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Duisburg: Duisburg wird wieder zur Filmstadt

Duisburg : Duisburg wird wieder zur Filmstadt

Mit der vorzüglichen Dokumentation "Göttliche Lage - eine Stadt erfindet sich neu" wurde die 38. Duisburger Filmwoche im Filmforum eröffnet. Am Samstagabend werden die Preise des Festivals vergeben, darunter auch der RP-Preis.

Nicht immer trifft ein Eröffnungsfilm der Duisburger Filmwoche auf so ungeteiltes Lob wie jetzt zum Start der 38. Ausgabe des Festivals, in dem es um den künstlerisch anspruchsvollen Dokumentarfilm aus den Produktionsländern Deutschland, Österreich und der Schweiz geht. "Göttliche Lage - Eine Stadt erfindet sich neu" heißt die mit großem Beifall belohnte Dokumentation von Ulrike Franken und Michael Loeken, die in Dortmund gedreht wurde, eine Stadt, die Duisburg nicht unähnlich ist.

Vor der Aufführung im überfüllten Filmforum sagte der Duisburger Dezernent Thomas Krützberg, dass das internationale Festival "Duisburg zur Filmstadt" mache. Die Filmwoche tue dem Image der Stadt gut. Das Festival sei in der Filmwelt ein positives Markenzeichen. Dokumentarfilmautoren, Professoren von Filmhochschulen und Vertreter von Fernsehsendern und anderen Filmfestivals wüssten, dass in Duisburg Jahr für Jahr "großes Kino mit Geschichten aus der Wirklichkeit" zu erleben ist. Dabei schloss er ausdrücklich das "Doxs!"-Festival ein, bei dem parallel zur Filmwoche ausgewählte Dokumentationen für Kinder und Jugendliche gezeigt und prämiert werden. So mancher "Doxs!"-Film wurde nach der Duisburger Präsentation mit internationalen Preisen ausgezeichnet. Krützberg betonte, dass Duisburg trotz angespannter finanzieller Lage zur Filmwoche stehe und auch wieder einen Förderpreis vergibt.

 Die RP-Leserjury (v.l.): Marianne Neumann, Annegret Deupmann, Rosa Menges, Petra Müller und Lars Henriksson.
Die RP-Leserjury (v.l.): Marianne Neumann, Annegret Deupmann, Rosa Menges, Petra Müller und Lars Henriksson. Foto: christoph reichwein
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Auf einen interessanten Aspekt machte im Anschluss an Krützberg Kulturstaatssekretär Bernd Neuendorf aufmerksam: So mancher Filmautor, dessen Produktion in diesem Jahr bei der Filmwoche gezeigt und zur Diskussion gestellt wird, ist jünger als die Filmwoche. Und in diesem Zusammenhang wies er auf ein Jubiläum hin, an das zuvor niemand gedacht hatte: Werner Ruzicka leitet in diesem Jahr die Filmwoche zum 30. Mal. Ruzicka selber nahm das Jubiläum eher freundlich-ironisch zur Kenntnis und wies darauf hin, dass die Filmwoche immer jung und zukunftsweisend gewesen ist. Und das solle auch so bleiben.

Die "Göttliche Lage", von der im Titel des Eröffnungsfilms die Rede ist, bezieht sich auf die imposanten Neubauten, die sich reiche Menschen am Ufer des Phoenix-Sees in Dortmund-Hörde leisten (können). Dieser See wurde künstlich geschaffen. Dort, wo er nun "leise ruhet", befand sich vor einigen Jahren noch das Stahlwerk "Phoenix", das aufgegeben und abgebaut wurde.

Innerhalb von fünf Jahren wurde der Plan umgesetzt, die alte Industriebrache zu fluten und an den Ufern des künstlichen Sees ein neues Villenviertel zu errichten. Und über genau diesen Zeitraum hat das Filmduo die Umgestaltung mit Kamera und Mikrofon beobachtet und begleitet. Der Reiz des Films besteht unter anderem darin, dass die Villen der Reichen in einem gerade noch akzeptablen Abstand von den typischen Arbeiterhäusern gebaut wurden, in der die Phönix-Beschäftigten von einst seit vielen Jahren leben.

Der Film zeigt eindrucksvoll und auch mit Humor, wie die sozialen Welten aufeinandertreffen und wie die Natur so manchen Plan der Landschaftsarchitekten zunichtemacht. So verstehen die Kanadagänse einfach nicht, dass sie am und im See unerwünscht sind. Sie können es auch nicht verstehen, da das Jagen im Villenviertel verboten ist, wie ein Planer seufzend feststellt...

"Göttliche Lage - eine Stadt erfindet sich neu" ist ein schönes Beispiel für "großes Kino mit Geschichten aus der Wirklichkeit". Das Filmforum zeigt diese Dokumentation - unabhängig von der Filmwoche - in seinem regulären Programm vom 9. bis 12. November.

(RP)