Brand unter der A59-Brücke und Bombenentschärfung: Duisburg versinkt im totalen Verkehrschaos

Brand unter der A59-Brücke und Bombenentschärfung: Duisburg versinkt im totalen Verkehrschaos

Mit einem Feuer unter der A59-Brücke in Untermeiderich ging es gestern kurz nach 3 Uhr morgens los, mit der Entschärfung von zwei Zehn-Zentner-Bomben mit Aufschlagzündern am Rande der A40 am Ruhrdeich endete gestern Abend ein Tag, wie ihn Autofahrer in Duisburg vielleicht noch nie erlebt haben.

Mit einem Feuer unter der A59-Brücke in Untermeiderich ging es Montag kurz nach 3 Uhr morgens los, mit der Entschärfung von zwei Zehn-Zentner-Bomben mit Aufschlagzündern am Rande der A40 am Ruhrdeich endete ein Tag, wie ihn Autofahrer in Duisburg vielleicht noch nie erlebt haben.

Der Brand unter der Brücke war derart heftig, dass Straßen.NRW das Bauwerk ab dem Kreuz Duisburg in Richtung Norden noch vor Einsetzen des morgendlichen Berufsverkehrs sperren ließ. Die A59 bleibt in diesem Abschnitt noch bis mindestens Donnerstag dicht.

Bombenentschärfung nahe der A40

Zu allem Übel: Im Tagesverlauf wurde auf einem Gelände an der Fährstraße in Duissern ein verdächtiger Gegenstand ausgegraben, der sich als eine Zehn-Zentner-Bombe mit Aufschlagzünder entpuppte. Die Bezirksregierung entschied, dass der Blindgänger noch am gleichen Tag entschärft werden musste. Und weil am Ruhrdeich in Höhe der Metro ein genau so explosives Geschoss noch im Boden schlummerte - diese Bombe war im Februar entdeckt worden, konnte aber wegen des Hochwassers damals nicht entschärft werden, sondern war wieder zugebuddelt worden - ging der Kampfmittelräumdienst ab 20 Uhr gleich an zwei Stellen im Stadtgebiet zu Werke.

Das Chaos auf den Duisburger Straßen war wegen der A59-Sperrung unvergleichlich. Auf allen Straßen von der Innenstadt in Richtung Norden, die über die Ruhr führten, staute es sich. Vier Kilometer in einer Stunde - wer mit diesem Tempo vorwärts schlich, der war noch gut bedient. Weil sich überall Rückstaus bildeten, bekamen nahezu alle Autofahrer, die im Innenstadtbereich unterwegs waren, die Folgen zu spüren.

Manch einer, der aus Richtung Düsseldorf kam, wollte klug sein und verließ die A59 schon im Süden, doch er landete gleichfalls im Stau. Denn auf diese Idee waren viele gekommen. Die Stadt schaltete im Verlauf des Nachmittags sämtliche Ampelanlagen an den großen Zufahrtsstraßen um, damit vor allem der Verkehr in Richtung Norden besser fließen konnte - die Entlastung war kaum spürbar.

Das Feuer unter der Autobahnbrücke, das möglicherweise gelegt worden war, hat verheerenden Schaden angerichtet. Auf einer Länge von rund 300 Metern hat es Stahlseile beschädigt, die für die Statik des Bauwerks wichtig sind. Bis Donnerstag wollen Experten weitere Materialproben vom Stahl und Beton des Brückenzuges untersuchen sowie erneut statische Berechnungen anstellen. Erst dann wird Straßen.NRW entscheiden, ob die Brücke bei fließendem Verkehr repariert werden kann oder ob es zu einer Sperrung beziehungsweise einer Teilsperrung kommen wird.

Die Duisburger Straßenmeisterei ging bereits von einer längeren Sperrung aus. "Es handelt sich um eine erste Prognose, aber ich glaube, dass die Reparaturarbeiten nicht vor Sonntag abgeschlossen werden können", sagt Hermann Kunert, Leiter der Autobahnmeisterei. Derzeit werde geprüft, ob es Schäden innerhalb der Brücke gibt. Falls dies der Fall sei, könnte "es sein, dass wir mit der Woche nicht hinkommen."

Die Feuerwehr war Montagmorgen gegen 3.20 Uhr zum Parkplatz an der Sommerstraße unterhalb der Berliner Brücke gerufen worden. Beim Eintreffen der Einsatzkräfte standen dort ein mit Holzpaletten beladener Lkw und einige in der Nähe geparkte Pkw in Flammen. Die Feuerwehr war mit 25 Einsatzkräften vor Ort, um die Flammen zu löschen. Der Einsatz war gegen 5.30 Uhr beendet.

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"Eine dauerhaft gesperrte A59 wäre ein Worst-Case-Szenario"

Richtig problematisch wurde es, als kurz nach Ende der Löscharbeiten die A59 am Kreuz Duisburg, Fahrtrichtung Dinslaken, gesperrt wurde. Auf der Stadtautobahn reichte der Rückstau (aus Richtung Düsseldorf) beim Einsetzen des Berufsverkehrs aus Düsseldorf bis fast zum Autobahnkreuz Süd zurück. Ob auf dem Sternbuschweg, der Mülheimer Straße, auf der Koloniestraße oder der Schweizer Straße, ob auf dem Ruhrdeich, dem Karl-Lehr-Brückenzug, auf der Ruhrorter Straße oder der Steinschen Gasse, ob rund ums Marientor oder um den Hauptbahnhof - überall war mehr oder minder Stillstand! Wer hoffte, über die A3 ausweichen zu können, landete gleich im nächsten Stau. Zwischen Wedau und dem Kreuz Oberhausen stand der Verkehr - Wartezeit: zwei Stunden.

"Eine dauerhaft gesperrte A59 wäre ein Worst-Case-Szenario", sagte IHK-Verkehrsexperte Ansgar Kortenjan am Vormittag, nicht ahnend, was ein paar Stunden später auf Duisburg zukam. "Über die Berliner Brücke fahren täglich 70.000 Autos. Sie ist eine wichtige Verbindung für Schwerlastverkehre. Die umliegende Verkehrsinfrastruktur kann dieses zusätzliche Verkehrsaufkommen nicht kompensieren."

Die Kriminalpolizei versucht seit Montagvormittag zu klären, ob es sich bei dem Feuer unter der A59-Brücke um Brandstiftung gehandelt hat. Bereits am Samstag und vor etwa einem Monat waren in Meiderich Pkw ausgebrannt. Die Polizei schließt einen Zusammenhang nicht aus. "Die Ermittlungen laufen noch", sagte Polizeisprecherin Stefanie Bersin. "Im aktuellen Fall haben wir neben dem ausgebrannten Lkw fünf beschädigte Autos gezählt. Derzeit sind wir auf der Suche nach Zeugen." Sie können sich unter der Rufnummer 0203 2800 melden.

Normalerweise hätte sich die Verkehrslage zum Abend hin entspannt. Doch ab etwa 19 Uhr musste die A40 zwischen dem Kreuz Kaiserberg und dem Rhein gesperrt werden. Das gesamte Autobahnkreuz Duisburg war damit gleichfalls dicht. Denn A59 wie A40 lagen in der Sicherheitszone, die rund um die Fundorte von zwei Blindgängern geschlagen worden war. Die eine Zehn-Zentner-Bombe mit Aufschlagzünder wurde Montagmorgen in der Nähe der Fährstraße, die andere - auch Zehn-Zentner mit gleichem Zündertyp - war bereits vor Wochen am Ruhrdeich schräg gegenüber der Metro ausgebuddelt und dann wieder zugeschüttet worden. Sie war im Februar entdeckt worden. Doch wegen des damaligen Hochwassers lief die Grube immer wieder voll, so dass die Entschärfung verschoben werden musste. Weil die beiden Sprengkörper so dicht beieinander lagen und Evakuierung- bzw. Sicherungsmaßnahme eh notwendig waren, wurden am Abend beide Blindgänger entschärft.

In der Evakuierungszone rund um die Bombe am Ruhrdeich wohnen keine Menschen, in der an der Fährstraße zehn Personen. Die sich überschneidenden Sicherheitszonen tangierten gestern rund 3700 Bewohner. Sie mussten während der Entschärfung in ihren Wohnungen bleiben und waren aufgefordert, die Fenster geschlossen zu lassen und sich in Räumen aufzuhalten, die dem jeweiligen Fundort abgewandt sind. Auch mehrere Sportplätze südlich der Futterstraße lagen in der gesperrten Zone. Die Sicherheitszone der Ruhrdeich-Bombe umfasste weite Teile des Innenhafens und reichte bis über die Kardinal-Galen-Straße hinweg.

Die Bombenentschärfungen wirkten am Abend unter anderem auch auf den Busverkehr der Duisburger Verkehrsgesellschaft aus, deren Betriebshof in der Evakuierungszone lag. Etliche Haltestellen konnten am Abend vorübergehend nicht angesteuert werden. Die Entschärfung konnte planmäßig beginnen. 58 Polizisten, 35 Feuerwehrleute und 90 Mitarbeiter des Ordnungsamtes waren im Einsatz, um sicherzustellen, dass keiner in den abgesperrten Bereich gelangen konnte.

Um 21.17 Uhr gab die Stadt Entwarnung: Die Bomben wurden erfolgreich entschärft.

Hier geht es zur Bilderstrecke: A59-Brücke in Duisburg durch Brand beschädigt

(RP)