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Josef Krings: Duisburgs Alt-OB fuhr zweimal ohne Führerschein

Josef Krings : Duisburgs Alt-OB fuhr zweimal ohne Führerschein

Ein Unfall mit Personenschaden, eine Fahrerflucht, dann von der Polizei ohne Fahrerlaubnis erwischt: Die Verkehrssünden des früheren SPD-Vorzeige-Politikers Josef Krings sorgen für Wirbel. Der 87-Jährige räumt Fehler ein.

Alt-Oberbürgermeister Josef Krings (SPD) muss nach mehreren Verkehrsdelikten mit Konsequenzen rechnen, wie die Staatsanwaltschaft Duisburg gestern angekündigt hat. Zweimal war der 87-Jährige in diesem Jahr am Steuer seines Autos erwischt worden, weil er ohne Führerschein unterwegs war. Den hätte er auch beim besten Willen nicht vorzeigen können, denn Krings gab seinen "Lappen" im vorigen Jahr ab. Freiwillig, heißt es, weil ihm nach einer Unfallflucht eine medizinisch-psychologische Untersuchung ("MPU", spöttisch auch "Idiotentest" genannt) gedroht haben soll. Im Juni 2013 hatte der Sozialdemokrat mit seinem Wagen eine Laterne gerammt und war weitergefahren. Zuvor soll es laut Staatsanwaltschaft Duisburg bereits zu einem "wahrscheinlichen" Verkehrsunfall mit leichtem Personenschaden im Jahr 2012 gekommen sein, der laut Staatsanwaltschaft in die Rubrik "fahrlässige Körperverletzung" fallen könnte. Dass diese Fälle nicht in der Flensburger Punktedatei auftauchen, erklärte Oberstaatsanwalt Detlef Nowotsch so: "Es ist nie zu einem Verfahren gekommen. Das wurde alles gegen Zahlung einer Geldbuße eingestellt." Als Krings im Januar wegen "Fahrens ohne Fahrerlaubnis" auffiel, war ein Bußgeld in Höhe von 500 Euro verhängt worden. Krings wurde im März erneut wegen Fahrens ohne Führerschein erwischt - der damals zuständige Duisburger Staatsanwalt stellte das Verfahren jedoch "wegen Geringfügigkeit" ein.

Wegen des nachgiebigen Vorgehens gegen Krings übt Oberstaatsanwalt Detlef Nowotsch offen Kritik an seinen Kollegen. "Die Vorgeschichte wurde von dem zuständigen Kollegen hier in der Duisburger Staatsanwaltschaft schlicht übersehen", sagte Nowotsch unserer Zeitung, "da ist ihm wohl was durchgegangen." Die Duisburger Polizei verweist auf ein übliches Vorgehen. "Wir haben in allen Fällen so ermittelt, wie wir es immer tun", sagte Elke Bartels, Duisburgs Polizeipräsidentin. Welche Konsequenzen die Staatsanwaltschaft aus den ihr vorliegenden polizeilichen Unterlagen zieht, sei nicht Angelegenheit der Polizei.

Zwar habe der damals ermittelnde Staatsanwalt, den Nowotsch namentlich nicht nennen will, vor seiner Entscheidung auch nach Krings Einträgen in der Flensburger Verkehrssünderkartei und im Bundesvorstrafenregister gesucht - dort aber keine gefunden. Gesucht hat er aber nicht im internen Archiv der Duisburger Staatsanwaltschaft, "was in solchen Fällen eigentlich üblich und auch sehr ratsam ist", so Nowotsch. Laut dem Oberstaatsanwalt finden sich dort die Einträge zu den drei Fällen aus 2012, 2013 und Januar 2014. "Wenn mein Kollege diese Informationen gehabt hätte, wäre Herr Krings vermutlich nicht so glimpflich davon gekommen. Er sah in Herrn Krings einen unbescholtenen Bürger, der reich an Lebensjahren ist und Milde verdient", sagt Nowotsch.

Auf die Frage, ob andere Verkehrssünder ähnlich milde behandelt würden, erklärt Nowotsch: "Das kommt immer auf die Umstände im Einzelfall an. Jeder einzelne Fall hätte für Herrn Krings auch unangenehmer enden können." Einen Promibonus gibt es laut Staatsanwaltschaft nicht. Es sei durchaus üblich, beim ersten Mal von "Fahren ohne Fahrerlaubnis" das Verfahren gegen Zahlung einzustellen. Im Wiederholungsfall werde dann härter vorgegangen. Nun aber will die Duisburger Staatsanwaltschaft den Fehler korrigieren und denkt darüber nach, "jetzt eine andere Maßregel gegen Herrn Krings zu finden".

Die Stadt Duisburg habe Krings als Alt-Oberbürgermeister und Ehrenbürger angeboten, für repräsentative Zwecke auf die Fahrbereitschaft der Stadt zurückgreifen zu dürfen, bestätigte die Stadt Duisburg gestern. Alternativ stehe es ihm anheim, für Repräsentationstermine ein Taxi zu nutzen, bei dem die Stadt die Kosten übernimmt. Herr Krings habe die Fahrbereitschaft nicht in Anspruch genommen. "Jedoch hat er im Rahmen seiner repräsentativen Tätigkeiten für die Stadt Duisburg zwischen Januar und Mai zehnmal für innerstädtische Wege ein Taxi genutzt", berichtete Stadtsprecherin Anja Kopka.

Hat jemand seine schützende Hand über Josef Krings gehalten, damit sein jüngstes Vergehen nicht weiterverfolgt wird? Die CDU-Landtagsfraktion will dieser Frage nachgehen und das Handeln der Staatsanwaltschaft beleuchten. Sie wird eine Kleine Anfrage stellen. Die Christdemokraten wissen um die persönliche Verbundenheit von Krings und Ralf Jäger. Der örtliche SPD-Parteichef und Innenminister würdigt "unseren Jupp" schließlich immer wieder öffentlich bei Reden auf Parteitagen. "Wir haben allerdings einige Fragen zu dem Handeln der Staatsanwaltschaft", sagte Rainer Enzweiler, Chef der CDU-Fraktion.

Krings teilte gestern in einer über die SPD-Geschäftsstelle verbreiteten Erklärung mit: "Glauben Sie mir: Alt werden ist nichts für Feiglinge. Dass ich ein Auto nicht mehr hinreichend sicher durch den Straßenverkehr lenken kann und dass ich völlig zu Recht den Führerschein abgeben musste, war mir eigentlich klar. Aber es ist wirklich schwer zu akzeptieren, wenn man so viele Jahre das Auto als selbstverständliches Fortbewegungsmittel genutzt hat. Ich habe mich da selbst überschätzt. Letztendlich gibt es jedoch keine Entschuldigung: Ich habe einen Fehler gemacht und das tut mir sehr leid. Wie jeder andere werde ich mich für mein Handeln verantworten und die Konsequenzen tragen."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Das ist Duisburgs Alt-OB Josef Krings

(RP)