Duisburg: Vielseites Programm im Verein für Literatur Duisburg

Literaturverein : Von Theodor Fontane bis Frank Goosen

Mit einem ungewöhnlichen wissenschaftlich-literarischen Abend startet am 13. September der Verein für Literatur in eine neue, überaus interessante Saison. Die 160 Vereinsmitglieder haben stets freien Eintritt.

Wie für jede literarische Saison in Duisburg wählt Jan-Pieter Barbian, Bibliotheksdirektor und zugleich ehrenamtlicher Geschäftsführer im Verein für Literatur Duisburg, ein besonderes Motto für das Programm. Diesmal ist es ein Fontane-Zitat: Der Autor wurde vor 200 Jahren geboren (am 30. Dezember), schrieb seine berühmten Romane erst ab dem 59. Lebensjahr und war zunächst ein Kollege desjenigen, der dies gerade schreibt: ein Journalist. „Das beste bleibt doch immer das Menschenherz“, schrieb Fontane einst in einem Brief. „Ein wunderschönes Zitat“, fand auch Thomas Diederichs, Volksbank-Chef und ehrenamtlicher Vorsitzender des Vereins, dessen Mitgliederzahl im Vergleich zum Vorjahr erfreulicherweise gestiegen ist (aktuell sind es 160 Mitglieder). Das kommende Programm ist so interessant, dass die Mitgliederzahl durchaus noch weiter steigen könnte.

Die neue Saison startet am 13. September mit einem eher ungewöhnlichen Abend. Der junge Literaturwissenschaftler Jörg-Philipp Thomsa, der an der Uni Duisburg-Essen über „Kulturpolitik in einer Industrie- und Arbeiterschaft: Duisburg 1945 bis 2005“ promoviert wurde, stellt seine Doktorarbeit im Gespräch mit dem bekannten Schriftsteller Feridun Zaimoglu vor. Zaimoglu wurde durch seinen Roman „Ruß“, bei dem Duisburg ein Schauplatz ist, bekannt. Thomsa ist seit 2009 Leiter des Günter Grass-Hauses in Lübeck.

Es gibt Romane, bei denen man gewissermaßen vorhersagen kann, dass sie Bestseller werden. Ein solcher Roman ist „Eine Geschichte des Windes“ von Raoul Schrott. Schrott nimmt die Leser auf eine Abenteuerreise mit, die vor 500 Jahren stattfand. Erst im September wird der Roman erscheinen, der uns mit Menschen im Umfeld von Magellan (1480 bis 1521) bekannt macht. Am 7. Oktober ist Raoul Schrott in der Zentralbibliothek zu Gast.

Josefine Rieks und Karosh Taha werden bislang nur wenige Leser kennen. Das könnte sich schnell ändern, denn die beiden jungen Autorinnen (Jahrgang 1988 und 1987) wurden vor kurzem mit dem Förderpreis des Landes ausgezeichnet. Am 10. Oktober stellt Maren Jungclaus vom Literaturbüro NRW die beiden Autorinnen in der Zentralbibliothek vor. Dabei liest Josefine Rieks aus ihrem Roman „Serverland“ und Karosh Taha aus „Beschreibung einer Krabbenwanderung“.

Bereits neun Tage später liest die bekannte und zugleich exzellente Schauspielerin Claudia Michelsen aus den Erinnerungen von Marlene Dietrich. „Sag mir, wo die Blumen sind...“ ist der Abend überschrieben, der eine Hommage an eine Schauspielerin ist, die sich bereits 1933 entschieden von den Nazis abgewendet hat, obwohl sie unter Goebbels Karriere hätte machen können.

Schnell ausverkauft wird der 7. November in der Zentralbibliothek sein. Frank Goosen liest dann aus seinem neuen Roman „Kein Wunder“, den Jan-Pieter Barbian am Montag mit ansteckender Begeisterung vorstellte. Die Anlage des Romans ist schon bemerkenswert: Wir schreiben das Jahr 1989. Ein moderner Taugenichts, Fränge genannt, der sich durchs Leben mogelt, hat eine Freundin in Westberlin und eine in Ostberlin, die voneinander natürlich nichts wissen. Da stört der Mauerfall Fränge ganz gehörig bei seinem Liebes-Doppelleben...

Immer wieder gern gesehen und gern gehört ist Christian Brückner. Am 11. November liest der Schauspieler und glänzende Rezitator aus dem Erzählband „Auf dieser bösen Erde“ von Amos Oz (1939 bis 2018). Der Abend findet in Koopertion von Literaturverein und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Duisburg-Mülheim-Oberhausen statt. – Hilmar Klute ist als kluger Journalist und Essayist bekannt, der u.a. eine exzellente Biografie über Joachim Ringelnatz („War einmal ein Bumerang“) geschrieben hat. Vor kurzem erschien sein Roman-Debüt mit dem Titel „Was dann nachher so schön fliegt“. Überaus geschickt, vermutlich auch mit autobiographischen Erfahrungen gespickt, werden die Widersprüche eines jungen Mannes geschildert, der in einem Altenheim Zivildienst leistet und zugleich in der Berliner Literaturszene Fuß fassen möchte. Jan-Pieter Barbian verspricht ein „grandioses Romanerlebnis“. Am 22. Januar kann man Hilmar Klute persönlich in der Zentralbibliothek kennenlernen.

Andreas Lukoschik. Foto: Hannes Magerstaedt
Claudia Michelsen. Foto: Stefan Klüter
Frank Goosen. Foto: Ira Schwindt
Jan-Pieter Barbian (l.)  ist Geschäftsführer, Thomas Diederichs 1. Vorsitzender des Vereins für Literatur. Foto: Peter Klucken

Mit dem inneren Ohr hört man die steinreiche und ansonsten ziemlich bornierte Dame die Fragen stellen, die man als Realsatire nur zu zitieren braucht: „Ist das Schiff schon mal untergegangen?“ und „Schläft das Personal auch an Bord?“ Der Schauspieler Andreas Lukoschik, Grimmepreisträger und Hauptakteur der satirischen Gesellschaftssendung „Leo’s“ hat beruflich mehr als zwei Dutzend Kreuzfahrten erlebt. Darüber hat er köstliche Kabinettstückchen geschrieben, von denen er, der „Loriot der Kreuzfahrtwelt“, einige am 13. März vorstellen wird.

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