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Duisburger Geschichten und Geschichte: Die Macht der Karten

Duisburger Geschichten und Geschichte : Die Macht der Karten

Kartographische Darstellungen waren seit jeher wichtig für Politik, Wirtschaft und Militär. Bis heute werden sie manipuliert und beeinflussen unser Weltbild.

Duisburg ist Mercatorstadt. Da liegt es nahe, sich mit der Macht der Karten zu befassen. Sie zeigen etwas oder lassen etwas weg. „Das humanistische Interesse an der Erneuerung und Vervollständigung des europäischen Weltbildes war nur eine Facette der aufstrebenden Kartographie“, sagt Andrea Gropp, stellvertretende Leiterin des Stadtmuseums.

Karten sollten einerseits die Seefahrt sicherer machen, aber mindestens ebenso bedeutsam waren Karten und Globen als Repräsentationsinstrument, um imperiale Ansprüche und Grenzziehungen anzumelden. Die Strategie, Einflusssphären über Karten festzulegen, hat eine lange Tradition. 

Karten waren und sind ein ideales Medium, um Herrschaftsansprüche zu visualisieren. Das galt für Grenzen, aber insbesondere für neue oder unbekannte Gebiete. Man denke nur an den Vertrag von Tordesillas aus dem Jahr 1494, der die Welt zwischen Spanien und Portugal aufteilte. Damals wurden die Grenzziehungen in spanischen und portugiesischen Karten bereits unterschiedlich interpretiert. 

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In den folgenden Jahrhunderten wurden von unterschiedlichen Machthabern Karten „als Propaganda- und Beglaubigungsinstrument“ genutzt. Karten aus der Kolonialzeit bestätigen die eurozentrische Wirkung auf das Raumbewusstsein des Betrachters. Im 20. Jahrhundert waren die Karten des ungarischen Kartographen Alexander (Sándor) Radós von Beginn an ein Mittel für eine umfassende Sowjetisierungspoiltik. Auch in der NS-Zeit zeigten Globen und Karten imperiale Projektionen von Macht und Ambitionen.

Die betreibt aktuell auch China. Die Regierung und ihre Administration diktieren der Welt mit interessengeleiteten Karten ihre Ansprüche. Sei es Taiwan oder Bodenschätze im Südchinesischen Meer. Die Arktispolitik der Großmächte und dem damit verbundenen Kampf um Bodenschätze führt zu unterschiedlich dargestellten Grenzverläufen in den Karten.

Die alten See- und Weltkarten waren stets den Mächtigen vorbehalten. Mit Karten ließen sich Kontinente erobern und Kriege gewinnen.  Sie wurden kopiert, retuschiert, verfälscht, gestohlen und gerade in Kriegszeiten streng geheim gehalten.  

Und wie sieht es heute aus? Flugzeuge, Kameras, Computer und Satelliten gehören zu den wesentlichen Hilfsmitteln der Kartographen. Aufnahmen von Objekten, die dank Google Maps hochauflösende Einblicke vermitteln, begeistern Menschen, die sich zuvor nie für Kartographie interessiert haben. Sicherheitsexperten befürchten dagegen den Missbrauch der Nahaufnahmen geheimer Militärbasen oder Kernkraftwerken. Auch die exakte Ortung in Echtzeit ist heute kein Problem. Aber auch hier bestehen Manipulationsmöglichkeiten mit Hilfe von GPS-Spoofing (Täuschung, Fälschung).

Die Geheimhaltung und Verfälschung von Geodaten sind keineswegs eine Erfindung des digitalen Zeitalters. Während einst Karten gefälscht wurden, um Schiffe und Flugzeuge vom Kurs abzubringen, so sind es heute satellitengesteuerten Navigationssysteme, die manipuliert werden, um den Kapitän eines Schiffes oder Flugzeugs in die Irre zu führen.

Was verbindet traditionelle Karten und Globen mit der satellitengestützten Kartographie? Beide beeinflussen unsere Wahrnehmung und sind gleichzeitig unentbehrlich für die Zielerreichung. So wird der eigene GPS-Standort schnell zum Mittelpunkt der Welt: Denn Navigationsgeräte faszinieren selbst Kartenmuffel.

Quellen: Duisburger Stadtmuseum,
Mercatorschatzkammer; Elisabeth
Müller, Kartenmanipulation-Karten(ver)fälschung; Ute Schneider, Die Macht
der Karten. Eine Geschichte der Kartographie vom Mittelalter bis heute; Astrid Küntzel, Heimatbewusstsein und Planspiele, Duisburger Forschungen, Band 61.