Duisburger Geschichte und Geschichten : Die Historie der Körperkunst

Tattoos sind so alt wie die menschliche Kultur und erleben einen Boom. In Duisburg gibt es mehr als 20 Studios.

In Duisburg sind Tattoos längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Etwa ein Fünftel der jungen Erwachsenen zeigt selbstbewusst Tattoos. Die Körperkunst ist weiter auf dem Vormarsch – im letzten Sommer deutlich zu beobachten.

Die Geschichte der Tattoos ist so alt wie die menschliche Kultur. Verblüfft stellt man fest, dass es in adeligen Kreisen im 19. Jahrhundert eine Modeerscheinung war, sich tätowieren zu lassen. So trug Kaiserin Sissi einen gestochenen Anker im Nacken.  Es gibt zwei markante historische Entdeckungen über die Herkunft der Tattoos: Mit „Ötzi“ fanden Forscher in den Alpen den Beweis, dass Menschen sich vor 5200 Jahren mit Farbe die Haut markiert haben. Aber erst die Zeit der Entdeckungen brachte die Tattoo-Kunst wieder nach Europa. Vor 250 Jahren war es der berühmte britische Seefahrer und Entdecker James Cook, der den Begriff „Tattoo“ mit dem tätowierten Tahitianer Omai in die Alte Welt zurück brachte.

Tätowierungen lassen sich weltweit  in allen Kulturen nachweisen und hatten meist rituelle Bedeutung. Das Stammesmotiv „Tribal“ diente weniger als Körperschmuck, sondern spiegelte Gruppenzugehörigkeit und Status wider. In Japan erlebte die kunstvoll aufwendige Tätowierung parallel zur Entwicklung der farbigen Holzschnitte im achtzehnten Jahrhundert eine Blütezeit. Heute gelten sie in Japan als verpönt, weil die Massemedien suggerieren, dass sich nur Yakuza, Mitglieder des organisierten Verbrechens, tätowieren lassen. Die Polarisierung zwischen Ablehnung und Faszination wurde dadurch erst recht befördert. Was oft vergessen wird: Noch bis ins 19. Jahrhundert hinein wurde jeder einzelne Bildpunkt ohne elektrische Tätowiermaschine gestochen. Das war langwierig und schmerzhaft. Mit der Patentierung der „Tattoo-Gun“ im Jahr 1891 durch Samuel O’Reilly in New York gelang der Durchbruch.

Das Tragen von Tattoos wurde in Deutschland lange eher Randgruppen wie Seeleuten, Söldnern und Strafgefangenen zugeordnet. Ein Klischee. In einer Hafenstadt wie Duisburg tauchten Tätowierungen frühzeitiger auf als auf dem Land. Aber die Gruppe der Tattoo-Fans blieb klein und wurde oft mit dem Motorrad und Rockermilieu in Verbindung gebracht. Später entdeckten die Jugendszenen die Tätowierung als Zeichen der Rebellion. Das Tattoo-Styling diente der Abgrenzung und sollte zeigen, mit welcher Gruppe man sich identifiziert.

Doch aus einer Subkultur wurde ein Mainstream. In den 90er Jahren kam dann das despektierlich genannte „Arschgeweih-Tattoo“ über dem Po vor allem bei Frauen groß in Mode. Manche bedauern diese „Jugendsünde“. Inzwischen sind Tattoos in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Insbesondere der Frauenanteil  wächst. Der Kundenkreis der Studios reicht von der Physiotherapeutin bis zur Lehrerin. Gern soll es etwas mit tieferer Bedeutung sein - liegt doch die wahre Schönheit der Blume im Verborgenen.

 In Zeiten der Globalisierung wurden durch weltweite Kontakte und Kulturtransfer neue Stilformen und Techniken kreiert. Segelschiffe, Anker und Totenschädel sind eher „Old School“. Entscheidend für die aufkommenden Stilvarianten waren die Verbreitung durch das Internet und der Kulturtransfer innerhalb der Hotspots der Tattoo-Szenen. Bei Tattoos gibt es genauso Wellen und Trends wie bei der Mode. Fantasy, Porträt, Comic, Tiere, Blumen oder Pictogramm-Style-Tattoos sind populär wie nie zuvor. So erfreuen sich zunehmend japanische Motive großer Beliebtheit. Es gibt etablierte Stars in der internationalen Szene - Insider nennen fast ehrfürchtig die Namen der Meister wie Horiyoshi III, Leo Zulueta oder den Italiener Mo Copoletta. Aber auch kreative und stilbildende Jungstars drängen nach vorn – der Frauenanteil im männerdominierten Tattoo-Business wächst stetig.

In Duisburg gibt es mehr als 20 Tattoo-Studios. Die Vielfalt der Bildmotive kann der Interessent zum Teil im Internet bewundern. Mit den Einstichen unter die Haut entstehen großflächige Bilder, die oft zwölf Stunden Arbeit erfordern. Zeit und Geduld sind wichtig, wenn man anspruchsvolle Kunstwerke auf der Haut verewigen will. Die Preise liegen bei einigen hundert Euro; nach oben ist die Skala offen. Echte Körperkunst hat eben ihren Preis.

Mehr von RP ONLINE