Duisburger geben im Schnitt 222 Euro für Weihnachtsgeschenke aus

222 Euro im Schnitt für Geschenke : Schuldenfalle Weihnachtsgeschäft

Der Dezember ist für viele Menschen ein teurer Monat. Gläubiger treiben ihr Geld ein, Weihnachten geht ans Ersparte. 222 Euro geben Duisburger 2018 im Schnitt für Geschenke aus. Dabei sind viele verschuldet.

Zwei „heiße Phasen“ gibt es in der Schuldnerberatung der Awo: Die eine ist kurz vor Weihnachten, die andere wenige Monate danach. Auch der Posten „Geschenke“ habe damit zu tun, aber nicht nur, erklären Dirk Franke und Bülent Adıgüzel, die in der Kopernikus­straße 110 im Duisburger Norden Menschen beraten, denen die Schulden über den Kopf wachsen. „Wegen des Jahresabschlusses nehmen jetzt noch einmal die Gläubigeraktivitäten zu: Sie fordern Geld ein, das sie bisher noch nicht gesehen haben“, so Franke. „Spätestens im Frühjahr dann machen sich die Auswirkungen der offenen Rechnungen bemerkbar, dazu zählen auch die Weihnachtsgeschenke.“

Eine Umfrage der Targobank unter 1071 Teilnehmern im Ruhrgebiet hat ergeben, dass die Duisburger dieses Jahr im Schnitt 222 Euro für Weihnachtsgeschenke ausgeben wollen. Das sind zwar etwa 16 Euro mehr als 2017, allerdings weniger als im Ruhrgebietsdurchschnitt (251 Euro) und deutlich weniger als das, was laut einer Studie des Handelsverbands der Bundesdurchschnitt 2018 in Weihnachtsgeschenke investieren will (472 Euro). Mehr als ein Drittel der Duisburger (37,6 Prozent) wird dabei auf Erspartes zurückgreifen.

Immer beliebter werden Gutscheine. Laut Dirk Franke wird auch häufiger teure Technik wie Playstations und Smartphones verschenkt. „Generell“, sagt er, „sind Geschenke teurer geworden. Es wird auch immer mehr im Internet bestellt. Bei der Bezahlung per Kreditkarte und mittels Ratenzahlungen verliert man dann schnell den Überblick über seine Ausgaben.“ Auffällig sei, so der Fachmann, dass Händler immer häufiger Kleinstraten anbieten: „10 oder 15 Euro monatlich für Geschenke, die man sich eigentlich nicht leisten kann. Vor allem im Bereich Möbel und Technik wird das gemacht.“

Natürlich sind Weihnachtsgeschenke nicht der einzige Grund, weshalb Haushalte Schulden anhäufen. Diese sind meist schon viel länger da. Zusätzliche finanzielle Belastungen wie etwa die Kosten für Geschenke, das Festessen und der Weihnachtsbaum samt Baumschmuck können aber der Tropfen sein, der das Schuldenfass zum überlaufen bringt. „Kinder verstehen es oft nicht, wenn die Familie sich etwas nicht leisten kann, was andere Kinder auch haben. Manche Eltern haben dann ein schlechtes Gewissen und greifen kurz vor Weihnachten doch noch einmal schnell zur Ratenzahlung“, erklärt Franke.

Es sei deshalb sehr wichtig, mit den Kindern zu reden, ihnen die Situation zu erklären. Dass vor allem jüngere Familien betroffen sind, erklärt Franke damit, dass sie meist einen höheren Finanzbedarf haben: „Wenn eine Familie Zuwachs bekommt und ein Elternteil aufhören muss zu arbeiten, dann fällt für diese Familie ein Einkommen weg. Das Kindergeld (194 Euro für die ersten beiden Kinder) kann das nicht auffangen. Außerdem ist es so, dass Kredite oft in einer jungen Lebensphase aufgenommen werden.“

Die Hauptursache für Schulden ist allerdings die Arbeitslosigkeit, zweithäufigster Grund ist die Trennung vom Partner und drittens die Arbeitsunfähigkeit. In den vergangenen Jahren seien auch Mieterhöhungen zu einem häufiger auftretendem Problem geworden.

600 Haushalte hat die Awo-Schuldnerstelle allein in diesem Jahr beraten. Zum Vergleich: 1993 waren es noch 280. Laut Schuldner-Atlas liegt die Verschuldungsquote in Duisburg 2018 bei 17,2 Prozent mit steigender Tendenz. Ein Drittel der Menschen, die zur Beratung kommen, sind Alleinerziehende. Die meisten jedoch, die von Schulden betroffen sind, sind junge Familien mit Kindern im Alter unter zehn Jahren: 1542 Personen waren es 2018, davon etwa die Hälfte Kinder.

Auch Senioren haben häufig Schulden. Meist kommt es dazu, wenn aus zwei Einkommen eins wird: etwa wenn ein Partner stirbt. „Bei älteren Menschen beobachten wir immer wieder, dass die Schamgrenze, sich Hilfe zu suchen, viel höher ist. Sie haben noch eine andere Erziehung genossen: ,Über Geld spricht man nicht’. An Geld misst sich für sie Ansehen und Erfolg. Wir erfahren von ihrem Schicksal meist in Seniorenzentren, von allein kommen nur wenige zu uns“, so Franke.

Die Hemmschwelle sei aber bei allen da. „Die Betroffenen jonglieren sich durchs Jahr, stopfen hier und da Löcher, bekommen die Schulden nicht weg. Bedrohlich wird es, wenn Strom und Miete nicht mehr gezahlt werden können. Dann droht die Obdachlosigkeit.“

(tl)
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