Duisburg: Warum Darmkrebs-Vorsorge wichtig ist

Darmkrebs: Warum Vorsorge wichtig ist

Als Werner F. dem Rat seiner Frau folgt und zur Darmspiegelung geht, rechnet er noch nicht mit den weitläufigen Konsequenzen, die sich aus der Vorsorgeuntersuchung ergeben würden.

Der Arzt entdeckte einen großen Polypen im Mastdarm unmittelbar am Schließmuskel – und plötzlich stand im Raum, dass Werner F. dauerhaft einen künstlichen Darmausgang benötigen würde. In der chirurgischen Abteilung der Helios St. Johannes Klinik konnten die Mediziner das jedoch verhindern.

Warum die Darmspiegelung zu den wichtigen Vorsorgeuntersuchungen gehört, wird am Fall von Werner F. besonders deutlich. Bei ihm entdeckte man bei der Präventionsmaßnahme einen Polypen im Mastdarm, in direkter Nähe zum Schließmuskel gelegen. Als dieser entfernt und untersucht wurde, fanden sich bösartige Krebszellen. Noch ehe Werner F. es recht verarbeiten konnte, war klar, dass eine Operation die Behandlungsmethode der Wahl sein würde, bevor sich der Krebs im Körper ausbreitet. Doch welche Folgen dieser Eingriff haben könnte, war für Werner F. und seine Frau Roswitha nicht nachvollziehbar: „Es hieß, dass der Mastdarm mitsamt Schließmuskel und den umgebenden Lymphknoten entfernt werden müsste“, sagt Werner F.

Tatsächlich entspricht eine derartige onkologische Operation den derzeit üblichen Therapieempfehlungen, um das „Weiterwandern“ einzelner Krebszellen und damit auch deren Metastasierung zu beurteilen. Bei derart frühen Tumorstadien wie im Fall von Werner F. finden sich in der nachträglichen feingeweblichen Untersuchung aber nur bei rund 20 Prozent der Fälle überhaupt noch Tumorzellen am Ort der Entfernung oder in den zugehörigen Lymphknoten. „Damit geht die gute Nachricht der 80-prozentigen Tumorheilung für die Betroffenen mit der Info einher, dass sie einen dauerhaften künstlichen Darmausgang nutzen müssen, weil der Schließmuskel unwiederbringlich entfernt wird“, sagt Dr. Norbert Hennes, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Minimal-Invasive Chirurgie an der Helios St. Johannes Klinik.

Werner F. stand scheinbar vor einem ausweglosen Dilemma. „Man gab mir das Gefühl, ich hätte nur die Wahl zwischen zwei Optionen: Für den Rest meines Lebens ein Stoma tragen oder eine potenzielle Zeitbombe in meinem Körper lassen“, beschreibt er seine Lage rückblickend. Doch seine Frau Roswitha wollte sich mit diesen beiden Alternativen nicht zufrieden geben und recherchierte im Internet nach anderen Möglichkeiten. Dabei stieß sie zufällig auf eine Vortragsveranstaltung von Dr. Hennes, bei der er sich dem Thema Mastdarmkrebs widmete und über eine neue OP-Technik sprach, die es unter bestimmten Umständen möglich macht, den Schließmuskel zu erhalten. „Also haben wir mit Dr. Hennes Kontakt aufgenommen. Und so haben wir uns letztlich für einen Eingriff mit dieser neuen Technik entschieden“, berichtet Roswitha F.

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Gemeint ist die sogenannte „Transanale totale mesorektale Exzision“, kurz TaTME. Hinter diesem kompliziert klingenden Namen verbirgt sich ein Eingriff, bei dem technisch und personell aus dem Vollen geschöpft wird: Zwei Operations-Teams sind dabei parallel im Einsatz, um mit modernster Videotechnik und optischen Vergrößerungsinstrumenten selbst tiefliegende Darmtumoren zu entfernen und den Schließmuskel zu erhalten.

Um dieses Verfahren überhaupt anwenden zu können, bedarf es intensiver Schulungen. Ein Team der Helios Klinik absolvierte im vergangenen Jahr in Berlin eine entsprechende Fortbildung. „Wir wenden dieses Verfahren seit 2017 in Duisburg an. Es ist zwar nur bestimmten Fällen mit Mastdarmkrebs vorbehalten, aber bei allen Patienten konnten wir die sonst erforderliche Entfernung des Schließmuskels vermeiden. Dies ist gerade bei jüngeren Patienten von erheblicher Bedeutung für die Lebensqualität“, erläutert Hennes.

Auch dafür, dass seine Frau nicht locker gelassen und für ihn recherchiert hat, ist Werner F. mehr als dankbar. Roswitha hingegen ist mindestens genauso glücklich, dass ihr Mann seine Kontinenz behalten konnte und somit kaum Einschnitte in die Lebensqualität erleiden musste. „Wenn ich daran denke, dass nicht alle die Möglichkeit haben, sich so gut zu informieren und die Alternative nicht kennen, dann läuft mir ein Schauer über den Rücken“, sagt sie. Sie rät den Betroffenen, sich immer eine zweite Meinung einzuholen. Und regelmäßig zur Darmkrebsvorsorge zu gehen.

(th)