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Duisburg: Zoo Duisburg will Besucher für den Artenschutz begeistern

Delfine, Brillenpinguine, Fossa & Co. : Was Zoobesucher für den Artenschutz tun können

Ab August können sich die Besucher und Besucherinnen noch stärker an den Artenschutzaktivitäten des Zoo Duisburg beteiligen. Wie das geht und was es kostet.

Die Haltung von Tieren in Zoos ist nicht unumstritten. So gibt es Tierschützer, die es generell ablehnen, Tiere „in Gefangenschaft“ zu halten und für Besucher auszustellen. Andere stören sich an ihrer Meinung nach nicht artgerechter Tierhaltung. In diesem Kontext ist der Duisburger Zoo häufig im Fokus der Kritik von Tierschutzorganisationen wie Peta, die insbesondere die Delfinhaltung kritisieren und am liebsten sofort beenden würden.

Der Zoo verweist in diesem Zusammenhang stets darauf, dass zum Beispiel durch Zuchten viel für die Arterhaltung bedrohter Tierarten getan werden. Zudem lebten viele Tiere deutlich länger als in der Natur. Generell sei der Zoo eine Einrichtung, der Besucher für das Verständnis für Tiere und deren Bedrohung in der Natur sensibilisieren könne. Die Teilnahme des Zoos an wissenschaftlich begleiteten Artenschutzprogrammen sei ebenfalls ein Beleg für die Bedeutung des Zoos beim Tierschutz.

Nun möchte der Zoo die Besucher auch direkt daran beteiligen. „Möchten Sie einen Euro für den Artenschutz spenden?“. Diese Frage werde ab August den Besuchern an den Kassen gestellt. Ab dem kommenden Sonntag werde nämlich der „Artenschutz-Euro“ eingeführt, teilte der Zoo am Donnerstag mit. Mit ihm werde der Zoo seine Aktivitäten im Artenschutz intensivieren. Im Fokus stünden dabei der Schutz von Delfinen, Gorillas, Brillenpinguinen und den madagassischen Fossas. Weitere Projektpartner sollen in den nächsten Jahren folgen.

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„Es ist kleiner Beitrag mit großer Wirkung der dort ankommt, wo er gebraucht wird“, so Zoodirektorin Astrid Stewin. Dabei sei der Artenschutz-Euro ein freiwilliger Beitrag. Dieser könne auf Wunsch auf den Preis von Tages- wie Jahreskarten, Familienkarten und Feierabendtickets direkt an der Kasse und auch im OnlineShop gezahlt werden. „Mit dem Artenschutz-Euro wollen wir möglichst viele unserer Gäste motivieren, sich gemeinsam mit uns für den Erhalt der biologischen Vielfalt einzusetzen“, betont Stewin.

Würde jeder Zoobesucher einen Euro für den Artenschutz spenden, könnte sich der Betrag sehen lassen: Bis zu einer Million Euro pro Jahr wären möglich (s. Box).

 Zoochefin Astrid Stewin wirbt für den Artenschutz-Euro.
Zoochefin Astrid Stewin wirbt für den Artenschutz-Euro. Foto: Christoph Reichwein (crei)/Reichwein, Christoph (crei)

Ausgewählte Projekte, von dessen Arbeit das Zoo-Team nachhaltig überzeugt ist, würden von den Einnahmen aus dem Artenschutz-Euro profitieren. Sie schützten Tierarten, die im ursprünglichen Lebensraum durch den Menschen bedroht seien – und in Duisburg unter geschützten Bedingungen von den Besuchern beobachtet werden können.

„Jeden Tag begeistern wir für Tiere und wollen gemeinsam mit unseren Schützlingen für Artenschutz motivieren. Mit dem Artenschutz-Euro schlagen wir die Brücke zwischen dem Tiererlebnis im Zoo und den Artenschutzaktivitäten weltweit“, so die Zoodirektorin.

Bereits seit vielen Jahren unterstütze der Zoo Duisburg die Artenschutzorganisation Yaqu Pacha und intensiviere nun die Zusammenarbeit zum Schutz wasserlebender Säugetiere. Dabei stehe insbesondere der Schutz von Delfinen im Fokus. Hier würden insbesondere Forscher bei der Durchführung eines Schutzprojektes für eine lokale Population von Großen Tümmlern im Süden Brasiliens unterstützt. Eine weitere Tierart, welche im Fokus der Arbeit von Yaqu Pacha steht und vom Duisburger Artenschutz-Euro profitiert, ist der La PlataDelfin, die am stärksten bedrohte Delfinart Südamerikas.

Auf Madagaskar liegt der Schwerpunkt auf den rostbraunen Fossas. Die eleganten Raubtiere kommen nur auf der Insel vor der afrikanischen Küste vor, ihr Bestand ist gefährdet. Schon seit 1995 engagiert sich der Zoo Duisburg zum Schutz dieser Tierart und initiierte einen Fond zu ihrem Schutz. Mit Geldern aus dem Fond würden unter anderem Forschungsprojekte finanziert und die Aktivität von Wildhütern unterstützt. Nicht weniger stark bedroht seien Brillenpinguine. Die Frackträger mit dem Watschelgang leben vor der Küste Südafrikas – und könnten in 30 Jahren ausgestorben sein. SANCOOB (Southern African Foundation for the Conservation of Coastal Birds) setzt sich in Südafrika für den Schutz von Brillenpinguinen sowie weiteren Seevogelarten ein und wird ebenfalls vom Artenschutz-Euro profitieren.

Gleiches gelte für die Berggorilla- und Regenwald Direkthilfe. Das Spektrum der Artenschutzaktivitäten dieser Organisation sei umfangreich: Die Ausrüstung der Wildhüter (Material, geeignete Kleidung, Kommunikationsgeräte, Kameras) werde ebenso finanziert, wie der Bau von Patrouillenposten und die Durchführung von Forschungsprojekten. Außerdem werden abgeholzte Regenwaldflächen aufgeforstet, wodurch der Lebensraum der Gorillapopulationen vor Ort erweitert wird bzw. Pufferzonen geschaffen werden. Neben diesen vier Projektpartnern werden in den nächsten Monaten und Jahren weitere Organisationen folgen, deren Arbeit mit dem Artenschutz-Euro unterstützt wird.

(mtm)