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Duisburg: Duisburgs Radfahrer sind unzufrieden

Duisburg : Duisburgs Radfahrer sind unzufrieden

Beim aktuellen Fahrradklima-Test des ADFC bekommt die Stadt erneut nur mittelmäßige Noten. Nachholbedarf sehen Duisburgs Radfahrer etwa beim Zustand der Radwege oder bei der Führung von Radfahrern an Baustellen.

Beim aktuellen Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC), der jetzt in Berlin vorgestellt wurde, landet Duisburg erneut nur im unteren Mittelfeld: Die Stadt liegt bundesweit auf Platz 29 von 39 in der Kategorie der Städte über 200 000 Einwohner, im Landesvergleich auf Platz neun von 15. Gegenüber dem letzten Test im Jahr 2012 hat sich Duisburg nicht verbessert. Im Durchschnitt geben die Duisburger - 683 hatten diesmal an der bundesweiten Befragung teilgenommen - die Note ausreichend für die Fahrradfreundlichkeit.

Unzufrieden sind Duisburgs Radfahrer vor allem mit nicht für den Radverkehr freigegebenen Einbahnstraßen sowie dem schlechten Zustand und der mangelhaften Reinigung der Radwege. Auch bemängeln viele Teilnehmer der Umfrage, dass Radfahrer an Baustellen nicht sicher und bequem vorbeigeführt, sondern vielmehr zum Absteigen und Schieben gezwungen werden. Viele äußerten auch ihren Unmut darüber, dass Ampelanlagen nicht gut auf Radfahrer abgestimmt und Radwege häufig von Falschparkern versperrt seien. Lichtblicke gab es dagegen bei der Verfügbarkeit von Leihrädern und der Erreichbarkeit der Duisburger Innenstadt mit dem Rad.

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"Fahrradfreundlichkeit ist ein guter Gradmesser für die Lebensqualität in einer Stadt - deshalb macht es uns Sorgen, dass sich die Duisburger auf dem Rad nicht wohler fühlen", kommentiert Michael Kleine-Möllhoff, Vorstandsmitglied des ADFC in Duisburg, das Ergebnis der Umfrage. Der Fahrradklima-Test zeige für andere Städte, dass kontinuierliche Radverkehrsförderung auch honoriert werde und sich in einem guten Verkehrsklima niederschlage.

Schon mit kleineren Maßnahmen ließe sich die Situation deutlich verbessern, zum Beispiel durch für Radfahrer geöffnete Einbahnstraßen oder radfahrerfreundliche Lösungen an Baustellen. Zugeparkte Radwege könnten von der Stadt ohne Kostenaufwand geräumt werden. Gerade bei dieser Sicherheitsgefährdung sei die Stadt in der Pflicht, zu handeln.

"Wenn Duisburg will, dass mehr Menschen aufs Rad steigen und damit etwas Gutes für ihre Gesundheit und die Stadt tun, dann muss mehr getan werden, als nur von Radverkehrsförderung zu reden", fordert Kleine-Möllhoff. Der ständige Hinweis auf die leere Stadtkasse entbinde die Verwaltung zum Beispiel nicht von der Pflicht, die im Jahr 1998 geänderte Straßenverkehrsordnung endlich auch in Duisburg anzuwenden. Um die Situation in Duisburg zu verbessern, bietet er seine Hilfe an: "Der ADFC steht mit Fachwissen als Dialogpartner bereit."

Diesen Dialog gebe es ja auch, und zwar regelmäßig, sagt Georg Puhe vom Amt für Stadtentwicklung. "Wir sprechen permanent mit dem ADFC, und natürlich schauen wir uns auch die Ergebnisse des Fahrradklima-Tests genau an." Die Stadt wisse um die Schwachstellen, aber bei 450 Kilometern Radverkehrsanlagen an Straßen in Duisburg und noch einmal genau so vielen etwa in Parks oder am Rhein sei es unmöglich, alle auf einmal zu beheben. Dies könne nur nach und nach geschehen, und das sei auch der Fall. Als Beispiele nennt Puhe die Düsseldorfer Landstraße im Duisburger Süden und die Moerser Straße in Rumeln, wo im Zuge der Straßensanierung aktuell auch neue Radwege angelegt werden.

Was die Falschparker auf Radwegen angeht, so weist Puhe jegliche Kritik von sich. "Das stimmt nicht, dass wir hier zu nachsichtig sind. Ordnungsamt und Polizei sind da sehr hinterher. Doch muss man bedenken, dass wir unmöglich alle Stellen auf einmal im Blick haben können." Deshalb appelliert Puhe hier auch an die Vernunft der Autofahrer, "die schnell mal eben auf dem Radweg parken".

Zu den von vielen Umfrage-Teilnehmern bemängelten Engstellen an Baustellen in der Stadt sagt Puhe: "Wir wissen das. Und wir versuchen, die Bauunternehmen für dieses Thema zu sensibilisieren", das heiße aufzuzeigen, was es für Fahrradfahrer bedeute, wenn mal eben ein Bauzaun oder ein Baustellenschild auf den Radweg geschoben werde, um mehr Platz zu schaffen. Puhe verspricht: "Auch dieses Problem ist uns bekannt. Und wir arbeiten daran."

(RP)