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Duisburg: Weniger Miete für Handel und Gastronomie

Wie die Wirtschaft wieder angekurbelt wird : Weniger Miete für Geschäfte und Lokale

Mit mehreren Aktionen soll den Geschäften und Gaststätten in Duisburg geholfen werden. Die Stadt erlässt die Sondernutzungsgebühren, Vermieter werden aufgefordert, Abstriche zu machen.

Die Lage ist dramatisch. Handel und Gastronomie hatten es in Duisburg schon vor Corona-Zeiten schwer, nun erst recht: Jeder dritte Gastronom und jeder zehnte Einzelhändler ist von Insolvenz bedroht. „Wenn das wahr werden würde, gäbe es in der Duisburger Innenstadt bald 30 Geschäfte und 40 Gastronomiebetriebe weniger“, erklärte Michael Rüscher von der IHK am Freitag. Um dieses Schreckensszenario zu verhindern, ziehen die Akteure nun an einem Strang: Stadt, IHK, Wirtschaftsförderung, Hotel- und Gaststättenverband, Citymanagement und der Einzelhandelsverband suchen gemeinsam Wege aus der Krise. Dies unterstrichen sie am Freitag im Rahmen einer Video-Pressekonferenz.

Neben den Hilfen des Konjunkturprogramms setzt die Stadt darauf, die Sondernutzungsgebühren für die Gastronomie für 2020 auszusetzen. „Wo es geht, sind auch kostenfreie Erweiterungen bei der Außengastronomie möglich“, versprach Wirtschaftsdezernent. Dies sei zwar nur ein „Tropfen auf dem heißen Stein“, sagte Marc Weber, Kreis-Chef des Hotel- und Gaststättenverbandes und Inhaber des Brauhauses Webster am Dellplatz. Aber er wertet dies zumindest als ein Zeichen der Solidarität durch die Stadt.

Vermieter von Geschäften und Gaststätten sollen Mietnachlässe gewähren oder Mieten stunden. Bei dieser Forderung war man sich einig. „Vermieter können kein Interesse daran haben, dass die Leerstände steigen, was zu einem Werteverfall ihrer Immobilie führen könnte“, meinte auch Andree Haack.

 Marc Weber, Geschäftsführer im Brauhaus Webster am Dellplatz, sieht große Gefahren für die Branche.
Marc Weber, Geschäftsführer im Brauhaus Webster am Dellplatz, sieht große Gefahren für die Branche. Foto: Christoph Reichwein (crei)

Das Einkaufen mit Maske und Abstand alles andere als ein Erlebnis ist, finden auch Citymanagerin Dagmar Bungardt und Doris Lewitzky, Geschäftsführerin des Einzelhandelsverbandes. „Der Einkauf muss wieder zu einem Erlebnis werden“, so Dagmar Bungardt. Mit kleineren Veranstaltungen, mit Straßentheater und Künstlern wolle man dem Rechnung tragen. Der Wegfall des verkaufsoffenen Sonntags Anfang April habe den Handel schon schwer getroffen, nun hoffe man auf einen solchen im September – auch ohne die Automesse „Lack & Chrom“. Haack erklärte, Sonntagsöffnungen ohne Anlassbezug sollten wieder möglich sein, NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart habe schon Bewegung gezeigt.

Die neuesten Lockerungen bewertete Doris Lewitzky positiv: „Wenn jetzt ein Kunde pro sieben Quadratmeter Verkaufsfläche ein Geschäft betreten dürfen, kommt dies vor allem kleineren Einzelhandelsgeschäften zugute.“ Marc Weber sieht Lockerungen zwiespältig: „Ich sehe ein, dass die Maßnahmen notwendig sind. Eine zweite Welle wäre für uns der Super-GAU.“

Ob es in Duisburg mit Karstadt und Galeria Kaufhof zwei Warenhäuser geben wird, da ist sich Doris Lewitzky nicht sicher: „Das ist eine Unternehmensentscheidung. Wir haben da für Duisburg noch keine Signale bekommen.“ Andree Haack ist optimistisch: „Duisburg ist ein Oberzentrum, es gibt genügend Kaufkraft, beide Häuser haben ausreichend Parkplätze und befinden sich in 1A-Lage. Beide Warenhäuser können hier bestehen.“