Philharmonisches Konzert Cellokonzert als Sinkflug

Duisburg · Im Mittelpunkt des jüngsten, zwölften Philharmonischen Konzerts in der klimatisierten Philharmonie Mercatorhalle stand die Uraufführung „Icaro“ von Hauke Berheide.

 Die Duisburger Philharmoniker spielten Hauke Berheides Werk umrahmt von Stücken von Richard Wagner und Antonin Dvorák.

Die Duisburger Philharmoniker spielten Hauke Berheides Werk umrahmt von Stücken von Richard Wagner und Antonin Dvorák.

Foto: Zoltan Leskovar

Als Auftragswerk der Duisburger Philharmoniker komponierte der 1980 in Duisburg geborene Hauke Berheide in den vergangenen zwei Jahren sein Konzert für Violoncello und Orchester „Icaro“. Darin beschäftigt er sich mit dem altgriechischen Mythos des Ikarus, der zunächst mit seinem Vater Dädalus im Labyrinth des Königs Minos auf Kreta gefangen gehalten wird, dann aber mit einem selbstgebauten Fluggerät der Sonne zu nahe kommt und in den Tod stürzt. Den Komponisten interessierte nach eigener Aussage „diese Idee des kühnen Heranreichens an eine Höhe, die eigentlich übermenschlich ist, aus der man nur fallen kann. Darin steckt eine besondere Schönheit.“

Das neue Werk dauert fast eine halbe Stunde und hat drei Sätze in der gegenüber dem Gewohnten umgekehrten Folge ruhig-schnell-ruhig, wobei auf einen kürzeren Prolog zwei etwa gleich lange Sätze folgen und der inhaltliche Schwerpunkt im Finale liegt. Faszinierend wirkt gleich der Beginn, wo die vier Schlagzeuger und einige der Blechbläser mit Hilfe von Kristallgläsern einen akustischen Lichtstrahl erzeugen, durch den sich das Soloinstrument erst einmal durchkämpfen muss – im Schlusssatz wird es endgültig daran scheitern. Zuvor zeigt der wilde Mittelsatz, wie Ikarus im Labyrinth gewissermaßen ständig gegen die Wand rennt. Der Absturz ist dann schließlich mehr ein Sinkflug, dafür muss zuletzt sogar noch die tiefste Saite des Soloinstruments um einen Ton herabgestimmt werden. Der Komponist kommentierte den hochpoetischen Schluss seines Cellokonzerts so: „Und weil wir sinken, können wir singen. Sinnlos, glückhaft, sekundenlang frei.“

 GMD Axel Kober sprang für die erkrankte Gastdirigentin ein.

GMD Axel Kober sprang für die erkrankte Gastdirigentin ein.

Foto: Zoltan Leskovar

Zum Erfolg der Uraufführung trug sicherlich auch der Solist Maximilian Hornung mit seinen Zaubertönen bei. Der 1986 in Augsburg geborene Star-Cellist stellte sich selbstlos in den Dienst der antivirtuosen Komposition. Wem das zu wenig war, dem gab er eine Zugabe, nämlich den ersten Satz aus der ersten Cellosuite von Johann Sebastian Bach.

Der Rahmen war ein wenig geändert, denn leider konnte die vorgesehene ukrainische Gastdirigentin Oksana Lyniv aus gesundheitlichen Gründen nicht auftreten. Axel Kober, Chefdirigent und ab der kommenden Saison 2019/20 Generalmusikdirektor der Duisburger Philharmoniker, übernahm und setzte an den Beginn des Abends (statt der Suite Nr. 1 aus dem Ballett „Der steinerne Gast“ op. 16 des Ukrainers Vitali Hubarenko) nun Vorspiel und Liebestod aus der Oper „Tristan und Isolde“ von Richard Wagner. Nach der Pause kam wie geplant die Sinfonie Nr. 9 e-Moll op. 95 „Aus der Neuen Welt“ von Antonín Dvorák. Das waren gleichfalls vorzügliche, weil klare und mitreißende Aufführungen – umso bemerkenswerter, weil der Dirigent, dessen Terminkalender prall gefüllt ist, sich in diesem Zusammenhang kurzfristig ein ganz neues Werk erarbeiten musste.

Am 19. Juli werden die Duisburger Philharmoniker unter Kobers Leitung zum wiederholten Mal im Amsterdamer Concertgebouw gastieren. Das Programm ist dabei fast dasselbe wie im letzten Philharmonischen Konzert, nur anstelle des Cellokonzerts von Hauke Berheide gibt es dann „Vier letzte Lieder“ von Richard Strauss mit der Sopran-Solistin Annemarie Kremer.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort