Duisburger Zahnarzt Manhardt Barthelmie untersucht Kinder in Indien

Soziales Engagement : Duisburger Zahnarzt untersucht tausende Kinder in Indien

In seinem Kunstraum im Duisburger Mercatorhaus zeigt Zahnarzt Manhardt Barthelmie eine Fotoserie über Mahatma Gandhi. Bald reist er selbst nach Indien, um tausende Kinder zu untersuchen und zu behandeln.

Der Kunstraum, den der Zahnarzt Manhardt Barthelmie in seiner Praxis im Mercatorhaus (Königstraße 61) eingerichtet hat, gehört mittlerweile zu den etablierten Ausstellungsstätten in Duisburg. Zu den eindrucksvollsten Ausstellungen, die dort in den vergangenen Jahren zu sehen waren, gehörte eine Serie der Fotokünstlerin und Dozentin Anja Bohnhof. „India“ hieß die vor genau zwei Jahren eröffnete Schau. Anja Bohnhof zeigte zum einen die in unseren Augen kuriosen Buchläden, die sie in Kalkutta fotografiert hatte. Zum anderen porträtierte sie Tagelöhner aus Indien, die unglaubliche Lasten mit Fahrrädern oder Karren gegen ein kleines Handgeld transportieren. In unserer Kritik hieß es damals anerkennend: Anja Bohnhof hat von diesen Menschen keine Schnappschüsse gemacht; vielmehr hat sie die Lastenträger, die von der Gesellschaft wenig Anerkennung bekommen, in würdevollen Einzelporträts aufgenommen.

In der Ausstellung, die am Samstag, 18. Januar, 17 Uhr, im Kunstraum eröffnet wird, zeigt Anja Bohnhof eine Fotoserie, die gewissermaßen Geschichte nachzeichnet: Sie hat in 78 Aufnahmen Wirkungsstätten, die für Mahatma Gandhi (1869–1948) eine besondere Bedeutung hatten, aufgesucht und auf eine Weise dokumentiert, die höchsten Ansprüchen genügt. Fünf Jahre lang hat Anja Bohnhof an dieser Serie gearbeitet. Sie hat dabei Orte in Indien, Bangladesch, Südafrika und Großbritannien aufgesucht. Bisweilen waren Orte dabei, die öffentlich nicht zugänglich waren und die sie manchmal nur noch erheblichen Auseinandersetzungen mit Behörden oder privaten Einrichtungen aufsuchen durfte. Barthelmie zeigt in seiner Schau 35 dieser aus 78 Arbeiten bestehenden Schau, die hier in Duisburg ihre dritte Station hat und dann international weiterreist.

Die Motive, die zu sehen sind, spiegeln Schlaglichter aus Gandhis bewegten Leben wider. Natürlich ist Gandhis Geburtshaus in Pordbandar dabei; es fehlt aber auch nicht der OP-Raum im Sassoon Hospital in Pune, wo Gandhi am Blinddarm operiert wurde. Bei dieser Operation kam es zu Komplikationen; Gandhi wäre fast gestorben. Nur dank ihrer großen Hartnäckigkeit konnte Anja Bohnhof hier eine Fotogenehmigung bekommen.

Manhardt Barthelmie vor einem der Fotos von Anja Bohnhof. Die Gandhi-Ausstellung ist in seinem Kunstraum im Mercatorhaus zu sehen. Foto: Peter Klucken

Manhardt Barthelmie zeigt nicht ohne Grund zum zweiten Mal eine „indische Fotoserie“ von Anja Bohnhof. Seit dem Jahr 2007 reist Barthelmie häufig nach Indien, um bedürftige indischer Kinder zahnärztlich zu untersuchen und gegebenenfalls zu behandeln. Am 22. Februar wird Barthelmie sich wieder auf den Weg nach Südindien machen, um dort in den kommenden zwei Wochen 1000 bis 1200 Kinder zahnärztlch zu untersuchen und gegebenenfalls zu behandeln. Wohnen wird er dort in einem Heim, dass die Kindernothilfe in einem ehemaligen Polio-Krankenhaus errichtet hatte. Dieses Haus hatte Barthelmie bereits vor vier Jahren kennengelernt. Er hatte die dort lebenden 50 Kinder behandelt, Kinder mit und ohne Behinderung. „Hier wird Inklusion ganz selbstverständlich gelebt“, berichtet Barthelmie. Dem Haus hatte Barthelmie auf eigene Kosten einen neuen Anstrich geschenkt. Nun freut er sich aufs Wiedersehen mit einigen Kindern, die dort noch bis zu ihrem 18. Lebensjahr leben dürfen sowie den Betreuern und den Lehrern. Mit den indischen Menschen habe er bislang immer nur positive Erfahrungen gemacht – sowohl mit den Kindern als auch den Erwachsenen, berichtet Barthelmie.

Barthelmie gehört einer Gruppe von zurzeit 35 deutschen Zahnärzten an, die ehrenamtlich indische Kinder in ihren Urlauben zahnärztlich untersuchen und wenn nötig behandeln. German Dentist Carehood International (GDCI) heißt ihre Organisation, die eng mit der Kindernothilfe zusammenarbeitet. Die GDCI-Ärzte kennen sich mittlerweile untereinander, treffen sich mindestens einmal im Jahr, um ihre indischen Erfahrungen auszutauschen. Jeder von ihnen fährt für mindesten zwei Wochen jährlich nach Indien, um in Schulen und Heimen die Zähne tausender Kinder zu untersuchen und zu behandeln.

Erwachsene behandeln die deutschen Zahnärzte übrigens nicht, da das sonst böses Blut mit den indischen Kollegen geben würde, denen man die Arbeit wegnehmen würde, sagt Barthelmie. Er und seine Kollegen beschränken sich auf Kinder, die sonst nie einen Zahnarzt zu Gesicht bekommen würden.

Bei seinen Reisen nach Indien nimmt Barthelmie immer zahnärztliche Gerätschaften mit, die in Indien kaum zu bekommen sind und die in der indischen Zahnartzpraxis, die von den GDCI-Ärzten eingerichtet wurde, nachgefragt werden. Um diese Zahnarzt-Instrumente kaufen zu können, sammeln die Zahnärzte Spenden oder fragen ihre Patienten, ob sie entnommene Goldfüllungen für den guten Zweck verkaufen dürfen.

Und wie steht es um die Zahngesundheit der indischen Kinder? Die sei vergleichbar mit der Zahngesundheit deutscher Kinder, sagt Barthelmie. Die indischen Kinder hätten manchmal zwar noch nicht einmal eine Zahnbürste, aber die einfache Ernährung komme der Zahngesundheit durchaus zugute. Die indische Quote entspreche der deutschen: Von 1000 untersuchten Kindern müssten erfahrungsgemäß rund 250 zahnärztlich behandelt werden. Bei den Erwachsenen sehe es schlechter aus: „Da sieht man in lauter zahnlose Münder“, berichtet Barthelmie. Der Grund ist klar: Die Krankenkassen zahlen keine Zahnbehandlungen.