Duisburgerin lebt seit zehn Jahren auf einem Kreuzfahrtschiff

Zweite Heimat gefunden : Duisburgerin lebt seit zehn Jahren auf einem Kreuzfahrtschiff

Seit zehn Jahren lebt und arbeitet Dagmar Bock auf einem Kreuzfahrtschiff. Weil sie an Land keine Arbeit fand, wagte sie den Schritt und reist seither um die Welt – Duisburg hat sie dabei immer im Herzen.

Dagmar Bock hat schon die ganze Welt gesehen. Doch nicht als Urlauberin: Ihr Job führt die Duisburgerin an die schönsten Orte dieser Erde. Die 60-Jährige arbeitet auf einem Kreuzfahrtschiff. Als sie vor zehn Jahren vor den Trümmern ihrer Existenz stand, wagte die Duisburgerin einen Neuanfang und heuert auf einem Schiff an. „Wieder Fuß zu fassen ist unglaublich schwierig“, erinnert sich Dagmar Bock. Vor etwa zehn Jahren rutschte das Software-Unternehmen ihres Mannes in die Insolvenz. Viele Jahre hatte sie im Hintergrund die Büroarbeit geregelt. Von jetzt auf gleich musste das Familienleben aber neu geordnet werden. „Ich habe 200 Bewerbungen geschrieben.“ Doch es hagelte nur Absagen.

Bei der Suche nach einer neuen Aufgabe blieb sie an einer Anzeige eines Kreuzfahrtanbieters hängen. Die Bord-Boutique suchte Mitarbeiter. Die damals 51-Jährige bewarb sich und erhielt zwei Tage später einen Anruf: „Ist das Ihr Ernst?“ – Ja, das war es. „Eine Woche später war ich auf dem Schiff“.

Von Beginn an wusste Dagmar Bock: „Das wird ‘ne harte Nummer. Aber jetzt nehme ich das Ruder in die Hand.“ Getrennt von ihrem Mann, den sie im Alter von 17 Jahren kennenlernet hatte, weit weg vom Heimathafen Duisburg und dem Rest der Familie, ist sie über Monate auf sich gestellt. Zunächst sogar in einer Zweier-Koje. Doch schon ihre Jungfernfahrt begrub die anfänglichen Bedenken: Mit der „Mein Schiff“ ging es hoch bis ans Nordkap. Den nördlichsten Punkt Europas hatte sie bereits mit ihrem Mann erkundet – per Auto im alten Käfer nach dem Abitur. Die beeindruckende Landschaft Norwegens, die sie einst vom Land aus bewunderte, sieht sie nun von der Seeseite aus.

Vier Monate lebt die Duisburgerin im Schnitt am Bord des Schiffes. Dann geht es für acht Wochen auf Heimaturlaub. „Duisburg ist und bleibt meins“, schwärmt die 60-Jährige. Den Schritt, sich einzuschiffen hat sie nie bereut. Der Beziehung zu ihrem Mann hat es gut getan: „Ich habe immer was zu erzählen.“ Jeden Sonntag telefoniert sie mit ihrem Lebensgefährten. Aktuell ist das nicht notwendig: Dagmar Bock ist auf Heimaturlaub in Duisburg. Das nächste Mal wird sie aber erst im Januar wiederkehren. Wichtige Familienfeste wie Weihnachten verbringt sie getrennt von der Familie auf hoher See. „Das ist natürlich blöd.“

Die Beziehung und die räumliche Trennung wurden vor zwei Jahren auf die Probe gestellt: Ihr Ehemann erlitt einen Schlaganfall. Zu der Zeit war sie in Duisburg und trotzdem hilflos. Auch wenn sie weiß, dass sie Zuhause nun noch stärker gebraucht wird: „Aber irgendwoher muss das Geld ja kommen.“ Einen Neustart mit 60 in Duisburg – das traut sie sich nicht. In fünf Jahren möchte sie ihre Kabine an Bord zurücklassen. „Auf die Zeit, die dann kommt, freue ich mich wie Hulle.“

(ja)
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