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Duisburger Geschichten und Geschichte: Das Duisburger Indianerbild

Duisburger Geschichten und Geschichte : Das Duisburger Indianerbild

Die Auslöschung der indianischen Kultur wurde vor 130 Jahren als „Buffalo-Bill Wild-West-Show“ inszeniert. Dagegen versuchte der Fotograf Curtis, die untergehende indianische Kultur in Bildern zu bewahren.

Büffeljäger, Armeescout, Showtalent – Buffalo Bill (1846-1917) war ein geschäftstüchtiger Pionier des modernen Showbusiness - in Amerika wie in Europa berühmt. Vor 130 Jahren verstand die Showtruppe das Publikum zu faszinieren.  Buffalo Bill brachte den Wilden Westen nach Europa. Atemberaubende Schießereien und wilde Reiterszenen gehörten zum Programm, mit dem er das schillernde Bild des Wilden Westens prägte, wie wir ihn heute kennen – oder zu kennen glauben.

Ein Besuch des Duisburger Stadtarchivs zeigt, dass Buffalo Bill, sein richtiger Name war William F. Cody, mit seiner berühmten Showtruppe in unsere damals 60.000 Einwohner zählende Stadt kam. Das war im Mai 1891. Auf dem Gelände am Alten Bahnhof wurde das Lager der Wild-West-Truppe errichtet. „Postkutschen rasten durch die Arena, verfolgt von einer Meute berittener Indianer“, heißt es in einem Zeitzeugenbericht. Die Rolle der Indianer bei den fiktiven Gefechten mit Trappern war klar definiert: Sie waren die bösen Wilden und Angreifer. Für Buffalo Bill war dagegen die Rolle des Retters in der Not reserviert. Die wilden indianischen Reiter mit den grellbemalten Gesichtern und ihr schrilles Kriegsgeschrei fesselten die Duisburger Zuschauer. Hauptmotiv der Shows war der Sieg der „Weißen“ über die Indianer, die natürlich gegenüber dem Zivilisationsmittel der Flinte stets den Kürzeren ziehen.“

Aufschlussreich ist ein Interview, dass der damalige Berichterstatter mit dem 45jährigen Buffalo Bill führte. Nicht nur das Gewinnstreben allein sei sein Ziel, so der ausgebuffte Geschäftsmann Cody: „Unsere Tour ist eine kulturhistorische Mission“. Dann lud Cody den Duisburger Reporter zu einer Besichtigung des Zeltlagers der „Rothäute“ ein. Dem fiel auf, dass die indianischen Führer selbstbewusste und charismatische Züge aufwiesen. 

Plakat zur Curtis-Fotoausstellung Foto: KSM

Buffalo Bill präsentierte sich bei dem Rundgang als wohlwollender Indianerfreund : „Der 5jährige Junge hier ist der einzige Überlebende seines Stammes – in der ,Battle of Wounded Knee’ fielen alle, er allein blieb vier Tage lang, dem Hunger und der Kälte ausgesetzt, am Leben. Die meisten Indianer hier sind bedeutende, kühne Krieger – ich erwirkte bei der Regierung ihre Freiheit, indem ich für ihr gutes Betragen garantierte. So sind sie hier“, heißt es.

Unerwähnt blieb, dass weiße Soldaten wenige Monate zuvor in Wounded Knee Hunderte Sioux niedermetzelten und ohne Gnade auf Frauen, Kinder, Flüchtende schossen. Der Zeitungsreporter ging nur am Rande auf diese Tragödie ein. Mit unverhohlenem Rassismus schrieb er: „Der jüngste Indianerkrieg hat die Rothäute abermals dezimiert und in wenigen Jahrzehnten werden sie ebenso wie die Büffel von der Erde verschwunden sein.“

In diesem Punkt irrte er sich. Tatsächlich lebten die Indianer im fernen Amerika ihrer Würde beraubt in Reservaten.  Die brutale Auslöschung der indianischen Kultur wurde systematisch umgedeutet. Buffalo Bill wurde schon zu Lebzeiten als Indianerfreund und späterer Bewahrer des amerikanischen Bisons verehrt. Denn obwohl in seiner Show viele indianische Darsteller auftraten, dürfte ihre Rolle als Bösewichte im besten Falle eher zum folkloristischen Image der Indianer als zur Erhaltung ihrer Kultur beigetragen haben.

Ende des 19. Jahrhunderts hatte die Unterhaltungsbranche ein verfälschtes Bild indianischer Lebenswelten nach Europa getragen, das über Generationen hinweg nachwirkt.  Die Bilder changieren zwischen „edlen Wilden“, Romantik, Folklore und offenem Rassismus. Dennis Beckmann, Kurator der Fotoausstellung im Stadtmuseum: „Der Fotograf Curtis griff dabei zu dem Mittel der Inszenierung, um die Indianer mit einer Würde abzubilden, die ihnen die weißen Eroberer geraubt hatten. Das Bild ist allerdings geschönt, da es die Armut und Tristesse auf den Reservaten ausblendet“. 

Dennoch: Im Vergleich zu den Wild-West-Shows nähert sich der Fotograf  Curtis (1868-1952) bewahrend und respektvoll der indianischen Kultur. Eine neue Sichtweise lösen die Curtis Bilder beim Betrachter ganz sicher aus.