Duisburg: Zu wenig Platz für immer mehr Schüler

Duisburg : Zu wenig Platz für immer mehr Schüler

Die Stadt hat sich bei der Schulbedarfsplanung offenbar etwas verzockt. Wegen sinkender Schülerzahlen sind viele Schulen geschlossen worden. Doch nun lassen eine höhere Geburtenrate und Zuwanderung den Bedarf wieder steigen. Deshalb fehlt es an Schulraum.

Die Stadt ist bei ihrer Schulbedarfsplanung in den vergangenen Jahren offenbar von der demographischen Entwicklung in der Stadt überholt worden. Wie aus einer Mitteilungsvorlage an den Schulausschuss hervorgeht, sind die Geburtenzahlen von rund 4000 im Jahr 2014 auf zuletzt rund 5000 Geburten pro Jahr angestiegen. Das führt bereits jetzt zu einem erhöhten Schulplatzbedarf und Engpässen an den Schulen, die unter anderem den Unterricht in Containerkomplexen (die RP berichtete) erforderlich machen. Wegen der steigenden Schülerzahlen sei das momentane Schulangebot „nicht mehr ausreichend“, heißt es in der Vorlage. Verwaltung und Politik hätten deshalb nun Erweiterungen und gegebenenfalls Schulneubauten zu planen.

Die Geburtenzahlen sind der Unterlage zufolge in den vergangenen Jahren in allen Stadtbezirken gestiegen. In den Bezirken Hamborn und Meiderich/Beeck gab es dabei besonders starke Zuwächse. Diese Entwicklung mache es erforderlich, die mittelfristige Bedarfsplanung von zur Zeit 4000 auf rund 5000 Plätze pro Jahrgang anzupassen, teilt die Verwaltung mit.

  Neben dem Vorzeichenwechsel in der demographischen Entwicklung erhöht offenbar auch die Zuwanderung den Druck auf die Duisburger Bildungslandschaft. Die Anzahl junger Menschen sei in den vergangenen Jahren „natürlich auch [...] durch die Zuwanderung positiv beeinflusst“ worden, heißt es in der Antwort. Lebten im Jahr 2012 noch 79.500 Kinder und  und Jugendliche in Duisburg, sind es heute mit rund 85.500 etwa 6000 potenzielle Schüler mehr. Stadtweit hat nach den aktuellsten Zahlen mittlerweile mehr als jedes zweite Kind (63,6 Prozent) einen Migrationshintergrund. Dabei bestehen große Unterschiede zwischen den Ortsteilen, So liegt im Ortsteil Alt-Walsum die Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund bei 26,4 Prozent, in Hochfeld liegt er dagegen bei knapp 93 Prozent. Diese große Diskrepanz stellt laut Verwaltung eine weitere Herausforderung bei der künftigen Bedarfsplanung dar, da die Schulen abhängig von den Stadtteilen mit grundsätzlich unterschiedlichen Herausforderungen umgehen müssten.

Dass die Lage derzeit so angespannt ist, liegt vor allem an der Schulpolitik der vergangenen Jahre, die vor dem Hintergrund einer über Jahre sinkenden Geburtenrate von Schulschließungen und Kürzungen gekennzeichnet war. Zwischen 2008 und 2014 sei es in der gesamten Stadt zu Schulschließungen gekommen, um das Überangebot an Schulraum an die bis dato sinkenden Bedarfslage anzupassen, schreibt die Verwaltung. Im Zuge dessen seien in dieser Zeit zehn Grundschulen, 13 der 14 Hauptschulen, drei Realschulen und vier Förderschulen geschlossen worden.

Um den nun wieder steigenden Schülerzahlen Rechnung zu tragen, plant die Stadt derzeit die Erweiterung bestehender Schulen im gesamten Stadtgebiet. Insgesamt neun Grundschulen sollen durch Reaktivierung bereits geschlossener Schulgebäude oder den Neubau von neuen Unterrichtsräumen erweitert werden. Außerdem sieht die überarbeitete Bedarfsplanung den Ausbau von neun weiterführenden Schulen im Stadtgebiet vor. Darüber hinaus regt die Verwaltung die Stadtpolitik, an, den Neubau von bis zu zwei weiteren weiterführenden Schulen zu prüfen.

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