Kunstwerk zur Ruhrtriennale: Duisburg verhindert Skulptur mit Hinweis auf Loveparade-Katastrophe

Kunstwerk zur Ruhrtriennale : Duisburg verhindert Skulptur mit Hinweis auf Loveparade-Katastrophe

Die Stadt Duisburg hat dem Künstler Gregor Schneider kurzfristig eine Absage für den Aufbau einer Raumskulptur erteilt. Das begehbare Tunnellabyrinth mit dem Titel "Totlast" sollte im Lehmbruck-Museum installiert werden. Nach Ansicht der Stadt sei ein solches Kunstwerk, das mit der "Orientierungslosigkeit spielt" , nach der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten im Jahr 2010 nicht umzusetzen.

Oberbürgermeister Sören Link (SPD) hat entschieden, dass das Kunstwerk "Totlast" aus begehbaren Röhren nicht realisiert wird. Das bestätigte die Stadt Duisburg am Montag. Die Absage rief Kritik der Ruhrtriennale hervor, die diese für das Lehmbruck-Museum entworfene Skulptur in ihrem Programm eingeplant hatte. Das Festival sucht nun nach Alternativen, um dem Künstler einen neuen Standort für ein Kunstwerk zu bieten.

Kunstwerk spielt mit Paniksituationen

"Duisburg ist noch nicht reif für ein Kunstwerk, dem Verwirrungs- und Paniksituationen immanent sind, welches mit dem Moment der Orientierungslosigkeit spielt", begründete Link in einer Mitteilung seine Entscheidung. Die Wunden der Loveparade seien noch nicht geschlossen, die juristische Aufarbeitung stehe noch am Anfang.

"Der Künstler, das künstlerische Team der Ruhrtriennale und das Museum kritisieren diesen Vorgang entschieden", erklärte zuvor das Büro der Ruhrtriennale am Montag und wies damit auf die Entscheidung im Rathaus hin. Es werde geprüft, ob Schneider in einer anderen Ruhrgebietsstadt kurzfristig eine neue Arbeit realisieren könne.

Die Entscheidung ist nach Angaben der Stadt im Nachgang an eine Verwaltungsvorstandskonferenz von Ende Mai gefallen. Damals hätten baurechtliche Fragen zu dem Kunstwerk auf der Tagesordnung gestanden.
Nach Darstellung der Ruhrtriennale ist deren Intendant allerdings erst vor gut zwei Wochen über die Absage informiert worden.

Öffentlich sind die Pläne zu dem Kunstwerk in Duisburg spätestens seit Anfang April, als das Programm des diesjährigen Kunstfestivals vorgestellt wurde. "Ich bedaure ausdrücklich, dass meine Entscheidung am Ende eines Prozesses gefallen ist, in den von vielen Stellen Arbeit und Engagement investiert wurde", räumte Link ein.

Massenpanik forderte 21 Menschenleben

Am 24. Juli 2010 waren bei einer Massenpanik auf dem engen Zugang zum Loveparade-Gelände in Duisburg 21 Menschen ums Leben gekommen. Hunderte Menschen wurden verletzt. Die Staatsanwaltschaft erhob Anfang des Jahres Anklage gegen zehn Beschuldigte wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. Die Entscheidung des Duisburger Landgerichtes über die Zulassung der Anklage steht noch aus.

Gregor Schneider ist bekannt für oft labyrinthartige Ein- und Umbauten in Galerien und Museen, die mit Enge und Raumwahrnehmung spielen und verstörend wirken können. 2001 gewann er den Goldenen Löwen der Biennale in Venedig. Zur Zeit zeigt Schneider seine Arbeit "Synagoge Stommeln" in Pulheim bei Köln. Für die Rauminstallation ließ er das frühere Gotteshaus hinter der Fassade eines eintönigen Familienhauses verschwinden.

(dpa)