Duisburg: Unermüdlicher Helfer für Bosnien

Bosnienhilfe: Kleine Schafsherde zum Überleben

Ungeachtet seiner jetzt 76 Jahre setzt Heribert Hölz seine 1992 gestartete Bosnienhilfe fort. Er steht persönlich für die gerechte Verteilung der Spendengelder gerade. Eine Frau spendete anonym 5000 Euro.

Natürlich weiß Heribert Hölz, dass die RP erst im Mai einen großen Artikel über die damals 88. Hilfsfahrt des Caritas-Mannes geschrieben hat. „Aber wenn ich nichts tue und nichts in der Zeitung steht, bekomme ich nicht die Spenden, um die Familienpatenschaften und sonstigen Hilfsaktionen weiterführen zu können, sagt er. „Wir können die Menschen in Bosnien doch nicht einfach ihrem Schicksal überlassen“, sagt er. Erst recht nicht, wenn sich jetzt, bei seiner 89. Fahrt nach Bosnien wieder gezeigt hat, wie nötig die Hilfe ist. „Wenn ich die Eindrücke der Hilfsreise auf den Punkt bringe, dann habe ich einen einzigen Aufschrei von Armut gesehen“, sagt Hölz.

Rund 50.000 Euro habe er bei seiner jüngsten Fahrt an Bedürftige verteilen können. Dabei hat er Erfahrung genug, um zu erkennen, wohin das Geld aus Deutschland gegeben wird. Seit 1992 fährt Hölz regelmäßig nach Bosnien, um zu helfen. Damals war er noch als Caritas-Mann voll beschäftigt, brachte seine Arbeitgeberin dazu, ihn für die Bosnienhilfe freizustellen. Daraus erwuchs eine Lebensaufgabe, die Heribert Hölz, der am Dienstag, 9. Oktober, 76 Jahre alt wurde, weiterhin erfüllt. Seine Frau Ursula unterstützt ihn dabei nach allen Kräften.

Mehr als 100 Briefe hat Hölz in den vergangenen Tagen an Kindergärten und Schulen geschickt. Es geht dabei um Spenden, die die Kinder bei verschiedenen Aktionen sammeln. Das Besondere bei dieser Aktion ist, dass ganz konkret für die Anschaffung von kleinen Schafherden gesammelt wird – als Hilfe zur Selbsthilfe für bedürftige Familien. Dabei bekommen Familien, deren Schicksal Hölz kennt, jeweils fünf Mutterschafe und einen Schafsbock. Die Tiere sollen sich vermehren, dürfen aber nicht geschlachtet werden. Genutzt wird die Wolle und die Milch, aus der Schafskäse gewonnen wird. „Für Kinder ist es schön, wenn sie die Patenschaft für ein Schaf übernehmen können“, berichtet Hölz. Einige Kinder oder Kindergruppen geben den Schafen sogar Namen. Die Schafe kauft Hölz mit vertrauten bosnischen Helfern, die er zum Teil schon seit Jahrzehnten kennt, vor Ort. Ein Mutterschaf kostet 130 Euro, ein Bock 150 Euro.

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Neben dieser Schafsherdenaktion sammelt Hölz nach wie vor Geld für Familienpatenschaften. Mit 25 Euro monatlich kann man dabei eine bosnische Familie bei der alltäglichen Lebensbewältigung unterstützen. Zurzeit werden 70 Familien mit diesem Patenschaftssystem unterstützt. Hölz informiert dabei die Paten über die Familien, die sie unterstützen. Umgekehrt sagt Hölz den Familien aber nur dann den Namen des Spenders, wenn dieser ausdrücklich damit einverstanden ist. Die Paten sollen sich nicht unter Druck gesetzt fühlen, wenn sie sich beispielsweise nur für ein Jahr zum Spenden verpflichten wollen und fürchten, dass sie später mit Bettelbriefen aus Bosnien rechnen müssen.

Die Situation in Bosnien sei nach wie vor katastrophal, sagt Hölz. Gleichwohl bleibt seine Devise „Etwas tun ist besser als nichts tun“ bestehen. Wer um Spenden bittet, muss ein dickes Fell haben, wenn er immer mal wieder unfreundlich abgewiesen wird. Diese Erfahrung hat auch Heribert Hölz gemacht. Aber er hatte jüngst auch ein schönes Erlebnis: Eine Frau rief ihn an und bat ihn um ein Treffen. Sie wolle ihm etwas Geld für die Bosnienhilfe geben. Bei dem Treffen überreichte sie Hölz einen Briefumschlag und verabschiedete sich fast gleichzeitig, ohne sich vorzustellen. Im Briefumschlag lagen 5000 Euro. Diese großzügige anonyme Spende habe ihn regelrecht umgehauen, berichtet. „Ich hätte mich so gerne bei der Frau bedankt; vielleicht liest sie ja diesen Artikel“, sagt er am Ende unseres Redaktionsgesprächs.

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