke. Er glaubt aber, dass auch bei dem Hektar Fläche, die der Hubschrauber beackert hat, eine Bekämpfung von Hand möglich gewesen wäre. „Die Bakterien töten zwar die Raupen, aber die Haare fallen auf den Boden.“ Von dort könnten sie dem Menschen immer noch gefährlich werden. Besser sei es, die Bäume abzusuchen und die Nester des Eichenprozessionsspinners gezielt abzuflämmen. Also: Bekämpfung ja – „aber nicht aus der Luft.“

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