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Duisburger Geschichten und Geschichte: Der Weg zum heutigen Arbeitsschutz

Duisburger Geschichten und Geschichte : Wenn Arbeit krank macht

Von der Knochenarbeit im alten Duisburg und den Schattenseiten der Industrialisierung. Der Weg zum heutigen Arbeitsschutz war lang, politisch und rechtlich umstritten.

Romantisch war die Arbeit in früheren Zeiten nicht. Handwerkliche Arbeit im alten Duisburg war vielfach Knochenarbeit. Die Arbeitsumgebung der Abdecker, Färber, Gerber, Lederer, Lumpensammler war gesundheitsgefährdend. Das galt auch für Berufe wie Schmiede, Glasbläser, Glasmacher, Köhler, Kalker, Gießer und Vergolder. Hohe Unfall- und Krankheitsrisiken trugen Bergarbeiter, Flößer und Schiffer.  Blei, Quecksilber und schädliche Einflüsse, wie Hitze, Feuchtigkeit, Staub machten der arbeitenden Bevölkerung das Leben schwer.

Im Mittelalter waren die arbeitsmedizinischen Kenntnisse aus früheren Zeiten in Vergessenheit geraten. Erst Mediziner wie Paracelsus (1493-1451) und Agricola (1451-1555) interessierten sich wieder für den Einfluss der Arbeit auf die Gesundheit und widmeten sich insbesondere den Erkrankungen der Bergarbeiter. Als Pionier der Arbeitsmedizin galt Bernardino Ramazzini.  Der italienische Arzt verfasste im Jahr 1700 die erste umfassende Darstellung „Von den Krankheiten der Künstler und Handwerker“, die auf Schmutz, Staub, Wasserarbeit oder Feuer zurückzuführen waren. Ramazzini beobachtete zudem, dass eine Vielzahl von Krankheiten häufig durch falsche Körperhaltung und -bewegungen verursacht wurden.

Mit der Industrialisierung stieg der Bedarf an billigen Arbeitskräften.  Im alten Duisburg schufteten in den Fabriken Kinder bis zu zwölf Stunden täglich. Lungenleiden, Abmagerung, Erschöpfung, Verkrüppelungen und Hautkrankheiten waren traurige Normalität. 1839 wurde in Preußen das “Preußische Regulativ“ mit dem Verbot bzw. den Einschränkungen der Kinderarbeit erlassen. 1883 wurde von Bismarck die Krankenversicherung eingeführt, ein Jahr später das erste Unfallversicherungsgesetz und weitere fünf Jahre später die Invaliden- und Altersversicherung. Eine Ausstellung in Berlin zeigte Möglichkeiten zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen und zum Arbeitsschutz auf. Ende des 19. Jahrhunderts hatte es politische Initiativen der Sozialdemokratie gegeben, Berufskrankheiten wie Unfälle nach dem Unfallversicherungsgesetz (1884) zu entschädigen. Aber mit Blick auf die zu erwartenden Kosten war diesem sozialdemokratischen Vorstoß kein Erfolg beschieden.

Erst in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts etablierte sich die Arbeitsmedizin als ein eigenständiges medizinisches Fachgebiet. Die „Verordnung über die Ausdehnung der Unfallversicherung auf gewerbliche Berufskrankheiten trat 1925 in Kraft. Damit fand ein langes Tauziehen um mögliche Entschädigungen im Falle von beruflich verursachten Erkrankungen ein vorläufiges Ende. Bestimmte Krankheiten als beruflich bedingt anzuerkennen und unter bestimmten Umständen zu entschädigen war damit der Auftakt für weitere gesetzliche Verbesserungen.

Die Prävention berufsbedingter Atemwegserkrankungen, insbesondere durch Asbest, Quarz- und Kohlengrubenstaub gehört heute zum Standardrepertoire der Arbeitsmediziner. Zu den häufigsten Berufskrankheiten zählen Lärmschwerhörigkeit, Hauterkrankungen, Allergien und Infektionskrankheiten. Psychische Krankheitsbilder deuten andererseits auf Arbeitsverdichtung und Stresszunahme hin. Rückenbeschwerden treffen heute nicht nur Bauarbeiter oder Stahlbauschlosser, sondern auch Büromenschen. Gleichzeitig bewegt sich der Arbeitsschutz auf einem hohen Niveau und die Versorgung von Rehabilitanden zum Beispiel im Duisburger BG Klinikum gilt als vorbildlich. Gleichwohl führen die rechtlichen Verfahren zur Anerkennung von Berufskrankheiten zu Unmut bei vielen Betroffenen. Der Weg vom Anfangsverdacht bis zur Berufsunfähigkeitsrente ist lang – und es ist oft nicht sicher, ob er auch zum Ziel führt. Forschungen über die Auswirkungen von Schadstoffen wie Glyphosat und veränderte Belastungen führen dazu, dass die Liste der Berufskrankheiten regelmäßig ergänzt und erneuert wird.