Duisburg: Verein Gegen Vergessen - Für Demokratie verschenkt Bildung

Politische Bildung : Verein „Gegen das Vergessen“ verteilt Schulpakete in Duisburg

Der Verein „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ verschenkt Materialien zur Demokratiegeschichte an Schulen.

Die Vereinigung „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ zählt bundesweit insgesamt rund 2000 Mitglieder. Die Duisburger Arbeitsgruppe dieses gemeinnützigen Vereins ist dabei besonders engagiert und fällt immer wieder positiv durch ihre originellen Aktionen auf. Das ist gewiss auch ein Verdienst ihres Sprechers Wolfgang Braun, der – kräftig unterstützt von seiner Ehefrau Elke – eine vorzügliche Öffentlichkeitsarbeit leistet. Vieles, was der Verein in Duisburg und der Rhein-Ruhr-Region leistet, wird in der Berliner Zentrale von „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ als vorbildlich herausgestellt. Dazu gehört auch die jüngste Aktion, die „Schulpaket“ genannt wird.

„Schulpaket“ ist dabei nicht unbedingt wörtlich zu verstehen, denn es handelt sich genau genommen um jeweils zwei Stofftaschen, bedruckt mit der Aufschrift „Zeit für Demokratie“. Dabei enthält die blaue Stofftasche ein dickes Buch und mehrere Broschüren; diese jeweils in doppelter Ausführung. Die andere Stofftasche enthält einen ganzen Satz so genannter Demokratiedeckel, die man auch als Glasuntersetzer oder gar Bierdeckel benutzen kann.

Diese Demokratiedeckel hat „Gegen Vergessen – Für Demokratie“ bereits 2018 in Umlauf gebracht – sie haben sich als „Renner“ erwiesen. Mittlerweile kursieren in Duisburg 90.000 dieser Deckel, demnächst werden noch einmal 10.000 nachgeliefert. Es gibt verschiedene Motive bei diesen Deckeln. Sie heißen „Leben und leben lassen“, „Wählen! Mit dem Kopf! Und nicht aus dem Bauch!“, „Ab in die Kabine – wählen gehen!“ oder auch „Jede Jeck ist anders“. Die Rückseiten der Deckel sind allesamt gleich bedruckt. Zitiert werden die „vier Freiheiten“, die der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt in der Rede zur Lage der Nation im Jahr 1941 gehalten hat: die Freiheit der Rede und des Ausdrucks, die Freiheit jeder Person, Gott auf ihre Weise zu ehren, die Freiheit von Not sowie die Freiheit von Furcht. Mit den Demokratiedeckeln sollen auf unkonventionelle Weise und ohne Hürden demokratische Grundwerte im alltäglichen Umgang vermittelt werden. Die Aktion habe sehr viel Zuspruch bekommen, sagt Wolfgang Braun.

Der Inhalt der blauen Tasche ist hingegen gewichtiger und nicht spielerisch gemeint. Jede Tasche enthält ein Exemplar des 848 Seiten starken Buches „Orte der Bücherverbrennung in Deutschland 1933“. Einer der beiden Herausgeber ist Julius H. Schoeps, der einst an der Universität in Duisburg lehrte, hier das Salomon-Ludwig-Steinheim-Institut mitgründete und später Gründungsdirektor des Moses-Mendelssohn-Zentrums für europäisch-jüdische Studien in Potsdam wurde. Neben diesem Band enthält jede blaue Stofftasche mehrere Eigenpublikationen der Vereinigung „Gegen Vergessen – Für Demokratie“, darunter ein Praxishandbuch „Widersprechen! Aber wie?“ oder auch „Kommunistische Diktaturerfahrungen“.

Insgesamt wurden 30 solcher aus jeweils zwei Stofftaschen bestehenden „Pakete“ an weiterführende Schulen in Duisburg verteilt. Wobei der Schoeps-Band, der immerhin im Buchhandel 40 Euro kostet, als Handreichung für Lehrer oder als Standardwerk für die Schulbibliothek gedacht ist. Zehn weitere „Schulpakete“ seien, so Wolfgang Braun, in Planung, wobei der Schoeps-Band durch ein anderes Buch, nämlich „Flagge zeigen? – Die Deutschen und ihre Nationalsymbole“, ersetzt wird.

Die Arbeit mit Schulen und Jugendorganisationen ist nur ein Teil der Arbeit des gemeinnützigen Vereins, wenn auch ein gewichtiger. So hat er kürzlich Zeitzeugen des Mauerfalls von 1989 zu Begegnungen an Duisburger Schulen vermittelt. Zurzeit arbeitet der Duisburger Politologe und Historiker  Günther Neumann, der ebenfalls dem Vereinsvorstand angehört, an einer Fotodokumentation über 35 Mahn- und Gedenktafeln zu nationalsozialistischen Unrechtstaten auf Duisburger Stadtgebiet.