Duisburg: Verein Livingroom macht Meidericher Kids stark

Förderung in Meiderich : Verein Livingroom macht Kinder stark

Der Verein kümmert sich um Jugendliche, die es in ihrem Leben nicht einfach haben. Es geht vor allem um die Förderung des Selbstbewusstseins.

Jamein (8) und Sam (5) schauen schon mal in der Küche nach, was es in Kürze zu essen gibt. Im Backofen brutzelt derweil eine goldbraune Lasagne vor sich hin. Damit sind die beiden offensichtlich einverstanden. Sowieso sei alles, was die ehrenamtlichen Küchenhelfer auf den Tisch bringen, „total lecker“.

Die beiden Jungs gehören zu den rund 70 Kindern und Jugendlichen, die mehrmals in der Woche die Räumlichkeiten der „Kirche am Bahnhof“ im Zentrum Meiderichs aufsuchen. Dort erfahren sie Unterstützung bei den Hausaufgaben, entdecken ihre Fähigkeiten bei zahlreichen Workshops, entwickeln Selbstbewusstsein in der „Mut AG“ oder spielen auch ganz einfach gemeinsam. Die Räume hat die Evangelische Freikirche dem 2013 gegründeten Verein „Livingroom“  zur Verfügung gestellt. „Das ist ein Glücksfall und dafür sind wir auch sehr dankbar“, betont Amadeus Sommer, der gemeinsam mit seiner Kollegin Maybritt Remberg die Kids sozialpädagogisch betreut. „Wir konnten die Räume nach unseren Bedürfnissen gestalten“, freut sich Sommer über die Unterstützung der Kirche. So konnte eine Küche eingerichtet werden, ein Raum für die Hausaufgabenbetreuung sowie ein Wohnzimmer, in dem die Kinder und Jugendlichen sich auch einfach nur vom Tagesstress erholen können. Aber auch ein Kreativbereich steht für verschiedene Nutzungen zur Verfügung und auch ein kleiner Speisesaal.

Livingroom-Leiter Amadeus Sommer und Schülerin Kira (l.) helfen Selina und Jolina bei den Hausaufgaben. Foto: Andreas Probst

Ganz wichtig ist der mit Matten und Sportgeräten ausgestattete Bewegungsraum. Amadeus Sommer: „Gerade bei den motorischen Fähigkeiten gibt es in dieser Altersgruppe Defizite, die hier aufgearbeitet werden können.“ Und wer Ärger abbauen möchte, kann einen Original-Box-Sandsack solange bearbeiten, bis es ihm besser geht. Im Außenbereich gibt es zum Austoben noch einen Fußball-Käfig und auch zwei Hochbeete, in denen Tomaten, Kräuter und Radieschen wachsen und natürlich in der Küche Verwendung finden.

An schönen Sommertagen geht es mit der fahrbaren Spiel- und Sportkiste auch schon mal in die benachbarten Parks, sogar eine Fahrradtour  stand in diesem Jahr auf dem Programm. Betreut und gefördert werden Kinder und Jugendliche, die es in ihrem noch jungen Leben nicht ganz so einfach haben. „Wir haben hier mit 26 Prozent den größten Anteil an Ein-Elternteil-Haushalten in Duisburg“, erläutert der aus dem Schwarzwald stammende Erzieher. Dass 38 Prozent der Meidericher Haushalte Sozialhilfe beziehen, verschärft die Situation nochmal. „Livingroom“ möchte Kinder stärken und ihr Selbstbewusstsein fördern, aber auch ein Stück weit Geborgenheit bieten. „Wir finanzieren uns durch Spenden, für einzelne Projekte können wir Zuschüsse beantragen,  fest einplanbare staatliche Gelder erhalten wir nicht“, beschreibt Sommer die finanziellen Bedingungen, unter denen die Mitarbeiter – darunter viele Ehrenamtliche – den Betrieb aufrechterhalten.

Jolina und Salina (beide elf) konzentrieren sich gerade auf ihre Mathe-Aufgaben. Lea, „die bald schon sieben wird“, malt in der Zwischenzeit ein schönes buntes Bild. Hilfestellung bieten dabei Kira (17), selbst Schülerin des Neudorfer Gertrud-Bäumer-Berufskollegs und Informatikstudent Piet. Dass ihre Arbeit dazu führt, dass der eine oder andere Schüler sich in den Schulnoten bereits verbessert hat, macht sie schon ein wenig stolz.

Mirela van der Velden macht die Arbeit bei „Livingroom“ sichtlich Spaß: „Ich habe gelesen, dass Hilfe gebraucht wird. Da habe ich mich einfach gemeldet. Ich kann kochen, gut organisieren, das passt schon.“

Marlies Pinkall hat mit ihrer jungen Küchen-Partnerin die Lasagne zubereitet, dazu gibt es Salat und eine Nachspeise. In der Küche arbeiten – wie in anderen Bereichen – mehrere Ehrenamtliche im Wechsel. Die Meidericher Rentnerin ist mit viel Herzblut dabei: „Es ist doch schön, wenn die Kinder zu einem kommen und sagen, wie lecker wieder alles war.“

Wer den Verein „Livingroom“ unterstützen möchte, kann das momentan problemlos bei seinem Einkauf tun. Die Meidericher Institution ist der diesjährige Förderkorb-Gewinner des Discounters „Penny“. Spenden kann man durch das Aufrunden seines Rechnungsbetrages. Mit dem Satz „Stimmt so“ kann man an der Kasse auf einfachem Weg Gutes bewirken.