Duisburger Geschichte und Geschichten

Duisburger Geschichte und Geschichten : Entlang des siebten Längengrads

Ob Duisburg oder Kiribat, der Klimawandel ist da. Das zeigt eine virtuelle Reise, die am Mercatordenkmal startet.

Was haben Duisburg, die Schweizer Gletscher, die Sahel-Wüste, der Südseestaat Kiribati und Borkum gemeinsam? Sie alle liegen auf dem gleichen Längengrad. Eine „virtuelle Reise“ mit Google Earth zeigt extreme klimatische Unterschiede, aber auch Folgen des Klimawandels.

Wir starten unsere Reise am Mercatordenkmal vor dem Duisburger Rathaus, genau auf dem Längengrad 6,76166 O. Vom Startpunkt geht es entlang des Längengrades gen Süden in die Schweiz. Der Hitzesommer 2018 hat die Schweizer Gletscher im Kanton Bern stark schmelzen lassen. Doch so beeindruckend sie auch heute sind – ihr Ende ist absehbar. Denn durch den Klimawandel ziehen sich die Gletscher weltweit dramatisch zurück. Und auf den folgenden Etappen der Reise wird es zunächst zunehmend heißer und trockener: In der Sahel-Zone regnet es selten und immer wieder treten Dürren auf. Ob der kombinierte Effekt von Klimawandel, Änderungen in der Landnutzung und Erhöhung der CO2-Konzentration das Klima den Sahel in der Zukunft beeinflussen wird, bleibt strittig.

Nächste Etappe: Auf der Höhe von Gabun vor der Westküste Afrikas liegt die Atlantikinsel São Thomé (Längengrad: 6.733343). Die Portugiesen entdeckten die Inselgruppe São Thomé mit Principe um 1470. Die Lage war Gerhard Mercator bekannt. Er hat die Insel auf seiner Karte „Guimeae nova descripto“ in Kupfer gestochen. Der Inselstaat São Tomé ist berühmt für seinen großartigen Kakao und der Namensgeber der Bio Bitterschokolade mit einem besonders hohen Kakao-Anteil von 95 Prozent. Es gibt keinen Massentourismus; daher gilt dieses tropische Urlaubsparadies als Geheimtipp. Wer sich abkühlen möchte, hat dazu am nächsten Reiseziel Gelegenheit: In der Antarktis liegen die Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt. Kaum vorstellbar, wie es vor gut hundert Jahren gelang, trotz der extremen Wetterverhältnisse und der enormen Kältegrade eine Expedition zu starten. Am 14. Dezember 1911 erreichte Roald Amundsen vor seinem britischen Rivalen Robert Falcon Scott als erster Mensch den Südpol. Auf der virtuellen Reise überschreiten wir den unwirtlichen Südpol und nehmen Kurs nordwärts auf 173,24 Grad westliche Länge. Als erste Station lockt das angenehme Klima auf Neuseeland (Auckland). Die Aussicht, bei der nächsten Station auf der scheinbar paradiesischen Südseeinsel Kiribati zu landen, verspricht Urlaubsstimmung. Doch der Schein trügt: Das Südsee-Paradies hat seine Schattenseiten. Die Atolle im Inselstaat Kiribati erheben sich nur ein bis zwei Meter über den Meeresspiegel. Tropische Stürme und die Korallenbleiche setzen der Insel zu. Der ständig steigende Meeresspiegel bedroht die Lebensgrundlagen. Nach Berechnungen der Klimaforscher könnte der Inselstaat im Jahr 2050 größtenteils nicht mehr bewohnbar und spätestens 2070 überschwemmt sein Die erste Evakuierung der Bevölkerung soll 2020 beginnen.

Nachdenklich geht die Reise weiter Richtung Norden – über die Aleuten zum vereisten Nordpolmeer. Doch die globale Erwärmung der Erde macht auch vor den Nordpolgletschern nicht halt. Weiter geht es zum Fjord Geiranger. Die Norweger kämpfen für die Umwelt. Sie wollen ihre Fjorde für viele Kreuzfahrtschiffe sperren, um den Ausstoß von Stickoxiden und Schwefel zu verringern. Letzte Station der Klimareise ist – wieder in Deutschland angekommen – die Insel Borkum (Längengrad: 6.733343). Die ostfriesische Insel hat den Radverkehr konsequent gefördert und will 2030 möglichst emissionsfrei sein. Die Themen Klima-, Natur- und Hochwasserschutz sind auch hier allgegenwärtig. Von Borkum geht`s zurück nach Duisburg. Im Vergleich Sahelzone oder Kiribati eine Komfortzone, aber mit hohem Ausstoß an Treibhausgasen. Das Klimaschutzkonzept der Stadt soll bis 2032 CO2-Emissionen einsparen: mit der Hilfe von Politik, Unternehmen, Wissenschaft – und jedem Einzelnen. Der Klimawandel trifft uns alle.

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