Duisburg: Wieso die Traumzeit 2019 ein tolles Festival war

Festival im Duisburger Landschaftspark : Traumzeit mit versteckten Highlights

So war das Traumzeit-Festival 2019 in Duisburg

Das ausverkaufte Festival lockte am Wochenende wieder tausende Musikfans in den Landschaftspark. Auf die Ohren gab es viel Tanzbares, aber auch intelligente und einfühlsame Texte.

Endlich wieder Traumzeit! Die Duisburger Festival-Erfolgsgeschichte hat am Wochenende ihr nächstes Kapitel geschrieben – und natürlich mit dem, seit dem Reboot, traditionellen Kappenchor am Freitag begonnen. Nach dem Steigerlied fiel dann der offizielle Startschuss für die restlichen 39 Bands, und für die zahlreichen Besucher jagte an den drei Tagen ein Highlight das nächste.

Trotzdem gab es auch wieder einige Bands, bei denen die Gäste ihre Ohren zu ein wenig Wohlfühlpop entspannen konnten, „Berge“ zum Beispiel. Die Band sang auf der Cowperbühne über Liebe und alles andere, was Menschen bewegt und untermalte die New-Age-Texte mit seichtem Gitarrenpop, unter anderem auch vom neuen Album „Kreise aus Licht“. Ganz anders klangen „Teenage Fanclub“ später in der Giesshalle, mehr als einmal erinnerte die Rockband an die Blütezeit der Beatles in den 60er Jahren. Das euphorische Publikum feierte die Rocker, bevor sich die Besuchermassen wieder zurück in Richtung Cowperplatz wälzten. Mit „Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi“ spielte ein alter Bekannter auf dem Festival. Mit intelligenten Reimen und tiefgründigen Texten brachten die Berliner Musiker anspruchsvolle Rapmusik auf die Bühne, aber auch die Begleitmusik verkam nicht zur bloßen Leinwand für Frontmann Robert Gwisdek, die Hits der Combo waren allesamt tanzbar. Genauso wie der Bläser-Techno der Senkrechtstarter „Meute“ übrigens, die am Freitag den ersten Festivaltag beschlossen. Mit eingängigen Beats zauberten die Musiker klassisch-moderne Tanzmusik auf die Bühne, teilweise sogar mit Gesang. Dass die Ausführungen der Künstler hin und wieder ihre Längen hatten, störte die tanzende Masse vor der Bühne kein Stück.

Der Festivalsamstag wurde dann von lauschigen Songs der hervorragenden Band „Zweisicht“ auf der Gasometerbühne eröffnet, dicht gefolgt von dem nachdenklichen Sänger Hannes Wittmer und einer tendenziell seltsamen, aber hochunterhaltsamen Show von „Snail Mail“, die sich in elegischen, melancholischen Stücken auslebten. Nach Stephen Malkmus lauschigem Indierock erlebte das Festival die erste Sternstunde des leider etwas trägen Samstags. Laura Perrudin stand ganz alleine mit ihrer Harfe auf der großen Bühne der Gebläsehalle und spielte und sang sich die Seele aus dem Leib. Wort- und sprichwörtlich, denn nicht bloß waren die Texte der Französin sehr persönlich und unprätentiös, mit etlichen Effekten, Loopmaschinen und dem Harfenspiel hatte die Musikerin auch alle Hände voll zu tun. Während sie Melodien eher als Mittel zum Loop und zum Zweck einsetzte, bestach die Performance der Künstlerin besonders durch die ungewöhnlichen Harmonien, mit denen sie sich selbst begleitete.

Käpt’n Peng und die Tentakel von Delphi gehörten am Freitagabend zu den Höhepunkten des Festivals. Die Musiker boten schwungvolle Rapmusik mit intelligenten und tiefgründigen Texten.. Foto: Christoph Reichwein (crei)

Zum Ende des Festivaltages wurde es dann, im besten Sinne des abgenutzten Worts, groovelastig. Zuerst spielte „Roosevelt“ mit seiner hervorragend eingespielten Band reine Electrodisco-Musik und stellte das diesjährige (Indie-)Pop-Trendinstrument vor, die Percussioninstrumente, die der Mundharmonika in dieser Rolle nachfolgen. Dann läutete „Metronomy“ auf dem Cowperplatz die Nacht auf dem Festivalgelände ein und spielte synthielastige Groovemusik, die sich irgendwo zwischen Funk und Glamrock hin und her hangelte.

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