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Dusiburg: Salzgitter-Konzern baut Wasserstofflabor auf HKM-Gelände

Hightech in Hüttenheim : Salzgitter-Konzern baut Wasserstofflabor auf dem HKM-Werksgelände

Der Salzgitter-Konzern errichtet ein Wasserstofflabor (“H2SteeLab“)auf dem Werksgelände von HKM in Hüttenheim. Dort soll erforscht werden, wie Stahl auf Wasserstoff reagiert, was insbesondere für Wasserstoffleitungen in Rohren von Bedeutung ist.

Der Standort hat Tradition: Bereits seit 1934 forscht der Vorgänger der heutigen Salzgitter Mannesmann Forschung (SZMF) in Hüttenheim. Nun freuen sich die rund 140 Mitarbeiter schon auf ein neues Labor, das den Namen „H2SteeLab“ erhalten soll.

Hinter diesem Wortungetüm verbergen sich drei Schlüsselbegriffe: H2 steht für Wasserstoff, das englische steel für Stahl und das Lab ist die Kurzform für laboratory, also Labor.

In dem 150 Quadratmeter großen Hightech-Forschungslabor soll getestet und geprüft werden, wie sich Stahl verhält, wenn er mit Wasserstoff konfrontiert wird – und das auch noch unter extremen Bedingungen wie zum Beispiel hohem Druck von bis zu 400 bar.

 Hier soll das Labor entstehen. Bei der Vorstellung warenauch Andree Haack, Benedikt Ritterbach, Sören Link und Beate Lieske (von rechts) dabei.
Hier soll das Labor entstehen. Bei der Vorstellung warenauch Andree Haack, Benedikt Ritterbach, Sören Link und Beate Lieske (von rechts) dabei. Foto: Mike Michel

Das ist von großer Bedeutung für den Transport von Wasserstoff, der als Schlüssel zur Transformation einer klimaneutralen Industrie gilt, vor allem in der Stahlproduktion. SZMF-Geschäftsführer Benedikt Ritterbach und Hauptabteilungsleiterin Juliane Menz stellten am Mittwoch mit ihrem Team das Vorhaben vor. Oberbürgermeister Sören Link, Wirtschaftsdezernent Andree Haack und Bezirksbürgermeisterin Beate Lieske waren voll des Lobes über die zukunftsweisende Technik.

 Hightech in schlichtem Gewand: So soll das neue Forschungslabor auf dem Gelände von HKM einmal aussehen.
Hightech in schlichtem Gewand: So soll das neue Forschungslabor auf dem Gelände von HKM einmal aussehen. Foto: Mike Michel
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Salzgitter investiert 2,33 Millionen Euro in das Labor, das bereits im Sommer 2023 in Betrieb gehen soll. Partner sind dabei unter anderem auch Bosch, Siemens energy, das Fraunhofer Institut und RWE.

Der Salzgitter-Konzern ist Spezialist für die Produktion von Rohren. Die Palette, so Ritterbach, reiche dabei von kleinen Röhrchen bis hin zu Pipeline-Rohren mit einer Wandstärke von 34 Millimetern, die so großem Druck standhalten, dass sie tiefseetauglich sind.

Geprüft werden die Rohre vom SZMF auch heute schon – nun geht man den nächsten Schritt und will auch den Einfluss von Wasserstoff auf den Stahl prüfen. Das macht das Labor nicht nur für den eigenen Konzern, sondern auch für Fremdfirmen. Und wegen der vielen Aktivitäten rund um den Wasserstoff in Duisburg soll sich das H2SteeLab auch hier ansiedeln und nicht etwa in Salzgitter, wo das Unternehmen eine zweite Forschungseinrichtung betreibt.

Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der Sicherheit. Die bekannte Knallgasprobe als Wasserstoffnachweis zeigt, dass der Stoff nicht ganz ungefährlich ist. Er hat so kleine Atome, dass man Wasserstoff nicht in Kunststofftanks lagern kann – er würde sich mit der Zeit verflüchtigen wie Helium aus einem Luftballon.

Deshalb geht es bei der Forschung auch um die Reaktion von Wasserstoff transportierendem Stahl unter einer hohen mechanischen Belastung, unter hohem Druck oder anderen extremen Bedingungen. Das soll letztlich Aufschluss darüber geben, welcher Stahl für derartige Aufgaben am besten geeignet ist.

Matthias Frommert, SZM-Gesamtbetriebsratsvorsitzender, zeigte sich zufrieden über die Entscheidung, das Forschungslabor in Hüttenheim zu bauen. Dies sichere den Standort.

OB Sören Link verwies auf die zahlreichen Wasserstoffaktivitäten in Duisburg, angefangen vom Zentrum für Brennstoffzellentechnik (ZBT) der Universität bis hin zur Wasserstoff-Initiative HyRegion des Ruhrgebiets. „Wir werden alles tun, um die Entwicklung in diesem Bereich zu beschleunigen“, versprach das Stadtoberhaupt.

Dass die neue Technologie auch geschult Mitarbeiter braucht, liegt auf der Hand. Wirtschaftsdezernent Andree Haack zeigte sich daher erfreut darüber, dass im neuen Bildungszentrum Wasserstoff 2024 mit der Aus- und Weiterbildung begonnen werden könne. Ähnlich sieht es SMZ-Chef Ritterbach: ,Wir haben ein Forschungsnetzwerk in Deutschland, dass es so weltweit kein zweites Mal gibt. Und wenn schon, dann raufen sich andere vor Neid die Haare.“