Duisburg: Ehrenmord ist keine Frage der Ehre

Duisburg : Ehrenmord ist keine Frage der Ehre

Zwangsheirat oder Ehrenmorde innerhalb der türkisch-arabischstämmigen Gesellschaft sind vieldiskutierte Themen. Beim Projekt "Heroes" sollen junge Männer aus diesem Kulturkreis lernen, dass es auch anders geht.

Zwangsheirat, männliche Bevormundung und sogar der berüchtigte Ehrenmord sind immer wieder diskutierte Probleme einer türkisch-arabischstämmigen Parallelgesellschaft. Das neue Projekt "Heroes" des Jugendhilfeträgers "Jungs e.V." nimmt sich in Zusammenarbeit mit dem städtischen Jugendamt diesem für viele völlig unverständlichem Männerbild an, das derartige Exzesse ermöglicht.

Die Initiative richtet sich im ersten Schritt an Gruppen junger Männer aus Ehrenkulturen, die in ihrem Alltag und in ihrer Gesellschaft Veränderungen erreichen wollen. Unter Leitung erfahrener Gruppenleiter, die ebenfalls diesem kulturell geprägten Umfeld entstammen, sollen die jungen Männer sich in einem Trainingsseminar mit Themen wie Gleichberechtigung, Ehre und Menschenrechten auseinandersetzen. Außerdem soll im Rahmen dieses Projektes ein auf Rollenspielen basierender Workshop erarbeitet werden, mit dem die Absolventen im zweiten Schritt als gleichaltrige Vorbilder ihr Wissen an andere Jugendliche weitergeben sollen.

"Ziel des Kurses ist es, jungen Menschen aus einem von männlichen Ehrvorstellungen dominierten Umfeld die Möglichkeit zu bieten, sich von den alten Strukturen zu lösen, um sich im Endeffekt dann frei entfalten zu können", meint Susanne Lohaus, Projektleiterin und Verantwortliche für "Heroes". "Wir wollen auch nicht als Initiative gegen irgendwelche Kulturen, Religionen oder Werte verstanden werden. Im Gegenteil: Wir stehen für Transparenz, Dialog und Zusammenarbeit."

Vorbild für diesen außergewöhnlichen Plan von Jugendamt und "Jungs e.V" ist das gleichnamige Berliner Pilotprojekt. In Berlin-Neukölln läuft die Initiative seit 2007 äußerst erfolgreich. Der türkische Theaterpädagoge Yilmaz Atmaca und der palästinensische Psychologe Ahmad Mansour trafen sich ein bis zweimal in der Woche mit ihren 16 bis 21 Jahre alten Schützlingen. Nach kurzer Zeit und einigen fruchtbaren Diskussionen zu den genannten Themen begannen die Teilnehmer, eigene Lösungsansätze und Fallbeispiele zu entwickeln.

Heute präsentieren sie ihre Ergebnisse in Workshops an Schulen und Jugendtreffpunkten des Problemviertels und helfen somit anderen Jugendlichen, sich von den Fesseln ihres Ehrbegriffs zu lösen.

(RP)
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