Duisburg: Viereinhalb Jahre Haft für Stich in den Hals

Gericht : Viereinhalb Jahre Haft für Stich in den Hals

Streit in Hochfeld endete blutig. Landgericht verurteilte 52-Jährigen wegen versuchten Totschlags.

(bm) Mit einem deutlichen Urteil endete der Prozess gegen einen 52-jährigen Bulgaren aus Hochfeld. Wegen versuchten Totschlags verurteilte ihn das Landgericht am König-Heinrich-Platz zu vier Jahren und drei Monaten Gefängnis.

Der Mann hatte zugegeben, in der Nacht zum 28. Dezember 2018 einen Gast in seiner Heimstatt – einem Raum in einer zimmerweise vermieteten Wohnung – an der Hochfelder Blücherstraße, schwer verletzt zu haben. Mit einer Verbandsschere hatte der 52-Jährige dem Geschädigten eine fünf Zentimeter tiefe Wunde in der rechten Halsseite zugefügt, wobei er die Halsschlagader nur sehr knapp verfehlte.

Was Auslöser des voran gegangenen Streits war, konnte die 5. Große Strafkammer im Urteil nicht mit letzter Sicherheit feststellen. Möglicherweise spielte ein Handy des Angeklagten eine Rolle, das während des Aufenthaltes des Geschädigten und dessen Begleiterin in der Wohnung des 52-Jährigen angeblich verschwunden sein soll. Aber auch Annäherungsversuche des Angeklagten an die Begleiterin des Geschädigten könnten Auslöser der Auseinandersetzung gewesen sein, die zunächst verbal geführt worden war und dann rasch blutig wurde.

Der Angeklagte hatte beteuert, er habe nur in Notwehr gehandelt, als der Geschädigte ihn mit einem Messer bedrohte und Stichbewegungen in seine Richtung gemacht habe. Die Richter sahen diese Darstellung am Ende der mehrtägigen Beweisaufnahme als widerlegt an. Der Angeklagte habe ohne rechtfertigenden Grund spontan zu der Schere gegriffen und zugestochen.

Zu Gunsten des 52-Jährigen wirkte sich im Urteil vor allem aus, dass dieser zuvor noch nie mit dem Gesetz in Konflikt geraten war. Außerdem billigte die Kammer dem Angeklagten mildernde Umstände zu: Zur Tatzeit hatte der Täter rund drei Promille Alkohol im Blut gehabt und war nach Ansicht eines psychiatrischen Sachverständigen nicht voll zurechnungsfähig gewesen. Seine Handlungen habe der Mann aufgrund der erheblichen Alkoholisierung nur noch bedingt steuern können.

Zwar gab es Anhaltspunkte dafür, dass der 52-Jährige bereits seit geraumer Zeit alkoholabhängig ist. Änderungen am Urteil bedeutete das aber nicht. Mit dem Urteil wurde die in vergleichbaren Fällen übliche Unterbringung in einer Entziehungsanstalt nämlich nicht ausgesprochen. Die Kammer sah keine ausreichenden Erfolgsaussichten für eine Behandlung: Um eine Therapie zu absolvieren, spricht der Angeklagte zu wenig Deutsch.

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