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Duisburg: Wasch- und Badetag in den 50er Jahren

Wasch- und Badetag in den 50er Jahren : Wie die Waschmaschine Duisburg veränderte

Waschen war bis in die 50er eine Tortur. Dabei gab es bereits in den 20er Jahren in Neudorf die Fabrik A. Rind.

Das Wäschewaschen mit Waschbrett und Bürste war aus heutiger Sicht eine wahre Tortur. Die Hausfrau trug am Waschtag Holzclocks an den Füßen, Kopftuch und Gummischürze. Insbesondere die grobe Arbeiterkleidung erforderte höchste Kraftanstrengung von den Frauen. Oft gab es wundgeriebene Fingerknöchel. Unter dem Waschbottich im Keller musste erst einmal ein Feuer gemacht werden, um die notwendigen Wassermengen zu erhitzen. Die eingeweichte Wäsche musste mit dem Schlegel gut durchgewalkt und später, schwer wie sie im nassen Zustand nun mal war, in zwei Klar-Spülbecken gehoben werden. Das Wringen der Hemden und Betttücher war kraftraubend.

Die Rollenpresse war eine Erleichterung, da konnten die Kinder mithelfen. Hier war Sorgfalt gefragt: Die Wäsche durfte nicht knittern. War das erledigt, wurden Hemden, Hosen oder Bettlaken draußen mit Wäscheklammern auf die Leine gehängt. Im Sommer trocknete die Wäsche schnell, aber bei Regen oder im Winter mussten die schweren Wäschekörbe auf den „Trockenboden“ geschleppt werden. Die Hausfrauen in der Neudorfer Einschornsteinsiedlung hatten es da etwas leichter. Waschhaus und Trockenräume wurden als zentrale Versorgungseinheit in den Mittelpunkt der Neudorfer Siedlung gestellt. Dafür konnte auf die Trockenböden unter dem Dach der Wohnhäuser verzichtet werden. Der markante Schornstein steht heute unter Denkmalschutz.

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Doch die Erfolgsgeschichte der Waschmaschine war nicht aufzuhalten. Die Neudorfer Waschmaschinenfabrik A. RIND produzierte bereits in den 20er Jahren die Marken „Schneeweiss“ und „Duisburgia“, ein Spitzenmodell mit wasserdruckbetriebenem Motor. Diese Holzbottich-Waschmaschinen aus der „Mechanischen Böttcherei“ RIND waren die Vorläufer moderner Waschmaschinen. Das dezentrale Konzept setzte sich allmählich durch.

Mit dem Werbeslogan „Von 100 Hausfrauen im dicht besiedelten Ruhrgebiet entscheiden sich 92 für das individuelle Waschen im eigenen Hause“ steuerte Rind geschickt gegen die Gemeinschaftswaschküche. Die Firma Rind stieg aus der Eigenproduktion aus und spezialisierte sich auf den Vertrieb von Hausgeräten renommierter Hersteller, wie z.B. Miele und Siemens.

1951 wurde der erste Waschvollautomat „Constructa“ der Öffentlichkeit vorgestellt. Ein lukrativer Markt tat sich auf. Es wurden etagenfähige Waschmaschinen entwickelt und produziert, die das Waschen der Wäsche in Küche oder Bad ermöglichten. Aber es gab auch Widerstand von Seiten der Vermieter. Die befürchteten Schimmel und Überschwemmungen durch gerissene Wasserschläuche. Das Aufstellen von Waschmaschinen in der Wohnung beschäftigte die Gerichte, aber der gewaltige Boom nach Waschmaschinen war in Zeiten des Wirtschaftswunders nicht mehr aufzuhalten.

Das Frauenbild der Werbung spiegelt den Zeitgeist wider: „Das hätte Vati nicht gedacht, daß Mutti jetzt auch am Waschtag gut gelaunt ist. Der Rondomat nimmt Mutti alle Wäschesorgen ab!“. Die Waschmittelwerbung der 50er sprach die wachsende Zielgruppe an. Plakate und Werbeschilder von Persil, Sunlicht, Omo oder Dr. Thompsons Schwan-Pulver gehören inzwischen zu gefragten Sammlerstücken.

Heute nahezu unvorstellbar: In den 50er Jahren wurde oft nur einmal pro Woche gebadet und die Wäsche gewechselt. Die Hygienestandards waren eben andere als heute. Ein Bad: Fehlanzeige. Heißes Wasser aus dem Kran: dito. Warmduscher gab es nicht. Die meist vierköpfige Duisburger Familie wusch sich mit kaltem Wasser. Im Arbeiterhaushalt war der Kohlenherd in der Küche oft die einzige Wärmequelle. Die Frauen nutzten den Herd zum Kochen sowie zum Erhitzen von Bade-und Waschwasser.

Gebadet wurden die Kinder am Samstagabend in einer Zinkwanne. Für die Eltern und die älteren Söhne und Töchter war es üblich, das Hochfelder Stadtbad auf der Heerstraße zu benutzen. Die Ruhrorter und Hamborner hatten eigene Stadtbäder. Den Besuchern wurde eine kahle Badezelle zugewiesen, in der eine Badewanne stand. Nach einer halben Stunde wurde an die Tür geklopft: Die Zeit war um. Das Personal reinigte Wanne und Boden - der Nächste bitte.

An Waschtagen wurde oft auch in Waschküchen im Keller gebadet, da dort den ganzen Tag lang im Holzofen heißes Wasser aufbereitet wurde. Sparsamer Umgang mit Ressourcen war selbstverständlich. Mit dem Wirtschaftsaufschwung wurden auch in die Werkswohnungen allmählich Badezimmer, Zentralheizungen und Warmwasserleitungen eingebaut. Der Siegeszug der Waschvollautomaten begann – heute verfügen 97 Prozent der Haushalte über eine Waschmaschine. Global betrachtet, ist die Waschmaschine aber noch heute das Privileg einer Minderheit. Nur etwa 30 Prozent der Menschen, so Schätzungen, haben weltweit Zugang zu Waschmaschinen.