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Duisburg: Duisburger Seiten als hohe Fotokunst

Duisburg : Duisburger Seiten als hohe Fotokunst

Der renommierte Architekturfotograf Max Schulz zeigt ab Samstag in der Kulturkirche Liebfrauen großformatige Bilder aus Duisburg, die Charme und Probleme der Stadt, vor allem aber ihre großen Möglichkeiten zeigen.

Viele Jahre war Max Schulz (Jahrgang 1956) als Architekturfotograf unterwegs. Er arbeitet für große Firmen, immer wieder aber auch aus eigenen Antrieben rein künstlerisch. Vor sechs Jahren entschloss er sich, seine künstlerischen Motive nicht mehr in der Ferne, sondern in der Nähe zu suchen: Das heißt für Schulz: im Ruhrgebiet. Sein Langzeitprojekt hat er überschrieben mit "StandderDinge". Mit Mülheim fing er an. Jetzt stellt er den "Stand der Dinge" für Duisburg vor. Am Samstag, 26. Mai, 17.30 Uhr, wird die entsprechende Ausstellung in der Kulturkirche Liebfrauen eröffnet. Max Schulz wird selber sein Ausstellungskonzept und seinen druckfrischen Fotoband "StandderDinge Duisburg" vorstellen, der im Selbstverlag in kleiner Auflage gedruckt wurde und, vom Fotokünstler signiert, für 58 Euro angeboten wird.

 Die Königbrauerei in Beeck hat in Duisburg Tradition; Max Schulz nimmt die Architektur der Gebäude in den Blick.
Die Königbrauerei in Beeck hat in Duisburg Tradition; Max Schulz nimmt die Architektur der Gebäude in den Blick. Foto: max schulz

Max Schulz hat beruflich fast die ganze Welt bereist, sein Lebensmittelpunkt war jedoch stets diese Region. In Mülheim, wo er noch heute lebt, wurde er geboren, in Duisburg ging er zur Schule, und an der Folkwang-Hochschule in Essen studierte er. Drei Jahre lang hat Schulz an seinem Duisburger Projekt gearbeitet. Aus rund 500 Aufnahmen wählte er für seinen Bildband rund 100 aus, 30 großformatige Fotografien (meist ein Meter mal 1,60 Meter) sind jetzt in der Liebfrauenkirche (König-Heinrich-Platz 3, gegenüber dem Stadttheater) ausgestellt.

 Bisweilen wählt Max Schulz ungewöhnliche Blickwinkel. Hier fotografiert er ein Detail des jüdischen Gemeindezentrums so, dass die Aufnahme einen grafischen Charakter bekommt.
Bisweilen wählt Max Schulz ungewöhnliche Blickwinkel. Hier fotografiert er ein Detail des jüdischen Gemeindezentrums so, dass die Aufnahme einen grafischen Charakter bekommt. Foto: Max Schulz
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Schulz möchte mehr als nur die Licht- und Schattenseiten Duisburgs zeigen. Ihm geht es vor allem darum, das große Potenzial, das in der Stadt nicht immer erkennbar sei, aufzuspüren. Da muss man bisweilen genau hinschauen: Ein Haus, das man für eine Schrottimmobilie halten könnte, besitzt ein neu gedecktes Dach. Im Hintergrund sieht man Gartengrundstücke mit intakten Siedlerhäusern. Man kann ahnen, dass es in einigen Jahren dort viel schöner aussehen wird. Und genau das möchte Schulz andeuten. Er sagt: "Ich verspreche mir, im Gegensatz vieler meiner Freunde und Bekannten, eine tolle Zukunft von dieser Region, und kann die oft depressive Grundhaltung zum Ruhrgebiet nicht immer nachvollziehen, habe es zwar selbst solcherart erfahren, bin aber zu anderen Schlüssen gekommen."

Als Fotokünstler fühle er sich vor allem dem magischen Realismus verbunden. Bisweilen wirken seine Fotos fast "zu schön für Duisburg", doch versichert Schulz, dass er keine seiner Aufnahmen technisch nachgebessert habe: Der Sonnenuntergang mit den herbstlich gefärbten Wolken hinter der Industriekulisse sei wirklich so malerisch, und die aufgesprühten Farben an einem Brückenpfeiler springen wirklich so stark ins Auge, wie sie jetzt erscheinen.

Zwischen Neumühl und Serm habe er eine große Vielfalt an Motiven gefunden, wobei er besonders die "Großflächigkeit" der Stadt liebe. Da bieten sich Panorama-Ansichten ebenso an wie Detailaufnahmen von Gebäuden, die, wie beispielsweise beim jüdischen Gemeindezentrum, auf einer Fotografie wie eine Grafik wirken können.

An der Fotografie reize ihn selber die Verbindung von Dokumentation und Freiheit der künstlerischen Gestaltung. Nicht zuletzt kommt beim Langzeitprojekt "StandderDinge" noch der historische Aspekt hinzu. So manche Ansicht wird man in einigen Jahren so nicht mehr in Duisburg finden können. Max Schulz hofft, dass es auch einen Wandel zum Guten geben kann.

Ausstellung in der Liebfrauenkirche bis zum 17. Juni; geöffnet dienstags bis sonntags, jeweils von 13 bis 18 Uhr.

(pk)