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Duisburg: Verspätete Premiere des Maskentheaters "Klasse Glück"

Maskentheater in Duisburg : Verspätete Premiere von „Klasse Glück“ ist ein Erfolg

Mit dreimonatiger Corona-bedingter Verspätung feierte jetzt „Klasse Glück“ Premiere im großen Haus, das derzeit mit 100 Zuschauern als „ausverkauft“ gilt. Es ist eine Koproduktion vom Theater Duisburg und dem Berliner Theater Strahl

Die Aufführung sollte ein Höhepunkt der Duisburger „Glücks-Akzente“ und zugleich des diesjährigen Theatertreffens sein. Die Pandemie machte die Premiere, die für den 26. März vorgesehen war, zunichte. Nach rund dreimonatiger Verzögerung konnte die prestigeträchtige Koproduktion des Theaters Duisburg und des Berliner Theaters Strahl nun nachgeholt werden. „Klasse Glück“ gehört zur Reihe der erfolgreichen Maskentheater-Produktionen, mit denen das Berliner Ensemble vor zwölf Jahren startete. Und auch dieses Stück konnte an die Erfolgsserie anknüpfen, die in Duisburg einst mit „Klasse Klasse“ gestartet war.

„Klasse Glück“ erzählt die Geschichte einer Schulklasse, die nach ihrem Abschluss noch einmal zu einer großen Party in einem Wald zusammenkommt. Die unterschiedlichen Typen werden zu Beginn bei der Zeugnisübergabe schlaglichtartig vorgestellt. Da gibt es die schüchterne Brave, den verklemmten Streber, den Draufgänger, den langhaarigen Musiker, den die Schule weniger als mäßig interessiert, oder auch den Supercoolen, der noch nicht einmal einen Blick ins Zeugnis wirft.

Im Wald treffen sich die jungen, mit ihren Masken herrlich typisierten Leute wieder. Sie wollen Spaß haben, ihre neue Freiheit genießen, Freundschaften pflegen, anstreben oder auch austesten. Liebeleien werden angebahnt und wieder abgebrochen. Ein Junge findet heraus, dass er lieber Mädchenschuhe tragen möchte und sich gerne schminkt. Zwei andere machen Drogenerfahrungen. Ein Mädchen protzt vor Lebenslust, während ein anderes großen Kummer hat: Sie ist schwanger!

Zum Erfolg des Maskentheaters trägt Beatbox-Vizeweltmeister Daniel Mandolini bei. Foto: Jörg Metzner

Das alles wird pantomimisch hinreißend dargestellt. Wobei eine Alptraum-Szene, bei der die Schwangere sich eine graue Zukunft ausmalt, ein Höhepunkt ist. Aber es wird kein Trübsal geblasen, auch für dieses Mädchen gibt es ein Happyend.

„Klasse Glück“ ist zwar nicht so kohärent inszeniert wie „Infinita“, dem Paradestück des Maskentheater-Ensembles „Familie Flöz“, doch war der langanhaltende Applaus der 100 Besucher (mehr waren in dem 1000-Plätze-Haus noch nicht zugelassen) verdient. Maßgeblich zum Erfolg des Maskentheaters trägt der Beatbox-Vizeweltmeister Daniel „Mando“ Mandolini bei, ein Geräusch-Virtuose, der für einen furiosen Sound und herrlich komische Lautspielereien sorgt. Diesmal wurde er noch von anderen Ensemble-Mitgliedern an Gitarre, Akkordeon, Ukulele, Cajon und Xylophon unterstützt.

All das sorgte für einen unbeschwerten Theaterabend, den man durchaus als Glücksmoment in diesen schwierigen Zeiten werten kann.

Ein Riesenkompliment verdienen die Darsteller: Wenn man glaubte, dass diese als Maskenträger beste Voraussetzungen für die zurzeit geltenden Corona-Regeln hätten, irrt man sich: Lukas Besuch, Roberta Delben, Jana Heilmann, Melanie Schmidle und Manuel Tschernik waren verpflichtet, unter ihren Masken einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Auch musste die Inszenierung (Regie: Stefan Lochau, Co-Regie: Dana Schmidt) den Abstandsregeln angepasst werden. Besonders intensive Arbeit in die Inszenierung musste auch Maskenbauer Michael Vogel, in Duisburg als Mitgründer der „Familie Flöz“ bekannt, investieren: Sämtliche Masken mussten so bearbeitet werden, dass ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden konnte. Auch musste er für alle Masken, die von mehreren Spielern getragen werden, wegen des Infektionsschutzes Duplikate bauen.

Als Zuschauer merkte man von den Strapazen der Darsteller aber nichts. Es bleibt zu hoffen, dass „Klasse Glück“ in der nächsten Spielzeit vor einem wirklich vollbesetzten Duisburger Theater zu erleben ist.