Duisburg: Vor 60 Jahren erschien die Bistumszeitung Ruhrwort

Erinnerung an Bistumszeitung : Erinnerung ans Ruhrwort

Nah an den Gläubigen sein, auf Tuchfühlung gehen mit der Zeit und ihren Problemen – mit diesem Ziel erschien vor 60 Jahren die mittlerweile legendäre Kirchenzeitung des Bistums Essen.

„Durchstoßt die Schallmauer!“ – so lautete der Appell von Bischof Franz Hengsbach (1910 bis 1991) an die Leser im Editorial des ersten RuhrWorts vom 4. April 1958. Gemeint hatte er damals eine Schallmauer der „geistigen und religiösen Müdigkeit“, von denen die Christen dieser Zeit seiner Meinung nach umgeben und gehemmt waren. Die neue Bistumszeitung sollte das ändern, sollte geistiger Vorkämpfer und entschiedener publizistischer Schrittmacher für die Arbeit des Ruhrbistums sein.

Ein leuchtend rot-weißes Logo, großformatige Fotos und knappe Schlagzeilen prägten die Aufmacherseite der ersten Ausgabe. Kein ‚frommes‘ Erscheinungsbild, keine klerikal anmutende Sprache und ein bewusst säkularer Zeitungstitel. Lediglich das Impressum verriet, dass der Bischof von Essen der Herausgeber war. All dies war beabsichtigt, wie sich der erste Chefredakteur Otto Kasper später erinnerte: Bischof Hengsbach wollte eine Zeitung haben, „für die man sich nicht zu schämen braucht, wenn man sie in der Straßenbahn aus der Tasche zieht“. Sie sollte – wie die säkulären Zeitungstitel auch – von Berufsjournalisten gemacht werden, die Redakteure sollten persönlich die Verantwortung für ihre Arbeit tragen.

„Mit diesem Konzept entwickelte sich aus dem anfänglichen Experiment eine innovative Bistumszeitung, die rasch zum positiven „Sonderfall“ in der katholischen Presselandschaft avancierte“, weiß Severin Gawlitta, Archivar des Bistums. Meinungsfreudig und auch mal unbequeme Wahrheiten aus Kirche und Gesellschaft thematisierend, habe das RuhrWort versucht, auch der katholischen Kirche fernstehende Leser anzusprechen. „Wie die jüngsten Forschungen zeigen, wurden in Essen Pläne geschmiedet, das Bistumsblatt zu einer überdiözesanen, deutschlandweiten „Super-Kirchenzeitung“ zu entwickeln. Auch wenn diese Ideen sich nicht realisieren ließen, unterstreichen sie den fortschrittlichen Charakter dieser Zeitung.“

In den Anfangsjahren kristallisierten sich Faktoren heraus – oft unbemerkt –, die in der Folgezeit zu einer steten Herausforderung für die Essener Kirchenzeitung werden sollten. Schon zur Zeit des ersten Ruhrworts erreichten deutsche Kirchenzeitungen kaum Leser unter 40 Jahren. Mit der Zeit stieg also auch das Alter der Stamm-Leser. Parallel dazu lockerte sich die Bindung der Menschen an die Kirche, was auch die katholische Presse in sinkenden Abonnenten- und Verkaufszahlen erfahren musste – so auch das RuhrWort. Wurden zu Beginn der 1960er Jahre über 120.000 Exemplare verkauft, waren es 50 Jahre später etwa 13.000.

Ende 2013 entschied die Bistumsleitung, das RuhrWort einzustellen. Seitdem produziert das Bistum Essen das kostenlose Mitglieder-Magazin BENE und verteilt es an rund 500.000 katholische Haushalte. BENE erzählt lebensbejahende Geschichten, die in einer journalistischen Bandbreite von Reportagen, Interviews, Portraits oder Hochglanz-Fotos präsentiert werden. Das Gute steht im Mittelpunkt. Mit Blick auf die hohe Zahl von Lesern, die kaum mehr Kontakt zu ihrer Kirche haben, will die Redaktion keine Kirchenklischees bedienen. Ziel ist es, die Lebenswelt der Leser widerzuspiegeln, mit ihnen in Kontakt zu treten und diese Bindung zu stärken. Auch online und in sozialen Netzwerken bringt die BENE-Redaktion ihre Themen an ihre Leser.

„Das RuhrWort bleibt als Kind seiner Zeit für die Nachwelt eine wertvolle dokumentarisch-informative Quelle zur Geschichte des Ruhrbistums und zur kirchlichen Zeitgeschichte“, ist Severin Gawlitta überzeugt. Seit 2014 veröffentlicht ein Team aus freien Journalisten und Redakteuren das „Neue Ruhrwort“ als unabhängige Publikation.

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