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Duisburger Akzente: Auftakt im Theater und der Liebfrauenkirche

Auftakt der Duisburger Akzente : Glück in der Liebfrauenkirche und im Theater

Am Wochenende starteten die 41. Duisburger Akzente. In der Kulturkirche Liebfrauen ging es mit einem kanadadischen Clown-Theater freundlich harmlos zu, im Theater gab es eine Spieltrieb-Premiere.

Kulturkirche Liebfrauen Auch in diesem Jahr ist die Kulturkirche Liebfrauen ein Hauptspielort der Duisburger Akzente, die in ihrer 41. Ausgabe dem ebenso vielschichtigen wie schlichten Motto „Glück“ gewidmet sind. Bereits am Freitagabend gastierte gewissermaßen als Vorprogramm nur für geladene Gäste das kanadische Clowns- und Akrobatentheater „Les Foutoukours“ in der Liebfrauenkirche. Ihr Stück „Kombini“ wurde am Abend darauf für das allgemeine Publikum wiederholt.

Kombini ist eine Mischung aus Klamauk und Artistik, eingerahmt in eine Handlung, die auch ohne Text verständlich ist. Zwei Clowns, der eine groß und schlank, der andere klein und pummelig, warten auf einen Anruf, von dem sie sich ein wichtiges Engagement versprechen. Als das Telefon dann klingelt, streiten sie sich so sehr darum, wer den Hörer abnehmen soll, bis das Telefon schließlich verstummt. Als Ersatz geben sie eine Kindervorstellung, wobei der Wechsel von Konkurrenz, Neid, Missgunst, Schadenfreude zu Betroffenheit, Solidarität, Trostspenden und Freundschaft das Geschehen vorantreibt. Geschickt wird das Publikum von den beiden akrobatischen Clowns, die schwierigste Hebefiguren fast nebenbei meistern und die famos jonglieren können, einbezogen. Ein Höhepunkt ist ein Popcorn-Regen per Laubbläser.

 Das kanadische Clownstheater „Les Foutoukours“ sorgte in der Liebfrauenkirche für einen harmlosen Akzente-Auftakt.
Das kanadische Clownstheater „Les Foutoukours“ sorgte in der Liebfrauenkirche für einen harmlosen Akzente-Auftakt. Foto: Les Foutoukours/carl archambault
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Das alles ist harmlos-lustig und durchaus sympathisch, aber bestenfalls ein Beitrag, der das Thema Glück auf die Variante Spaß reduziert. Als netter Akzente-Auftakt ist das kanadische Clownstheater, das hier immerhin seine Deutschland-Premiere hatte, okay. Substanzielles wird ja folgen!

Für Thomas Krützberg sind die diesjährigen Glücksakzente ein schöner Schlussakkord seiner Amtszeit als Kulturdezernent. Wie auch bei den Philharmonischen Konzerten in dieser Woche verabschiedete er sich mit einer bilanzierenden Rede vom Publikum. Dabei hob er hervor, dass es ihm nur mit Hilfe engagierter Mitarbeiter gelungen sei, das Kulturleben der Stadt so gut aufzustellen, wie es jetzt sei. Vor sieben Jahren, zu Beginn seiner Arbeit als Kulturdezernent, sei die Situation der Duisburger Kultur noch desolat gewesen. Von seinen wichtigen Mitarbeitern hob er namentlich Gerd Bracht hervor, der kurz nach den Akzenten in den Ruhestand geht. Gerd Bracht hat maßgeblich für eine exzellente Öffentlichkeitsarbeit besonders bei den Duisburger Festivals gesorgt. Das sei auch an dieser Stelle bestätigt.

Stadttheater Das Theatertreffen der diesjährigen Akzente begann am Samstag mit der Premiere einer Eigenproduktion des Duisburger Theaters im ausverkauften Foyer III unter dem Dach des Hauses. „Einer und Eine“ von Martin Heckmanns, geboren 1971 in Mönchengladbach und aufgewachsen im ostwestfälischen Herford, ist eine moderne Liebesgeschichte mit Hindernissen. Grete und Jakob begegnen einander ganz analog am Supermarktregal. Die weltentrückte Übersetzerin für Gebrauchsanleitungen (die ihre Abschlussarbeit in Kulturwissenschaften über frühe Lyrik von Rainer Maria Rilke schrieb) und der verschrobene Soziologie-Doktorand (mit dem Spezialgebiet Martin Buber) sehen sich über einer zerbrochenen Flasche Sahne gerade lange genug in die Augen, um sich zu verlieben. Von da an locken sie einander aus der Reserve ihrer verkopften Weltsicht, kämpfen sich durch die Barrieren ihrer jeweiligen Einsamkeitserzählungen und erschaffen sich ihre eigene Zweisamkeit – mehr oder weniger gelingend, denn immer dabei sind ihre beiden Dämonen oder Stimmen oder Erzähler. Das Akzente-Motto „Glück“ erscheint dabei letztlich durchaus erreichbar.

Die Regisseurin Eva Zitta brachte hier diese ebenso kluge wie kurzweilige Mischung aus Philosophie und Comedy wunderbar auf den Punkt. Das liegt auch an den vier großartigen jungen Darstellern: Anna Marienfeld als allmählich aufblühende Grete, Till Beckmann als würdevoll durchs Leben stolpernder Jakob, Katharina Abel als herrlich nervige Dämonin und Adrian Hildebrandt als schmierig-jovialer Dämon (die beiden kennen wir aus dem Duisburger Theater-Jugendclub „Spieltrieb“; inzwischen studieren sie Schauspiel) sowie Wolfgang Völkl als wandelndes Ein-Mann-Orchester. Das muss man erlebt haben, auch weil Simon Paul Schneider dem verwinkelten Bühnenbild und den treffenden Kostümen eine glänzend sprechende Qualität verlieh.